1.FC Schweinfurt 05 - FC Memmingen 3:1 (1:1) [8.Spieltag - RL - 17/18]

    • 1.FC Schweinfurt 05 - FC Memmingen 3:1 (1:1) [8.Spieltag - RL - 17/18]

      Erinnerungen an ein turbulentes Frühjahr
      Memmingen (ass). Vermutlich ist der 25. April das Datum, an dem sich die Wege des FC Memmingen und des FC Schweinfurt entscheidend getrennt haben dürften. Zuvor lagen beide Clubs in den sportlichen Bestrebungen die letzten 25 Jahre auf einer Wellenlänge, hatten ähnliche Amateurstrukturen, nachdem sich Schweinfurt 1991 endgültig aus der zweiten Bundesliga verabschieden musste.

      Schon seit den 1970iger Jahren gab es regelmäßige Treffen, insgesamt 49 an der Zahl, in Bayern- und Regionalliga – und zuletzt auch im Pokal. In einem turbulenten bayerischen Halbfinale siegten die „Schnüdel“ an einem grauen Aprilabend im Allgäu kurz vor Schluss mit 3:2 und gewannen später das bayerische Pokal-Endspiel in Burghausen. Der Club hatte zuvor angekündigt, mit dieser Saison das Vollprofitum einzuführen und in die 3. Liga streben zu wollen. Die Pokaleinnahmen von rund 100.000 Euro für die Qualifikation zur ersten DFB-Pokal-Hauptrunde waren dafür hilfreich Hier wurde die Überraschung geschafft, Zweitligist SV Sandhausen herausgekegelt, was einen weiteren Auftritt gegen Eintracht Frankfurt beschert und weitere 300.000 Euro in die Vereinskasse spülen wird.

      Der Pokal – sowohl auf bayerischer als auch auf DFB-Ebene – dürfte in Schweinfurt heuer auch entscheidend im Fokus stehen, weil in der Regionalliga die Meisterschaftschancen schon jetzt trotz gering erscheinen. Zum dominant erscheint der TSV 1860 München, der noch weiter aufrüsten will. Viele sehen es dennoch auf einen Zweikampf der „Löwen“ gegen die „Schnüdel“ aus Franken hinauslaufen. Schweinfurt leistete sich zuletzt aber einen Patzer in Bayreuth und wird alles tun, dass es im Freitag-Heimspiel (19 Uhr) gegen den FC Memmingen nicht noch einmal einen Lapus gibt. So wie im April, wenige Tage nach dem Pokal-Halbfinale, als der FCM im Willi-Sachs-Stadion mit 4:3 Revanche nahm. Ein Ergebnis, das freilich viel weniger Bedeutung und Auswirkungen hatte als der Schweinfurter Pokalerfolg zuvor.

      Verbale Scharmützel, FCM-Trainer Stefan Anderl auch im medialen Brennpunkt – es ging heiß her vor vier Monaten. Die Wogen sollten sich über den Sommer aber einigermaßen geglättet haben. Anderl hatte nach eigener Aussage zwischenzeitlich wieder Kontakt zu seinem FSC-Kollegen Gerd Klaus, der auch selbst versöhnliche Töne anschlägt und nicht mit einer längeren Schwächephase der „geschätzten“ Memminger rechnet. „Die landen zwischen Platz sechs und acht“, wird er in der örtlichen Presse zitiert. Bis dahin bleibt Anderls Mannschaft aber noch ein ganzes Stück Arbeit, denn die Realität heißt derzeit: Tabellenvorletzter. Niederlage Nummer sechs in Saisonspiel Nummer sieben kann sich der FCM eigentlich nicht leisten, auch wenn es beim Fünftplatzierten sehr schwer wird.

      PM FC Memmingen
    • FC Schweinfurt 05 – FC Memmingen 3:1 (1:1)

      Schweinfurt (ass). So spielt kein Absteiger. Das bekam der FC Memmingen auch nach der 1:3 (1:1) Niederlage beim FC Schweinfurt mit auf den Weg. Komplimente, die in der momentanen Situation nichts nützen. Die Regionalliga-Tabelle spricht derzeit eine gänzlich andere Sprache. Mit der sechsten Abfuhr im siebten ausgetragenen Spiel sind die Memminger jetzt sogar neues Schlusslicht, weil der SV Seligenporten gegen Spitzenreiter TSV 1860 München ein 0:0 Unentschieden ermauert hat.

      Für FCM-Trainer Stefan Anderl war der couragierte Auftritt in Schweinfurt „das beste Spiel der Saison“. Furkan Kircicek erzielte den vorübergehenden Führungstreffer (33. Minute), zeigte seine bislang stärkste Leitung im FCM-Dress. Freilich einmal mehr am Ende ohne Lohn. Warum? „Es gibt Dinge die erklärbar sind, andere eben nicht“, analysiert Anderl. Erklärbar, weil beispielsweise dem jungen Fabian Lutz beim Stand von 1:1 die Kaltschnäuzigkeit fehlte, Torhüter Alexander Eiban zu überwinden (52.). In einer ähnlichen Szene auf der Gegenseite fiel Nikola Jelisic der Ball vor die Füße und der ausgebuffte Profi erzielte macht daraus die Schweinfurter 2:1 Führung (76.). Die individuelle Qualität macht den Unterschied. Unerklärlich ist für Anderl, dass aus der Masse der sich durchaus bietenden Chancen keine Memminger Treffer mehr fallen. Ein Widerspruch in der Wahrscheinlichkeitsrechnung. „Das habe ich in dieser Geballtheit noch nicht erlebt“, sieht der Coach fehlendes Schussglück nicht erst seit Freitagabend. Kurz nach Wiederanpfiff klatschte Tim Buchmann den Ball an den Pfosten, ein Versuch von Renè Schröder sprang vom Innenpfosten wieder heraus. Und auch beim Schlagabtausch in der hektischen Schlussphase, begleitet von Blitzen und Platzregen, fiel dann nicht der mögliche 2:2-Ausgleich, sondern das 3:1 durch Markus Willsch (89.).

      Die Misserfolgsserie drückt naturgemäß auf die Stimmungslage beim Vorjahresfünften, für den es heuer ums sportliche Überleben in Bayerns Fußball-Oberhaus geht. Frust ja, Resignation nein. Ob die Moral in der Truppe noch stimmt? Anderls Reaktion: „Die Frage beantwortet sich von selbst, wenn man das Spiel von uns in Schweinfurt gesehen hat“. Und so stand er mit seinen Jungs am Sonntagvormittag wieder auf dem Trainingsplatz, um weiterzuarbeiten. Die Anzahl der Spieler war überschaubar. Die Luft wird auch personell immer dünner. Fabian Krogler musste in Schweinfurt nach 55 Minuten nach einem Zusammenprall raus. Die genau Diagnose steht noch aus, hinter dem Bluterguss im Bauchmuskelbereich könnte noch eine geprellte oder gebrochene Rippe stecken. Am schmerzverzerrten Gesicht von Krogler war jedenfalls auf der Heimfahrt abzulesen, dass der nächste Ausfall droht. Anderl konnte vor 1.416 Zuschauern im Willi-Sachs-Stadion keinen nominellen Stürmer mehr einwechseln, weil auch Achim Speiser (Knie/voraussichtlich drei Wochen Pause) verletzt ist und Simon Ollert sich krankgemeldet hatte. Anders die Gegenseite: Schweinfurts Trainer Gerd Klaus war mit seinen Umstellungen und dem Gezeigten seiner Farben in der ersten Hälfte gänzlich unzufrieden und nahm in der Pause einen Dreifachwechsel vor. Die Ersatzmänner waren alles Leute mit Erfahrung (zusammen über 320 Regionalliga-Spiele), auf der Memminger Bank saßen die Jungs mit einem 20iger-Altersdurchschnitt.

      Auf der Suche nach Verstärkung wurde in den vergangenen Wochen ein gutes Dutzend Spieler im Probetraining getestet, der gesuchte Angreifer war nicht darunter. Weil es auch an Erfahrung im Mittelfeld fehlt, ist Amar Cekic wieder ein Thema. Er entschied sich im Sommer für den spanischen Klub CA Osasuna, hat sich das dort anders vorgestellt und wäre eine Memminger Option, wenn die Wechselformalitäten mit dem Ausland bis zum Ende der Wechselfrist am 31. August erledigt werden können.

      FC Schweinfurt 05: Eiban - Messingschlager, Strohmaier, Janz (46. Krautschneider), Weiß - Schlicht (46. Kracun), Wolf - Fritscher (46. Jelisic), Fery, Willsch - Jabiri. - Trainer: Klaus

      FC Memmingen: Gruber - Zweckbronner, Anzenhofer, Schröder, Buchmann (84. Boyer) - Kircicek, Rietzler (84. Maier), Nikolic, Lutz - Krogler (55. Schad), Salemovic. - Trainer: Anderl

      Tore: 0:1 (33.) Kircicek, 1:1 (37.) Jabiri (Foulelfmeter), 2:1 (76.) Jelisic, 3:1 (89.) Willsch

      Schiedsrichter: Berg (Landshut)

      Gelbe Karten: Schlicht, Willsch, Kracun, Jelisic, Strohmaier / Nikolic

      Zuschauer: 1.416

      Aktueller Tabellenplatz: 19. (vorher 18.)

      PM FC Memmingen