Fotobericht: NK Maribor - FH Hafnarfjörður

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    • Fotobericht: NK Maribor - FH Hafnarfjörður

      Drei Abende nach meinem Spielbesuch in Sarajevo lief ich durch Maribor. Da wäre ich sowieso an diesem Tag hingefahren. Dass nun auch noch Fußball gespielt wurde und dann auch noch Championsleague, war reines Glück. Und ich hatte es der Tatsache zu verdanken, dass der NK Maribor in der Vorwoche den HSK Zrinjski Mostar aus diesem Wettbewerb geworfen hatte. Das ist der Klub, den ich vor drei Tagen in Sarajevo siegen sah. Schöne, kleine Fußballwelt.



      Das Stadion liegt unfassbar zentral, keine fünf Minuten von der Fußgängerzone entfernt. Also bot es sich an, beim Sightseeing einen kleinen Abstecher zu machen und schonmal am Stadion vorbeizugucken, um sich die Tickets zu sichern. Der Anpfiff sollte um 20:20 Uhr ertönen. Um 18 Uhr stand ich vor der Nordtribüne und die ersten sich im Einsatz befindlichen Ordner erklärten mir, dass die Kassen in zwanzig Minuten, also zwei Stunden vor Spielbeginn öffnen würden. Als zwanzig Minuten später nichts öffnete, lief ich einmal um das Stadion herum zum VIP-Schalter, wo ich wieder zur ersten Kasse geschickt wurde mit dem Hinweis, ich solle noch zehn Minuten warten. Vierzig Minuten später öffnete die Kasse schließlich, also um 19 Uhr. Ich war der zweite in der Schlange und bis ich meine Karten hatte, verging eine weitere halbe Stunde. Eine Minute für die deutschen Groundhopper vor mir, 29 für mich. Selten habe ich so einen komplizierten Ticketkauf erlebt:

      Man kann dort nur mit Kreditkarte bezahlen. Für die deutschen Groundhopper vor mir in der Reihe kein Problem, die hatten eine. Aber ich hatte keine. Also sollte ich mir für einen Euro eine NK Maribor-Klubkarte kaufen, die ich aufladen konnte und damit die Tickets bezahlen. Dazu musste ich allerdings alle meine Daten angeben und die Dame am Schalter verzweifelte recht bald an meiner 27-stelligen Email-Adresse und dem in Slowenien gänzlich unbekannten "ß" in meinem Nachnamen. Selbst schuld! Nichts funktionierte. Die Karte ließ sich nicht aufladen, die Daten nicht im System eingeben und irgendwann musste eine Kollegin aus einem anderen Schalter angerufen und herbeigebeten werden, denn so einen komplizierten Fall wie mich hatten sie noch nicht erlebt. Ich dagegen hatte schon alles bezahlt, auch die Maribor-Karte, die ich nie wieder benötigen werde und hätte nichts dagegen gehabt, wenn mir einfach alles, was ich bezahlt hatte, unbürokratisch ausgehändigt worden wäre, denn die Tickets lagen auch schon parat. Aber so einfach ging das nicht, alles musste seine Ordnung haben. "Das System mit der Karte ist neu bei uns, müssen Sie wissen.", lächelte mich die Schalterdame an. Die inzwischen zwanzig Meter lange Schlange hinter mir hatte längst begonnen, mich zu hassen. Aber um 19:30 Uhr hatte ich es dann endlich irgendwie geschafft und trottete siegessicher mit all meinen Karten und Belegen von dannen.



      Das nächste Problem: Ich hatte meiner Reisebegleitung, der ich nun das dritte Fußballspiel in fünf Tagen zumutete, vorher versprochen, noch vor dem Fußballspiel den stadteigenen Berg in Maribor hochzulaufen, weil man da oben einen guten Ausblick haben sollte. Da konnte ich noch nicht wissen, dass der Ticketkauf mit allem Drum und Dran ebenso wie das Spiel 90 Minuten dauern würde. Also sprinteten wir wie die Wahnsinnigen den Berg hinauf und ich fühlte mich wieder an Sarajevo erinnert. Hunger, Durst, undsoweiter. Aber der Ausblick, ja gut, der war schön. Am rechten Bildrand das Stadion. Von dort bis hier oben hatten wir mit 20 Minuten vermutlich einen neuen Rekord aufgestellt, also noch eine halbe Stunde bis zum Anpfiff.



      Die Leinwand leuchtete schon, das Flutlicht mühte sich noch und die Tribüne, die hier am besten einzusehen ist, das ist die Haupttribüne. Und der Block ganz in Blau auf der linken Seite, wird mein Block sein. Also schnell wieder runter.



      Und siehe da, wir liefen zeitgleich mit den Mannschaften ein.



      Gespielt wurde das Hinspiel in der Championsleague-Qualifikation zwischen dem NK Maribor und FH Hafnarfjörður aus Island.



      Die Heimkurve ist klein und kompakt und gab sofort alles.



      Zu essen und zu trinken bekam ich freilich nichts ohne Kreditkarte. Ich hatte es ja schon geahnt, dass man auch an den Verpflegungsständen an dem neuen Bezahlsystem teilnehmen muss, deshalb hatte ich es vor dem Anpfiff noch schnell außerhalb an einer Imbissbude versucht. Doch auch dort galt: Bezahlen geht nur mit Kreditkarte oder der NK Maribor-Karte. Einfach lächerlich - an einer Imbissbude außerhalb (!) des Stadions. Natürlich hätte ich meine neue Maribor-Karte irgendwo aufladen können (um dann auf Restgeld sitzen zu bleiben), aber das verweigerte ich trotz dramatischer Hunger- und Durstgefühle. Sowas wird nicht unterstützt.



      Die Choreo wurde präsentiert, als das Spiel schon lief.



      Der Gästeblock blieb leider leer. Insgesamt waren 8.166 Besucher vor Ort.



      Die Melodien waren ein bunter Mix aus Balkan-Hits und bekanntem Liedgut aus Deutschland und Österreich.



      Und das Spiel? Bemüht, aber glücklos. Ich ging eine Wette ein, dass wir eher Pyrotechnik als ein Tor zu sehen bekommen würden.



      Größtes Highlight bisher war der Typ, der seit einer ganzen Weile versuchte, seine beiden Fahnen richtig herum aufzuhängen. Immer wieder fielen sie herunter.



      Ganz nett: Das Kurven-Graffiti.



      Das slowenische Fernsehen musste ein 0:0 zur Pause analysieren.



      In der zweiten Halbzeit verlor ich dann meine Wette. Marcos Tavares traf per Kopf. Der Mann hatte auch schon Zrinjski Mostar mit seinem Tor ausgeschaltet und wurde nun mit Sprechchören gefeiert.



      Das war es. Maribor gewann knapp, aber nicht unverdient mit 1:0. Die Gäste aus Island spielten nun auch nicht schlecht, hatten aber zu wenig Zug vor dem Tor. Eine Woche später wiederholte sich das Hinspielergebnis und Maribor kam weiter.



      Das Stadion Ljudski vrt wurde von 2006 bis 2008 renoviert. Drei der vier Tribünen wurden komplett neu gebaut und dass die Haupttribüne schon älter ist (1964), sah man hauptsächlich an den viel zu schmalen Ausgängen.

      Fazit der Tour: Ende Juli kann man wirklich einfach auf Verdacht an den Balkan fahren. Da die vielen kleinen Länder alle am Europapokal teilnehmen und die Ligen schon anfangen, stolpert man automatisch über eine ganze Reihe von Fußballspielen, auch wenn man das gar nicht geplant hat. Mehrere Spiele hatte ich auf dem Weg knapp verpasst, vielleicht wird ja im nächsten Jahr eine echte Fußball-Tour daraus.
      Red Bull boykottieren!