Fotobericht: Viktoria Plzeň - Sporting CP

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    • Fotobericht: Viktoria Plzeň - Sporting CP

      Zwei Tage nach meiner Rückkehr aus Portugal, wo ich unter anderem das Hinspiel zwischen Sporting Lissabon und Viktoria Pilsen gesehen habe ( Fotoberichte aus Portugal ), stand das Rückspiel des Europa League-Achtelfinales in Pilsen an. In meinem Freundeskreis befinden sich zwei Sporting-Sympathisanten, die in Bonn wohnen und so konnten wir uns gegenseitig davon überzeugen, dass es doch eine gute Idee sei, dieses Spiel mitzunehmen, auch wenn die Sektion Bonn am nächsten Tag früh zu Arbeit musste. Aber Pilsen-Bonn ist ja ein Katzensprung und so wurde der Mietwagen reserviert.



      Wir trafen uns Mittwochabends in Gau-Odernheim beim Südwestpokal-Halbfinale, von wo aus es nach Mainz ging und mit dem Mietwagen noch eben ein Teil meines Wohnungsumzugs erledigt wurde. Danach wurde eine Mütze Schlaf genommen und am nächsten Morgen sammelten wir noch per Mitfahrgelegenheit einen Russe ein, der sein Auslandssemester in Pilsen macht und ab ging die Fahrt. Fünf Stunden später fuhren wir auch schon in Pilsen ein und hatten noch einen ganzen Nachmittag zur Stadtbesichtigung. In einem herrlichen Gasthaus wurde ein Schweinebauch verspeist, ehe wir ein Café im 16. Stock eines Hochhauses fanden, von wo aus wir erstmal einen Überblick gewannen. Schöne Stadt.



      Andere benötigen dafür einen Hubschrauber. Die Polizei war in der Luft und am Boden sehr präsent und beobachtete genau, wer sich auf den Straßen von Pilsen herumtrieb. Das waren in erster Linie friedliche Sporting-Fans. Nicht sehr viele, aber von der Viktoria war noch niemand zu sehen.



      Um sicher zu gehen, dass wir Tickets bekommen, hatte ich die Eintrittskarten einfach in Lissabon direkt bei Sporting besorgt. Das bedeutete, dass wir in den Gästeblock gingen, aber wir waren ja sowieso für Sporting. Einziges Problem: Die Befürchtung einer Blocksperre nach Abpfiff. Wir hatten das Auto auf einem Supermarktparkplatz abgestellt, der um 22 Uhr schloss. Verlängerung im Spiel oder Blocksperre wären bei Anpfiff um 19 Uhr demnach gerade so verkraftbar, aber beides zusammen könnte problematisch werden.



      Zur Erinnerung: Das Hinspiel hatte Sporting mit 2:0 gewonnen. Von Pilsen war gar nichts gekommen, deshalb waren sie mit dem Ergebnis noch gut bedient. Auf den Rängen ist Pilsen nun auch nicht das große Highlight, weder zu Hause noch auswärts. Aber immerhin ein paar Fahnen wehten dann doch.



      Die vier Ultra-Gruppen von Sporting hatten sich wieder in ihren Einzelgruppen wild verteilt im Block aufgestellt. Wir standen hinter der Fahne von den Directivo Ultras, die heute die Gesänge koordinierten. Ich versuchte, die Lieder der Kurve schnell zu lernen, denn wer nicht mitsang, musste sich grimmige Blicke gefallen lassen. Insgesamt war die Stimmung wie im Hinspiel: Ganz gut, aber eskaliert ist hier niemand. Es waren etwa 400 Sportinguistas im Block, davon vielleicht 150 aus Portugal angereist und 250 aus dem "Umland". Viele aus Deutschland und Benelux. Jeder achte Einwohner Luxemburgs hat portugiesische Wurzeln, das sah man auch an diesem Abend in Pilsen mal wieder.



      Zur Eskalation wäre es allerdings beinahe gekommen, als links neben uns im normalen Block jemand eine Benfica-Mütze herausholte und damit wedelte. Etwa 50 Sporting-Fans rasteten aus und traten und hämmerten bestimmt fünf Minuten lang gegen das Sicherheitsglas und waren völlig außer Rand und Band, natürlich ohne echte Chance, an den Benfica-Typen heranzukommen. Das ganze beruhigte sich, als der Benfica-Typ vom Ordnungspersonal rausgeschmissen wurde. Alles einfach nur unnötig.



      Auf dem Rasen passierte das, was auf keinen Fall passieren durfte. 2:0 für Pilsen und die große Gefahr einer Verlängerung. Sporting hätte nur ein Tor schießen müssen, dann hätten sie früh alles klar gemacht. Und die Chancen waren da. Doch auf unglaubliche Weise wurden die besten Gelegenheiten ausgelassen. Ein unglaubliches Spiel. Latte, Pfosten, teilweise völlig freistehend. Heute konnte man Sporting eigentlich gar nichts vorwerfen, sie spielten gut, aber sie trafen einfach nicht. Und Pilsen machte mit zwei Chancen zwei Tore. Dann kam schon die Nachspielzeit und Schiedsrichter Tobias Stieler entschied plötzlich auf Elfmeter für Sporting. DIE Chance, das Spiel zu beenden und schnell nach Hause zu kommen. Doch was machte Schütze Bas Dost, bekannt aus der Bundesliga? Er vergab den Elfmeter kläglich!



      Extra Time. Es war heute mein 21. besuchtes Europapokal-Spiel und noch nie hatte ich auf europäischer Ebene eine Verlängerung gesehen und nun sollte es ausgerechnet heute dazu kommen, wo wir doch dafür gar keine Zeit hatten.



      Und natürlich traf Sporting genau dann doch noch ins Tor und der ein oder andere ging richtig steil im Gästeblock. Immerhin kein Elfmeterschießen!



      Pilsen konnte dem nichts mehr entgegen setzen. Dass die Auswärtstorregel auch in der Verlängerung noch greift, ist auch irgendwie komisch und sollte mal überdacht werden. Pilsen hätte in kurzer Zeit noch zwei Tore gebraucht, das war nicht mehr zu schaffen. Somit kam Sporting weiter.



      Nach dem Abpfiff hatten sich schwer bewaffnete Polizisten an den Ausgängen aufgebaut und es gab die befürchtete Blocksperre. Doch mit der glaubhaft rübergebrachten Ausrede, dass wir ja aus Deutschland seien und nur versehentlich in den Auswärtsblock geraten seien, konnten wir die Polizeikette durchbrechen und uns wurde sogar noch ein schöner Abend gewünscht. Um 22 Uhr sprinteten wir auf den Parkplatz, der nach uns schloss.



      Nachts um halb drei erreichten wir Mainz und der Rest der Reisegruppe düste weiter nach Bonn, wo er nach zwei Stunden Schlaf zur Arbeit musste. Aber Europa League ist ja nur einmal in der Woche. Europapokaaaal :saufen1:
      Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.