Fotobericht: FK Radnik Bijeljina - FK Krupa na Vrbasu

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    • Fotobericht: FK Radnik Bijeljina - FK Krupa na Vrbasu

      Eigentlich war ich bloß im Urlaub und Fußball sollte nur geschaut werden, wenn es sich gar nicht vermeiden ließ und einem das Stadion praktisch vor die Füße fiel.
      Eines Morgens wachte ich in Belgrad auf und ärgerte mich dann aber doch, dass ich Heimspiele vom Roten Stern und von Partizan nur um jeweils einen Tag verpasst hatte. Als nächstes sollte es nach Sarajevo gehen, aber nicht an einem Tag, sondern mit Zwischenetappe. Also könnte man doch ... wie wäre es denn ... wenn auf dieser Zwischenetappe, die auf einen Samstag fiel, plötzlich Fußball gespielt werden würde?



      So ein Zufall aber auch! Da hatte ich Bijeljina als Zwischenetappe vorgeschlagen und dann hing doch da im Ort tatsächlich ein Spielankündigungsplakat für denselben Nachmittag!
      Bijeljina liegt im äußersten Nordosten von Bosnien-Herzegowina an der Grenze zu Serbien. Gut 100.000 Einwohner leben in und um die Stadt und es wird Erstligafußball gespielt. In der vergangenen Saison wurde der örtliche Klub, der FK Radnik Bijeljina, Tabellensechster. Ein Jahr zuvor wurde man bosnischer Pokalsieger und nahm am Europapokal teil, ohne dort in irgendeiner Weise auf sich aufmerksam zu machen. Präsident des Vereins ist übrigens seit zwei Jahren Mladen Krstajic, früher bei Bremen und Schalke aktiv.



      Das Stadion liegt angenehm zentral hinter dem Stadtpark. Man läuft direkt auf die Haupttribüne zu, die auch gleichzeitig die einzige Tribüne ist. Der Eintritt war für Frauen kostenlos, Männer zahlten 5 Mark, also 2,50 Euro. Dass die bosnische Währung einst an die deutsche Mark gekoppelt wurde und ich tatsächlich mit einem Fünf-Mark-Stück bezahlte, machte schon fast ein wenig nostalgisch. Den komplizierten serbischen Wechselkurs von 1:122 hatte ich jedenfalls ziemlich schnell satt!



      Es war der erste Spieltag und es war knapp 40°C heiß! Man fragt sich angesichts der Temperaturen schon ein bisschen, warum die Balkan-Ligen so früh mit dem Spielbetrieb beginnen.



      Im Hintergrund der Ort, der nun wahrlich alles andere als spektakulär ist. Ein großer Platz, ein Markt, der Park und ein paar Restaurants und Cafés. Hier leben vor allem bosnische Serben und Wikipedia erzählt, dass die Fangruppe von Radnik auch mal zu Spielen der serbischen Nationalmannschaft fährt. Vor dem Spiel konnte ich jedenfalls einige Hochzeiten beobachten, bei denen die Autokorsos mit serbischen Fahnen geschmückt waren.



      Die Anzeigetafel informierte darüber, dass der FK Krupa aus Krupa na Vrbasu zu Gast war. Krupa ist einer der kleinsten, vermutlich sogar der kleinste Verein der bosnischen Premijer Liga und kommt aus einem Ort mit 1.257 Einwohnern, im Vorjahr wurden sie aber immerhin Vierter. Gästefans brachten sie keine mit. Aber auch die Heimfans machten sich nicht lautstark bemerkbar, die bei Wikipedia angekündigte "Fangruppe" suchte ich vergeblich, Aufkleber hingen aber einige.



      Es spielten zwei Mannschaften gegeneinander, deren Farben beide Blau-Weiß sind und die beide gleich schlecht spielten. Junge, Junge, was für ein erbärmliches Gewürge. Bis zur Pause zählte ich keine einzige echte Torchance, auch wenn der Ball es nach einer Ecke mal in den Fünfmeterraum schaffte. Aber es ging überhaupt keine Gefahr von einem der Teams aus.



      Unter der Tribüne gibt es ein "Restoran" und darüber die VIP-Räume, in denen zwar Leute herumsaßen, mich aber niemand am Herumspazieren hinderte.



      Ich lief mal weiter, es war inzwischen Halbzeit...



      ...und erfreute mich schließlich eines Blickes über die gesamte Tribüne. Erst mit dieser Sicht realisierte ich, wie gering der Zuschauerzuspruch für ein Eröffnungsspiel war. Hinterher war von 450 Zuschauern zu lesen.



      Hier hätte ich auch reinlaufen und stürmen können, man wurde wirklich nirgendwo gehindert, aber man muss es ja auch nicht übertreiben.



      Das kulinarische Angebot im Restoran und auf der Tribüne war überschaubar: Bier, Wasser und Kürbiskerne. Drei Herren liefen das ganze Spiel über auf und ab und verkauften die Kerne, die sie sich vor den Bauch gebunden hatten.



      In der ersten Halbzeit war es langweilig, aber fair. In der zweiten Halbzeit wurde dann nur noch gebolzt und gekloppt. Es hagelte Gelbe Karten, bis am Ende fast jeder eine gesammelt hatte. Dass das Spiel 0:0 ausgehen würde, war jedem Beobachter eigentlich schon seit einer ganzen Weile klar.



      Das war's dann auch schon. 0:0 zum Saisonauftakt.



      Wirklich begeistert war hier niemand. Pfiffe gab es aber auch keine. Man nahm es halt so hin.



      Gut, dass es nicht so voll war. Sonst hätten tatsächlich Menschen in der brennenden Sonne sitzen müssen und wären nicht mal durch spielerische Extraklasse belohnt worden. Nur der Kameramann musste ausharren.



      Woran lag's? Ja gut, erster Spieltag, große Hitze, hauptsache nicht verloren, müssen weiter hart arbeiten. Erzählt wird hier wahrscheinlich das, was überall auf der Fußballwelt erzählt wird.



      Für mich war's das erstmal mit Bijeljina. Wer hier vorbeikommt, nimmt am besten auch eine Zeitung mit, denn die Sitze sind schon seit einer Weile nicht mehr gereinigt worden.
      Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.
    • Speldorfer schrieb:

      Urlaub in Bosnien und Serbien macht auch nicht jeder. Gab es da einen besonderes Ziel für Dich oder einfach nur mal diesen Teil des Kontinents erkunden?
      Ich würde gerne jedes Land in Europa mal bereist haben und im Moment macht es im Süden am meisten Spaß, weil das Wetter besser ist und die Preise niedriger sind. Wenn ich nach Skandinavien fahre, dann muss ich Jacke und Mütze einpacken und eine Woche lang von Toastbrot leben und an den Balkan fährt man halt im T-Shirt und kann es sich leisten, jeden Abend essen zu gehen, um es mal überspitzt zu formulieren.
      Noch dazu wird man immer wieder überrascht von Orten, die man gar nicht so auf dem Schirm hatte. Bosnien ist an vielen Stellen einfach wunderschön.
      Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.
    • linienzieher schrieb:




      Das kulinarische Angebot im Restoran und auf der Tribüne war überschaubar: Bier, Wasser und Kürbiskerne. Drei Herren liefen das ganze Spiel über auf und ab und verkauften die Kerne, die sie sich vor den Bauch gebunden hatten
      Lerchenzungen! Otternasen! Zaunköniglebern!
      "Ein weißes Höselein von meiner Frau / Ein blaues Trikotlein, das passt genau / Das soll der Stolz der Mannschaft sein, ja Mannschaft sein / Ja, und die Buben, ja, und die Madels / Die sangen, sangen, sangen so wunder-wunderschön / Ja, und die blau-weiße Fahne wird niemals untergehn, ja untergehn / Ja, und die blau-weiße Fahne wird niemals untergehn"
      SG Freiensteinau :schal2: Kreisoberliga Fulda Süd :blauweiss: Die Macht im Eck :schal2: Mööser in den See!