Fotobericht: FC Seltz - Racing Strasbourg

    • Fotobericht: FC Seltz - Racing Strasbourg

      Krankheit, Bachelorarbeit, Niederlage in Offenbach. Mein November gestaltet sich genauso grau und trist wie man ihn fürchtet und hasst. Also musste dringend mal wieder etwas Abwechslung her. Nichts passt da besser ins Programm als ein attraktives Pokalspiel in Frankreich. Klein gegen Groß, Provinz gegen Großstadt, Seltz gegen Straßburg.



      Seltz ist eine 3.000-Seelen-Gemeinde am Rhein, von der aus man zu Fuß nach Deutschland laufen kann. Nach Straßburg sind es nochmal knappe 50 Kilometer. Also sind die mitgereisten Fans wohl eher gefahren als gelaufen. Es hatten jedenfalls einige den Weg gefunden.



      Es war noch eine halbe Stunde bis zum Anpfiff und während man andernorts noch gelassen am Bierstand plaudert, wurde hier beim Warmmachen zugesehen. Es ging darum, sich die besten Plätze zu sichern. Der Andrang war gewaltig.



      Auch die Kurve, von wo aus man keine wirklich gute Sicht aufs Spielfeld hatte, war schon komplett besetzt. Es herrschte trotz der Zuschauermengen eine merkwürdig ruhige Atmosphäre. Auch wenn man schon seinen Stehplatz gesichert hatte, hätte man sich ja noch unterhalten können. Aber in erster Linie wurde intensiv das Aufwärmprogramm beobachtet, als würde es sich auf dem Rasen um Weltstars handeln. Doch man sah hier bloß Siebt- und Drittligisten.



      Weil keine nervige Stimmungsmusik aus den Lautsprechern kam, hatte es sich die Seltzer Dorfjugend zur Aufgabe gemacht, ein bisschen Leben in die Bude zu bringen. Schon Minuten vor dem Anpfiff wurden Fahnen geschwenkt, getrötet, gesungen, gehüpft.



      Noch immer waren es einige Minuten bis zum Anpfiff und so langsam wurden auch die allerletzten Plätze mit Sicht aufs Grün vergeben.



      Wenn man in Seltz wohnt, erlebt man so ein Spiel vielleicht nur alle 20 Jahre mal, also nur einmal wenn man jung ist. Da muss dann alles rausgeholt werden was irgendwie geht.



      Und für die Straßburger? Ist Seltz nur eine Zwischenstation.



      Es sind dann eben doch vier Ligen Unterschied zwischen beiden Mannschaften.



      Wir hatten uns bis zur Haupttribüne vorgearbeitet, die wohl für wichtige Personen reserviert war. Aber wie das bei wichtigen Personen immer so ist: Die kommen nicht alle. Wir stellten uns penetrant genug direkt daneben, bis der Aufseher ein Auge zudrückte und uns auf die Tribüne ließ. Na also, wer hat von Platzproblemen auf dem Sportplatz gesprochen? Jetzt konnte auch das Spiel endlich mal losgehen.



      So fiel das 1:0 für die Gäste. Der Freistoß-Schütze (ganz links) zieht halbflach einfach mal in die Mitte, wo die Kugel an Freund und Feind vorbei ins lange Eck geht. Hätte man auch halten können.



      Wir als Groundhopper auf der VIP-Tribüne, die Jungs als Pressevertreter bei Facebook.



      Den Preis, den wir alle dafür zahlen mussten: Wir sahen die Torszenen von Seltz nicht. Und ja, es gab welche.



      Das Gästepferd sprang wirklich nur so hoch wie es musste. Mit Ruhm bekleckerte sich Racing wahrlich nicht. Es blieb beim 0:1 zur Pause.



      Es waren zwar viele Gäste anwesend, aber sie machten sich nicht wirklich bemerkbar.



      Von 2.500 Zuschauern war hinterher die Rede.



      Die schöne alte Tribüne mal von vorne.



      Das 0:1 zur Halbzeit konnte Seltz schon als Achtungserfolg verbuchen. Für die achte Runde des Coupe de France reichte es trotzdem nicht. Da musste im zweiten Durchgang ein kleines Wunder her.



      Laut Europlan hat das Stade Saint Etienne eine Kapazität von 3.000. Wären also noch 500 reingegangen, hätten bloß nichts gesehen.



      Die Versorgung klappte aber an zahlreichen Verpflegungsständen vorbildlich.



      Im zweiten Durchgang dann die Entscheidung: 0:2, 0:3, 0:4. Der Camembert war bald gegessen und das Ergebnis standesgemäß.



      Man feierte sich seltzt.



      Man hatte ja auch schonmal was gewonnen.



      Es begann zu regnen und wir begnügten uns mit einem Platz mit Bratwurstduft.



      Andere hatten Regenschirme dabei.



      Doch alle sehnten den Abpfiff herbei. So großartig war das Spektakel nun auch nicht. Mit dem Schlusspfiff begann eine fluchtartige Welle nach draußen.



      Auf dem Rückweg nochmal in den Supermarkt um festzustellen, dass man in Frankreich eher keine Schnäppchen macht. Den einzig wirklich lohnenden Leckerbissen gab es im Stadion. Ein Farbtupfer im grauen November.
      Red Bull boykottieren!
    • sehr schöner Bericht, mag sowas. mal eine Frage, wie wurde denn dort gesprochen? als ich damals in Colmar etwas weiter südlich war, war das so ein Kauderwelsch von Deutsch und Switcher Dütsch (gefühlt). teilweise gut verständlich, im nächsten Moment dann wieder undefinierbares :D
    • CurvaSud schrieb:

      Was kann man den mit dem Studiengang mal machen? Geographie wäre da doch für dich sinnvoller gewesen, so wie Du herumkommst...

      Als Ethnologe kann man ja auch ganz gut herumkommen. Groundhopping ist für mich sogar was Ethnologisches, man lernt ja auf Fußballreisen mehr über Mensch & Kultur als über den Fußball, der an verschiedenen Orten gespielt wird. Mir fehlt jetzt nur noch der Arbeitgeber, der mich fürs Groundhopping bezahlt. Wacker-Wiggerl, was hat deine Schwester aus dem Ethnologie-Studium so gemacht? Bin für Anregungen dankbar.
      Red Bull boykottieren!