Gründe für das Desinteresse

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    • Gründe für das Desinteresse

      Wenn ich solche Bilder sehe
      facebook.com/zeitspielmagazin/videos/692627964251993/
      könnte ich über die Verhältnisse in Deutschland heulen.

      Was meint Ihr - was macht die Deutschen anders, dass so etwas im Landes des Weltmeisters nicht funktioniert?
      Tradition dient vielen nur dazu ihr Fandasein zu einem kommerzialisierten Verein zu tarnen, während man sich als Feindbild inkonsequent auf RB stürzt. Doch der billigste Applaus ist auch stets der peinlichste.
    • Das Video hab ich gerade auch bei FB gesehen... ^^ Südamerika und dort speziell Argentinien und nochmal spezieller der Großraum Buenos Aires ist schon der absolute Obertraum! Liegt aber auch daran, dass die Leute teilweise absolut gar nichts außer Fussball haben im wahrsten Sinne des Wortes! Und dazu eine andere Mentalität! Hier in Deutschland ist das Interesse maximal bis zur 4.Liga vorhanden. Und auch dort nur bei Traditionsvereinen oder selten mal auch kleineren Vereinen.... In Argentinien wird ja teilweise auch in den Amateurligen unter der Woche mal um 15 Uhr oder noch früher gespielt, aber es sind dann trotzdem oft mehrere Tausend Zuschauer da. Wieso? Weil die Leute wie eingangs erwähnt außer Fussball und ihrem Verein nichts haben... Jetzt mal hier als Vergleich aus der 5.Liga, also Oberliga in NRW. Nehmen wir mal große oder größere Vereine bzw. Spiele wie:
      KFC Uerdingen vs. 1.FC Bocholt
      Hammer SpVgg vs. SV Lippstadt
      FC Wegberg-Beek vs. SV Bergisch Gladbach

      Wenn solche Spiele z.B. mittwochs 15 Uhr stattfinden würden, wären bei keinem auch nur annähernd 1.000 Zuschauer. Geschweige denn Fanblöcke mit Pyro, Fahnen, Trommeln, Konfetti, Rauchbomben usw. Vielleicht in Uerdingen gerade so die 1.000, aber sonst? Ist einfach leider eine andere Welt....
    • Dieses Thema ist ein abendfüllendes Programm...ich denke da spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

      Ich durfte mich im vergangenen Semester in der Uni in einem Soziologie-Kurs mit genau diesem Thema auseinandersetzen (selten habe ich so leicht eine 1,3 bekommen und dabei so einen Spaß gehabt :kicher: ). Daher möchte ich mal die wesentlichen Punkte aufzählen, die meiner Meinung nach dafür verantwortlich sind, warum Amateurfussball in Deutschland - mit Ausnahme von ein paar sehr fussball-affinen Standorten - ein eher kränkelndes Dasein fristet. Und tatsächlich lassen sich generelle Entwicklungen in der Gesellschaft auch auf die Entwicklung der Popularität des Amateurfussballs (und auch des Fussballs generell) beziehen.

      Zunächst mal würde ich behaupten, dass Fussball in den Köpfen der Menschen heute einen anderen Stellenwert besitzt. Wir erleben jetzt zwar seit etwa 10 Jahren (ich sehe den Startpunkt immer bei der WM 2006) einen unglaublichen Fussball-Boom in Deutschland. Aber man muss sich da mal das Publikum anschauen, welches wirklich zu den Spielen hingeht, bzw. Fussball übers Fernsehen konsumiert. Diesbezüglich sind die Zahlen im Vergleich zu den letzten 50 Jahren insgesamt stark angestiegen und man hat das generelle Gefühl, dass sich mehr Menschen für Fussball intressieren. Das "System Fussball" hat das für sich auch erkannt und tut durch Marketingstratregien viel dafür, neue Zielgruppen zum Fussball zu bringen. Das klingt erstmal alles schön und gut, hat aber auch so seine Schattenseiten: Denn ein Großteil der "hinzugewonnen Zuschauer" konsumiert zwar regelmäßig Fussballspiele, hat aber eine andere Einstellung zum Spiel als das früher vielleicht der Fall war. Ich nenne als Beispiel dabei jetzt nur mal die ganzen Fussball-Hipster, die ein Fussballspiel eher als Freizeitbeschäftigung bzw. als Möglichkeit ansehen, etwas zusammen mit Freunden zu unternehmen. Wir habens doch alle wohl schon erlebt, wie diese Hipster während des Spiels eher am Smartphone hängen als wirklich dem Geschehen aufm Platz zu folgen :thumbdown: . Die Grundeinstellung ist eher: "Ich gehe zum Fussball, weils cool ist zum Fussball zu gehen" anstatt "Ich mag diesen Sport und identifiziere mich damit".

      Das radikalste Beispiel dafür sind Public Viewing Events während Welt- und Europameisterschaften. Ich hab das während der WM 2010 mal vorm Olympiastadion in Berlin mitgemacht - nie wieder! Für das Spiel intressiert sich da kaum einer, der Großteil der Leute feiert sich da eher selbst (es ist eben ein Event).
      Dementsprechend fehlt vielen Fussballzuschauern, obwohl sie Fussball vielleicht sogar regelmäßig verfolgen auch automatisch die Expertise über "das Spiel an sich", sowie eine - ich nenne es mal - "natürliche Fussball-Begeisterung" über größere Events hinaus. Zu WM und EM gucken wirklich alle Leute Fussball und in Deutschland herrscht 4 Wochen lang Partystimmung. Viele schalten vielleicht auch mal bei einem Champions League-Spiel von Bayern oder Dortmund ein. Dass wars dann aber auch.

      Kurzum: das Freizeit-Verhalten - insbesondere der jüngeren Generationen - hat sich durch ein reichhaltigeres Freizeitangebot verändert. Eine weitere Entwicklung, die da reinspielt, ist sicherlich die TV-Präsenz von Fussball. Heute kann man von Montag bis Sonntag jeden Tag Fussball gucken (und wer kein sky hat guckts eben im Internet in nem Livestream). Irgendwann ist man da einfach übersättigt und tut sich zusätzlich zur BuLi-Konferenz am Samstag dann am Sonntag eben nicht noch den Verbandsliga-Kick zwischen dem FC Alte Heide II und Eintracht Pfützensee an.
      Das "System Fussball" tut mit seinen Vermarktungsstrategien auch alles dafür, dass diese Entwicklung anhält. Und die großen Vereine und großen Spieler werden mittlerweile zu absoluten Heldenfiguren stilisiert, so dass jeder 8-jährige halt lieber mit nem Messi-Trikot zur Schule gehen will als mit nem Trikot von einem Verein aus der Region. Und in der Freizeit spielen die Kids die großen Spiele eben lieber auf der Konsole nach.
      Dementsprechend ist es für kleinere Vereine im Profifussball und für unterklassige Vereine auch schwierig neue Zuschauer zu gewinnen, da sich die Durchschnitts-Zielgruppe eben auch nur für die großen Vereine und großen Spieler intressieren. Die Zahl an "Fussball-Interessierten" hat also insgesamt deutlich zugenommen, die Zahl an tatsächlichen "Fussball-Begeisterten" (wie wir sie wahrscheinlich definieren würden) allerdings nicht. Wobei ich zugeben muss, dass es diesbezüglich bislang noch keine gescheiten Studien, geschweige denn valide Statistiken gibt (Auftrag an mich: über dieses Thema meine Abschlussarbeit schreiben :D ).

      Natürlich gibt es ein paar Ausnahmen, speziell im Ruhrpott (wo Fussball eben noch richtig "gelebt" wird und auch zu unterklassigen Spielen die Zuschauerzahlen gelegentlich im vier- bis fünfstelligen Bereich sind). Der Ruhrpott hat diesbezüglich vielleicht auch den Standortvorteil, dass viele Vereine mit reicher Historie und ausgeprägter Lokalrivalität häufiger gegeneinander spielen als vergleichbare Vereine in ländlicheren Regionen.

      Ich will meinen Post jetzt nicht unnötig akademisch aufblasen, möchte aber kurz noch Pierre Bourdieus Begriffe vom Zugehörigkeitsgefühl zu einer gesellschaftlichen Schicht, bzw. einer Gruppe und dem Sport als Katalisator für ein Gemeinschaftsgefühl anbringen:
      Eine gewichtige Rolle spielt sicherlich der Punkt, den Mischka schon ansprach: In anderen Ländern haben viele Menschen - speziell in ländlicheren Regionen - in ihrer Freizeit eben nicht viele andere Möglichkeiten als den lokalen Fussballklub. Es läuft auch weniger Fussball im Fernsehen. Der Stellenwert und die Identifikation mit dem lokalen Klub ist dementsprechend ausgeprägter und um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu zeigen wird eben auch mehr Stimmung gemacht.
      Man könnte an diesem Punkt die Thematik übrigens weiterspinnen und diese soziologischen Theorien (allen voran das Gemeinschaftsgefühl von Gruppen) auch auf die Ultrakultur anwenden - aber ich habe jetzt genug geschrieben :) .
    • Doch doch, das akademische an der Diskussion sollte auch Platz haben. Freue mich über solch eine Debatte eigentlich, die sich dann von anderen Threads abhebt.
      Einen Einwand hätte ich aber: Nirgendwo kann man wohl mehr Spiele im TV sehen als in Argentienen. TROTZ TV funktioniert das dort also.
      Tradition dient vielen nur dazu ihr Fandasein zu einem kommerzialisierten Verein zu tarnen, während man sich als Feindbild inkonsequent auf RB stürzt. Doch der billigste Applaus ist auch stets der peinlichste.
    • Ich wage mal eine gewagte These und sage, dass es hauptsächlich an der Mentalität liegt.

      Als Beispiel nehme ich mal mich selbst. Warum bin ich (übrigens durch die Begeisterung der WM 2006) zum WSV gekommen? Weil ich Wuppertaler bin! Der Verein steht für meine Heimat, meine Stadt. Ja, ich bin Lokalpatriot! Es war mir völlig egal in welcher Liga mein Stadtverein spielt oder wie der Gegner heißt, der WSV war und ist die erste und einzige Adresse!

      Bei wie vielen Menschen ist meine Begründung zutreffend, warum sie zu einem Verein gehen? Ich glaube die Zahl ist schwindend gering...

      Und ich denke, in Südamerika ist man insgesamt patriotischer als bei uns in (West-)Europa.
      Wuppertaler SV
    • Ich denke, jannefieke hat die Gründe gut herausgearbeitet.
      Gerne gebe ich ja die Klassenstufe meines Sohnemannes als Beispiel an. Dort tendiert das Interesse am Fußball fast gegen Null. Ich behaupte mal, selbst einen Messi kennen dort einige Jugendliche nicht.
      Zumindest Sohnemann mußte ich tatsächlich darüber aufklären, wer das ist.
      Die Kids juckt es einfach nicht mehr!

      Der ein oder andere Punkt wird auch von den kleinen Vereinen als Kritik gegenüber den Verbänden gebraucht, ist aber vlt ein anderes Thema.

      Was ich persönlich noch anmerken möchte, in Argentinien hatte der Fußball wohl auch eine politische Protestfunktion, bestimmt diente er aber als eine Art Katalysator.
      Ich nehme an, in irgendeiner Form wird das immer noch der Fall sein und auch dazu beitragen, daß die Identifikation der ärmeren Schichten mit ihrem Verein ausgeprägter geblieben ist.
      Zumindest in Italien hatte ja auch die Ultrakultur deswegen einen gewissen Zulauf.
      Oder täusche ich mich in meiner Annahme?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Russel P. ()

    • ich denke,das sich im Laufe der Jahrzehnte auch das Freizeitverhalten geändert hat,dazu ein Überangebot an Profi-Fußball im Fernsehen sowie weitere Sportarten,die zu meiner Kindheit und Jugend alle eine Nebenrolle spielten.

      "Rausgehen" bedeutete für mich grundsätzlich :"ab auffm Fußballplatz",entweder zum MSV oder zu einem der benachbarten Stadtteilvereine,das gehörte für mich und meinen Freundeskreis mehr oder weniger zum Lebensmittelpunkt.

      meist lief es dann etwa so ab:
      Kumpel mit eher rudimentärem Fußball-Interesse."gehsse gleich inne Disco?-is´Freitag und Wochenende !"
      passende Antwort von mir :"bisse bekloppt,MSV spielt gleich,da spielt die Musik"


      im Fernsehen gab´s nur 2 Programme und Live-Übertragungen waren in den 60ger und 70ger Jahren eher selten,wat hasse dich da gefreut,wenn es eine Programmänderung gab und die zweite Halbzeit eines Europapokalspiels gezeigt wurde-weil das etwas Besonderes war.

      heute schaltest Du den Fernseher ein-und es läuft fast täglich irgendein Fußballspiel.

      heute gibt´s Internet,Smartphone,Playstation&Co.,viele hocken dann lieber-auch bei schönstem Wetter-inne Bude und klimpern auf diesen Teilen herum.

      bei mir dreht sich auch heute in erster Linie noch größtenteils alles um Fußball,mir würde etwas fehlen,Fußball nicht live auf einer Sportanlage sehen zu können-Fußball am Fernseher kann Fußball auf einer Sportanlage,zumindest für mich,NIE ersetzen !!

      Fußball ist für mich nicht "Event"-dat´is Lebensinhalt,brauch zumindest ich wie Luft zum Atmen
      ich kannte wen
      der litt akut
      an Fußballwahn
      und Fußballwut
      (Joachim Ringelnatz)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kuddel Daddeldu ()

    • Dann tippe ich mal, dass Du - so ungefähr wie ich - Jahrgang 1968 +/- ein bißchen bist.
      Da ich in Wunstorf bei Hannover aufwuchs und nicht im Ruhrgebiet gab es eigentlich nur Hannover 96, hin und wieder mal Arminia Hannover mit dem Opa oder 1. FC Wunstorf.

      Aber meine Fernseherfahrung ist identisch. Und vor allem habe ich 2. Liga Nord und Süd sowie Oberliga Nord noch in echten Radioübertragungen erlebt, in denen man das Gefühl bekam, dort ist das Epizentrum des Fußballs und nicht irgendwo in der Fremde am Rande Europas.
      Tradition dient vielen nur dazu ihr Fandasein zu einem kommerzialisierten Verein zu tarnen, während man sich als Feindbild inkonsequent auf RB stürzt. Doch der billigste Applaus ist auch stets der peinlichste.
    • Auf dem obigen Video sehe ich jetzt aber nur 30 hüpfende Ultras. Oder habe ich was übersehen? Die hast du bei 60 München auch, wenn die demnächst fünftklassig spielen.

      Zum allgemeinen Thema:

      Die Bundesliga rühmt sich ja der höchsten Zuschauerzahlen in Europa. Meine mich zu erinnern, dass sich dieser Vorsprung auf den unteren Ebenen dann aber z.B. im Vergleich zu England verliert. Ich finde das aber auch nicht verwunderlich.

      In Deutschland ist der Profifussball spät eingeführt worden. Schon in den 60er Jahren ging das mit einem rapiden Verlust des Interesses an den unteren Ligen einher. Zugleich wurde damit die Vielfalt des Fußballs in vielen Städten zerschlagen. Man nehme das Ruhrgebiet, in dem viele Städte, Duisburg z.B. noch mehrere Vereine auf Augenhöhe hatten. Schon damals hat sich das Fanaufkommen zugunsten eines Vereins in der Stadt konzentriert, in der weiteren Entwicklung im Ruhrgebiet dann mehr und mehr nur noch auf die beiden Großvereine.

      Das Fernsehen wurde ja bereits angesprochen. Ich erinnere mich, dass der Verein, in dem ich als Kind mal gekickt habe, SC Schaffrath vor ein paar Jahren den Protest gegen die Sonntagsspiele anführte. Damals hieß es, selbst Spieler (Bezirksliga, später Kreisliga) hätten sich sonntags schon mal abgemeldet, um ein Spiel des S04 sehen zu können. Und Zuschauer hätten sich lieber im Vereinsheim S04 auf Sky angeschaut,als den Kick draußen auf dem Platz.

      Ich kann es den Leuten aber auch nicht verübeln. Sie können heute im TV jeden Tag den besten Fußball aus aller Welt goutieren, wenn sie sich den wirklich für Fußball interessieren (die von jannefieke erwähnten "Büro-Fans" lasse ich mal außen vor). Warum also Oberliga-Fußball gucken? Aus sportlichen Gründen sicher nicht. Dann eher aus sozialen Gründen. Diese lokalen Bindungen haben sich aber verloren. Ein Verein beispielsweise wie die nicht mehr existente STV Horst-Emscher in GE war ein Stadtteilverein mit einer engen Anbindung an die Zeche Nordstern. Die Zeche gibt es nicht mehr und auch nicht die lokale Verbundenheit. der Sportplatz ist auch nicht mehr der Ort, wo man noch den Nachbarn trifft. Die Sozialen Zusammenhänge haben sich in der individualisierten Gesellschaft längst aufgelöst. Und ehrlich, das Angebot an Möglichkeiten für junge Menschen ist heute so vielfältig, mit fällt nicht viel ein, denen ein Oberligaspiel als geiles Wochenenderlebnis zu verkaufen.
    • Silesiosaurus schrieb:

      Dann tippe ich mal, dass Du - so ungefähr wie ich - Jahrgang 1968 +/- ein bißchen bist.
      da warste nah dran,ich bin Jahrgang 1962.
      die Samstage liefen in den 60ger Jahren mehr oder weniger wie ein Ritual ab.
      Mittags gab es ´nen Eintopf,der wurde für 2 Tage gekocht,am Samstag war´s der 2.Tag.
      danach noch´nen Pudding löffeln und so gegen 15:00 Uhr hat mein Vater das Radio eingeschaltet-ein großes,dickes Röhrenradio,die Kiste mußte erst mal warm werden,was so 5-10 Minuten dauerte,dann folgte meist noch ein Brummton-und dann folgten entweder Eddi Körper oder Kurt Brumme mit "Sport und Musik",was hier im Westen auf WDR 2 lief.
      das hat mich schon in der frühesten Kindheit fasziniert,die Reporter konnten so spannend von den Fußballspielen berichten,da sprang mit Beginn der Reportage das Kopfkino an.
      in der Samstag-Sportschau wurden meist Ausschnitte von 2 Spielen gezeigt,bei uns zu Hause noch stilecht in Schwarz-Weiß,die Spiele des Aktuellen Sportstudios habe ich erst mit 10 oder 11 Jahren sehen dürfen,weil die relativ spät gesendet wurde.
      der Sonntag war fernsehtechnisch am Anfang noch für Flipper,Lassie oder Bonanza reserviert,bis wir herausgefunden haben,daß es die Sportschau auch am Sonntag gab,da spielten die Regionalligen.

      andere Sportarten außer Fußball waren für uns Exoten und wurden bis auf Formel 1 (wegen der damals oft spektakulären Unfälle-das die Fahrer dabei zu Schaden kommen könnten,hat man als 6jähriger leider nicht so realisiert)eher beiläufig verfolgt.

      auf der Straße wurden in der darauffolgenden Woche die Spiele des vergangenen Wochenendes nachgespielt,die besseren Kinder waren Müller,Beckenbauer und Netzer,ich als eher rustikaler und technisch limitierter Bolzer gab meist den Berti Vogts...

      für uns Blagen gab´s eigentlich nur Fußball-andere Ablenkungen existierten nicht oder interessierten uns nicht
      ich kannte wen
      der litt akut
      an Fußballwahn
      und Fußballwut
      (Joachim Ringelnatz)
    • @Kuddel Daddeldu
      Bei mir lief es fast gleich ab...
      Allerdings ging es jeden 2. Sonntag um 11 Uhr (nach der Kirche) aufn Fußballplatz, Viktoria Rietberg anschauen.
      Sonst könnte ich deinen Bericht auch für meine Jugend nehmen 8)

      Allerdings interessiere ich mich nicht für die Bundesliga, mir ist der Verein aus der Stadt, in der ich lebe, 1000 mal lieber!
    • Bundesliga-Spiele waren für mich auch nicht selbstverständlich.
      wir wohnten in einer Arbeiter-Siedlung-da gab es 2 oder bestenfalls 3 Heimspiele vom MSV in einer Saison im Wedaustadion zu bestaunen,mehr war finanziell nicht drin.
      ich bin öfters auch zur Grunewald-Kampfbahn,Heimat des DFV 08,gepilgert.
      mein Onkel wohnte in unmittelbarer Nähe zur Platzanlage,der ist dann immer zur 2.Halbzeit losgegangen,dann konnte er umsonst Fußball gucken-und ich als Begleitung auch... :cool:
      wir haben uns schon als Blagen den Kicker gegönnt-allerdings nur die Montag-Ausgabe.
      mein bester Kumpel und ich haben es immer wechselweise gehandhabt-eine Woche hat er gelöhnt,die andere Woche ich-und die Zeitung wurde dann einfach weitergereicht-so hatten wir beide etwas davon.
      mit der Tageszeitung wurde genauso verfahren,die gab´s bei uns "zeitversetzt" am Dienstag,wenn die Nachbarin die Zeitung ausgelesen hatte,da hab´ich mir erstmal den Sportteil gekrallt...

      als Freizeitvergnügen hat sich eigentlich alles um Fußball gedreht,daran hat sich bis heute bei mir nicht geändert.

      gestern hat mich ein Arbeitskollege gefragt,ob ich Lust hätte,zum "Starlight Expreß" zu gehen.
      nee,das hab´ich dankend abgelehnt,dann lieber zu Vorwärts Kornharpen auffe Burkuhle,da war ich auch noch nicht.. :lachen:
      daraufhin meinte er (selber Torwart Kreisliga B),daß ich ´nen Dachschaden hätte..
      schon möglich,aber ich fühl mich richtig gut dabei :lol:
      ich kannte wen
      der litt akut
      an Fußballwahn
      und Fußballwut
      (Joachim Ringelnatz)
    • Sind wir nicht alle ein bischen Bluna...? :jaaa:

      Ich bin ja schon als Baby (Jahrgang '54) Weltmeister geworden! Und wir hatten das gute alte Grundig-Röhrenradio mit dem Magischen Auge. Das war aber schon nach ca. 3 Minuten einsatzbereit. Hab sogar noch die heia-heia-Rufe von der WM 58 in Schweden im Ohr. Wuchs im beschaulichen Ganderkesee (zwischen Bremen und Oldenburg liegend) auf. Und Opa brachte mir aus Hamburg immer Zeitungen mit. Mit Fotos von Uwe Seeler & Co. Wenn ich dann bei Oma und Opa war, ging er mit mir zum Rothenbaum oder zur Adolf-Jäger-Kampfbahn.
      Wie von Kuddel Daddeldu so treffend formuliert, ging dann bei den Radioübertragungen das Kopfkino an. Das war Fussi pur.
      Später dann war ich immer am Dümmer See. Mein Vater hatte dort mehrere Softeisstände. Da stand das Kofferradio in der Ecke. Kurt Brumme war Pflicht. Am liebsten habe ich immer Werner Hansch gelauscht. Im TV kommentierte er ja nur Konserven. Da kam er dann schon lange nicht mehr an die Qualität vom Radio ran.
      Und die Sabbelpötte von heute bringen es auch nur in Ausnahmen auf den einstigen Level.
      :jaaa: Zwei die nichts wissen, wissen auch nicht mehr als einer, der auch nichts weiß :jaaa: