Finanzierung des Amateurfussballs

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    • Finanzierung des Amateurfussballs

      Die Ohnmacht im Dorf
      FSV Salmrohr und andere Amateurclubs prangern vor DFB-Bundestag Finanzen an

      Erfurt/Salmtal. In der Messehalle Erfurt wird heute das Schulterklopfen groß sein. Beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) wird sich der Verband für teilweise exorbitant steigende Einnahmen rühmen - etwa durch steigende Erlöse in der medialen Vermarktung oder im Sponsoring.
      Die Geldquellen sprudeln, viele Amateurvereine machen dennoch keine Luftsprünge. Weil aus ihrer Sicht nur homöopathische Dosen der Einkünfte bei ihnen ankommen. "Die Finanzverfassung im deutschen Fußball stimmt nicht. Obwohl über die Fernsehvermarktung künftig mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr erwirtschaftet werden, darben viele Amateurclubs", kritisiert Peter Rauen, Ehrenpräsident des FSV Salmrohr. Der ehemalige Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag sieht die Einheit von Profis und Amateuren nicht nur gefährdet, sondern wegbrechen.
      Auch die Macht vom Dorf - wie sich der FSV Salmrohr gerne bezeichnet - fühlt sich ohnmächtig. Mit anderen Vereinen aus der Oberliga und der Rheinlandliga gab’s ein Krisentreffen. Hintergrund: Im vergangenen Sommer stieg die Spvgg. Wirges freiwillig aus der Oberliga ab, gleichzeitig wollten vier Rheinlandligisten nicht an den Aufstiegsspielen zur Oberliga teilnehmen. Das Problem: die Finanzierbarkeit des Spielbetriebs. Rauen beschreibt einen Teufelskreis: "Früher - bis in die 1980er und 1990er Jahre - gab es seitens der Verbände feste finanzielle Zuwendungen an Vereine in verschiedenen Spielklassen. Die gibt es nicht mehr. Gleichzeitig ist es praktisch nicht mehr möglich, Spieltermine zu finden, an denen nicht gleichzeitig Profispiele live im Fernsehen übertragen werden. Dadurch sinken Zuschauereinnahmen. Sie reichen teilweise nur noch dafür aus, die Schiedsrichter zu bezahlen. Die Refinanzierung der Kosten aus dem Spielbetrieb tendiert also oftmals gegen null, dadurch wird es auch immer schwieriger, Sponsoren zu finden."
      Mit einer Resolution wollen mehrere Vereine - unter ihnen der FSV - wachrütteln. Sie enthält Vorschläge, mit denen Amateurclubs zu mehr Geld kommen können.

      1) DFB und Deutsche Fußball-Liga sollen zwei Prozent der jährlichen Einnahmen aus den medialen Vermarktungsrechten der ersten und zweiten Bundesliga an den DFB zur Weiterleitung an die Landesverbände abführen, damit diese ihre Clubs in den Bezirks-, Verbands-, Ober- und Regionalligen unterstützen können. Zwei Prozent von einer Milliarde Euro - das wären 20 Millionen Euro. Jeder der 21 Landesverbände bekäme demnach knapp eine Million Euro. Ein Rheinlandligist könnte sich so pro Saison über rund 16 000 Euro freuen - Regionalligist Eintracht Trier würden derzeit 125 000 Euro zuteil werden.

      2) Der DFB soll zehn Prozent der Auszahlungen an die Teilnehmer der DFB-Pokalspiele zur Weiterleitung an die Landesverbände einbehalten. Jeweils 20 Prozent dieser Summe soll der Landesverband dann an die Verliererteams in den letzten Runden seiner Verbandspokal-Wettbewerbe ausschütten - ab dem Sechszehntel-Finale bis zum Endspiel. Im DFB-Pokaltopf stehen laut Rauen rund 50 Millionen Euro zur Verfügung. Laut Vorschlag würde somit jeder der 21 Landesverbände rund 238 000 Euro bekommen - der Verlierer des Landespokalfinals würde so knapp 48 000 Euro erhalten. Das wäre weit mehr als nach einem aktuell im Fußballverband Rheinland praktizierten Verteilungsmodell, nach dem an den Finalverlierer rund 5000 Euro ausgeschüttet werden.
      Rauen hofft, dass die Resolution nicht zum Papiertiger verkommt. Doch er ist skeptisch: " Sie macht nur Sinn, wenn sich ihr deutschlandweit alle Amateurvereine anschließen. Um sie überall bekanntzumachen, werden wir aber wohl nicht auf die Hilfe der Landesverbände zählen dürfen. Deshalb müssen wir Geduld haben."

      Quelle: fupa.net
      Resolution!
    • In die Diskussion um die finanzielle Ausstattung von Fußball-Amateurvereinen (fupa berichtete) meldet sich der FSV Trier-Tarforst zu Wort.
      Er fordert unter anderem feste Fördersummen sowie den Erlass von Gebühren.



      Eine Resolution macht die Runde. Ausgehend von einem Krisentreffen haben mehrere Oberligisten und Rheinlandligisten einen Appell verfasst, in dem auf die finanzielle Misere von Fußball-Amateurvereinen sowie eine weiter auseinandergehende Schere zwischen Profibereich und Basis verwiesen wird. Verknüpft wird die Lagebeschreibung mit Lösungsvorschlägen für eine bessere finanzielle Förderung (fupa berichtete).
      Darauf basierend haben sich auch der Vorstand und Beirat des Rheinlandligisten FSV Trier-Tarforst mit einem Schreiben an den Präsidenten des Fußballverbands Rheinland, Walter Desch, gewandt.


      Darin beklagt der FSV viele finanzielle Auflagen des Verbands, die kaum zu schultern seien. Dazu zählten Kosten für das sogenannte DFB-Net, Bestrafungen, Schiedsrichterkosten, Ausgaben für die Ausbildung der Trainer oder Verbandsumlagen. "Der Kostenapparat für Ausstattung, Ausrüstung und Fahrtkosten der Mannschaften sowie Ausbildungskosten für die Trainerlizenzen sind nicht mehr zu stemmen", heißt es in dem vom FSV-Vorsitzenden Werner Gorges unterzeichneten Schreiben.

      Zur Veranschaulichung listet der Verein die Kosten aus der vergangenen Saison auf (ohne Ausstattung und Ausrüstung): Schiedsrichterkosten Senioren: 4000 Euro, Schiedsrichterkosten Jugend: 2000 Euro, Fahrkosten Senioren: 10 000 Euro, Fahrkosten Jugend: 10 000 Euro, Strafen an Verband: rund 800 Euro, Passanträge, Gebühren an Verband: rund 2000 Euro, Ausbildungskosten für Trainer (Jugend, Senioren) sowie Seminare: 5500 Euro.

      Laut FSV können diese Kosten durch Beiträge und Zuschauereinnahmen nicht gedeckt werden - und die Gewinnung von Sponsoren sei alles andere als leicht.
      (...)
      Der FSV liegt in der Rheinlandliga derzeit aussichtsreich auf Rang fünf. Aktuell erhalte der Club 3000 Euro netto von Lotto (Werbe- und Sponsorengeld). Gorges: "Sollte der FSV Tarforst in der sportlichen Qualifikation die Oberliga erreichen, sehen wir wenig bis keine Möglichkeit, das Thema anzugehen."

      Der FSV schlägt vor, die Rheinlandligisten jährlich mit 10 000 Euro zu fördern, Oberligisten mit 20 000 Euro. Zudem plädiert der Verein für den Erlass der Umlagen und Schiedsrichterkosten sowie einen Zuschuss beziehungsweise die Übernahme der Fahrtkosten.

      Der Club sieht die Zukunft des Ehrenamts gefährdet. " Wir, die Vereine, finden heute schon keine Platzkassierer, Ordner und Helfer mehr, geschweige Übungsleiter. Ein Grund liegt darin, dass immer mehr Profifußball im Fernsehen gesendet wird und die Sportinteressierten natürlich dann lieber um 18.30 Uhr ein Top-Spiel Bayern gegen Dortmund ansehen, als sich in die Kälte zu stellen und Eintritt zu kassieren!", heißt es in dem Brief an Desch. Die Befürchtung des FSV: "Sollten die Planungen zur Ausdehnung der Übertragungen am Sonntagnachmittag umgesetzt werden, dann werden wir vor noch weniger Zuschauer spielen und keine Ehrenamtler mehr finden. Die Übertragungen sind jetzt schon mehr als schädlich für den Amateurbereich."

      Quelle: FuPa/Rheinland
      Resolution!
    • Eifel-Druide schrieb:


      Zur Veranschaulichung listet der Verein die Kosten aus der vergangenen Saison auf (ohne Ausstattung und Ausrüstung): Schiedsrichterkosten Senioren: 4000 Euro, Schiedsrichterkosten Jugend: 2000 Euro, Fahrkosten Senioren: 10 000 Euro, Fahrkosten Jugend: 10 000 Euro, Strafen an Verband: rund 800 Euro, Passanträge, Gebühren an Verband: rund 2000 Euro, Ausbildungskosten für Trainer (Jugend, Senioren) sowie Seminare: 5500 Euro.

      Laut FSV können diese Kosten durch Beiträge und Zuschauereinnahmen nicht gedeckt werden - und die Gewinnung von Sponsoren sei alles andere als leicht. …
      dazu kommt noch der Aspekt, dass die wenigsten Sponsoren und Zuschauer mit ihren Zahlungen den Verband oder die schiedsrichter finanzieren wollen, sondern wenn dann irgendwas im Verein
    • Auch in Bayern regt Ex-Unterhaching-Boss Kupka Widerstand an.

      Fußball: Amateure attackieren DFB

      Am 26. Januar kommt es im Gasthof Neuwirt in Garching, nördlich von München, zu einem Treffen, das man durchaus konspirativ nennen könnte. Eingeladen zu dieser, wie er es nennt, „Solidaritätsveranstaltung“ hat Engelbert Kupka, der Ehrenpräsident des ehemaligen Fußball-Bundesligisten SpVgg. Unterhaching. Die Einladung gilt sämtlichen, laut aktueller DFB-Statistik exakt 25.075 Fußballvereinen in Deutschland. Kupka plant, im Saal des Gasthofes eine Aktionsgemeinschaft „Rettet die Amateurvereine“ zu gründen. Der 77-Jährige hat bereits einige Mitstreiter gefunden, vom TSV 1860 Rosenheim und VfR Garching aus der Regionalliga über den SV Pullach aus der Bayernliga, Arminia Hannover aus der Oberliga Niedersachsen, verschiedenen Klubs aus den Landesligen, Bezirksligen bis hinunter zur Kreisklasse.

      Kupka findet, „dass beim DFB vieles in Schieflage geraten ist“. Er will verhindern, „dass die finanzielle Schere zwischen Amateuren und Profis“ sich „weiter öffnet und die Amateurvereine von den Entwicklungen im Fußball völlig abgehängt werden, nach dem Motto: ,Den Amateuren die Ideale, den Profis das Geld’“. In einem Offenen Brief hat Kupka zum Wochenanfang zehn Fragen an DFB-Präsident Reinhard Grindel geschickt. Besonders echauffiert sich der Bayer darüber, dass es im neuen, zu seinem Befremden gleich über eine Laufzeit von sechs Jahren abgeschlossenen Grundlagenvertrag zwischen DFB und Deutscher Fußball-Liga eine „wesentliche nachteilige wirtschaftliche Veränderung“ zuungunsten der Amateurklubs gäbe.

      Denn nach wie vor würden drei Prozent der Einnahmen der 36 Profiklubs Richtung DFB transferiert, im Gegenzug erhält die Liga Anteile an den Einnahmen, welche die Nationalmannschaft durch deren Vermarktung generiert. Kupka sind drei Prozent zu wenig. Er fragt: „In welcher Form sehen der DFB und die DFL die Solidarität mit dem gemeinnützigen Fußball verwirklicht und in welcher Weise wird dessen gesellschaftlicher Bedeutung Rechnung getragen, wenn von ca. 1,5 Milliarden Euro Gesamteinnahmen pro Saison über 1,4 Milliarden Euro den 36 Profivereinen und nur ein Teil von 50 Millionen Euro den Amateurvereinen zur Verfügung gestellt werden“?

      Quelle: fr-online.de/sport/fussball-am…dfb,1472784,35071294.html
      "Man ist nicht zu betrunken, solange man auf dem Boden liegen kann, ohne sich festzuhalten." (Finnisches Sprichwort)