Heute vor...

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    • Heute vor 62 Jahren erlebt Italien ein Desaster. Die Azzuris qualifizieren sich nicht für die WM 1958, stattdessen reisen die Nordiren nach Schweden und sind bis 1998 der flächenmäßig kleinste WM-Teilnehmer (dann Jamaika, später Trinidad und Tobago).

      Es läuft von Beginn an schief für die Italiener. Am 4. Dezember 1957 sind sie in Belfast bereit für das entscheidende Gruppenspiel. Die Nordiren auch. Nur der ungarische Schiedsrichter nicht. Der sitzt in London wegen Nebels fest. Kurzerhand tragen die beiden Teams unter Leitung eines nordirischen Schiedsrichters ein (ziemlich ruppiges) Freundschaftsspiel aus. Das endet 2-2, ein Ergebnis, mit dem sich die Italiener qualifiziert hätten.

      Stattdessen geht es am 15. Januar 1958 noch mal nach Belfast und diesmal siegen die Nordiren regulär 2-1. Überhaupt treten die Nordiren zum ersten Mal europaweit in der Qualifikation an. Zuvor gibt es eine British Home Championship in der Qualifikation, in der sie stets gegen Engländer oder Schotten ausscheiden. Auch bei der WM sind die Nordiren stark, trotzen Deutschland in der Vorrunde ein 2-2 ab und erreichen das Viertelfinale.

      Fast wäre der historische Triumph aber noch an der Politik gescheitert. In Nordirland sind zu jener Zeit auf Druck der Kirche nämlich Fußballspiele am Sonntag untersagt. Weil die Nordiren bei der WM aber sonntags spielen sollen, fordern einflussreiche Politiker und Kirchenvertreter, die Teilnahme abzusagen. Nach Verhandlungen kann der Fußballverband aber dann doch noch seine Jungs nach Schweden schicken.

      Der englische Reporter spricht imVideo übrigens einfach noch von der irischen Mannschaft. In der Tat spielten bis Mitte der 50er Jahre irische Spieler gern mal sowohl für Irland als auch für Nordirland, bis die FIFA dies untersagte.

    • Heute vor 54 Jahren sorgt die Berliner Tasmania für einen ihrer legendären Allzeit-Negativrekorde in der Bundesliga. Im verschneiten Berliner Olympiastadion finden sich am 19. Spieltag der Saison 65/66 zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach 827 Zuschauer ein, ein Wert, der wohl nie mehr unterboten wird.

      Dabei hatte alles so gut angefangen. Zur Saisoneröffnung gegen den KSC kommen 81.000 Fans und sehen einen 2-0-Sieg, zwei Wochen später gegen den BVB strömen 70.000 Zuschauer ins Olympiastadion. Da wird allerdings schon deutlich, dass die Neuköllner in der Bundesliga völlig überfordert sind. Am Ende der Saison stehen zwei Siege (im ersten und im letzten Heimspiel gegen Borussia Neunkirchen) und vier Remis zu Buche. Wobei der 1. FC Kaiserslautern das Kunststück fertigbringt, beide Spiele gegen die Tasmania nicht gewinnen zu können. Ansonsten hagelt es herbe Niederlagen, darunter die Rekord-Heimniederlage gegen den MSV (0-9). Ab dem 9. Spieltag sind die Tasmanen ununterbrochen Tabellenletzter.

      Ausgerechnet vor der Minuskulisse von 827 Zuschauern holt Tasmania gegen die Fohlen ein 0-0. Und zwei Wochen später sind wenigstens wieder 7.000 Fans gegen den HSV im riesigen Rund des Olympiastadions zugegen. Am Ende der Saison bilanziert Tasmania mit 17.149 Zuschauern nicht einmal den schlechtesten Schnitt der Liga, Borussia Neunkirchen und Eintracht Braunschweig bleiben noch unter der 17.000er Marke.

      Zur Ehrenrettung der Tasmanen sei daran erinnert, dass der Club am Grünen Tisch und nicht sportlich in die Bundesliga aufgestiegen war. Der DFB hatte Hertha BSC wegen unerlaubt hoher Handgelder (oder der Dummheit, sich bei der allgemein üblichen Praxis erwischen zu lassen) die Lizenz entzogen, dabei aber nicht beachtet, dass die Satzung diesen Fall nicht vorsah. Also war unklar, welcher Verein den freien Platz einnimmt.

      Kurzerhand beruft der DFB eine gesonderte Aufstiegsrunde ein. Teilnehmer: Der Karlsruher SC (als erster Absteiger), SSV Reutlingen und 1. FC Saarbrücken (beide als zweitplatzierte Clubs in der Aufstiegsrunde gescheitert) und ein Berliner Vertreter. Da Tennis Borussia aber als Vierter in der Aufstiegsrunde (noch hinter Aachen) gescheitert war, wäre deren Teilnahme schwer zu vermitteln gewesen.

      Der Spandauer SV als Zweiter der Regionalliga Berlin will nicht. Bleibt nur Tasmania als Dritter der ohnehin als besonders schwach geltenden Berliner Amateurklasse. Weil die Spieler der Tasmania alle im Urlaub sind, wird über Deutschlandfunk und Radio Luxemburg nach ihnen gefahndet, ebenso nach den Spielern des KSC, sofern sie den Verein nicht schon wegen des Abstiegs verlassen haben. Kaum sind wieder alle da, überlegt es sich der DFB anders und erklärt den KSC zum Nachrücker. Darauf hin wollen die Reutlinger klagen.

      Da nun aber der Mauerbau in Berlin gerade zwei Jahre her ist und die politische Stimmung äußerst aufgeheizt, verlangt die Politik einen Berliner Club in der Bundesliga. Der DFB hält deshalb den Tasmanen noch lange eine Hintertür offen. Schließlich rettet man sich mit der Aufstockung der Bundesliga auf 18 Clubs, die bis heute Bestand hat. So bleibt nicht nur Karlsruhe, sondern auf wundersame Weise auch der Tabellenletzte Schalke in der Liga.
    • Heute vor zwanzig Jahren muss Quido Lanzaat zur Dopingprobe. Der Holländer hat gerade mit Borussia Mönchengladbach das Hallen-Masters gewonnen. Keine große Sache, hätte Lanzaat, gerade mal fünf Tage bei Gladbach unter Vertrag, nicht in der Silvesternacht in Holland noch mal eben zwei Joints geraucht. Lanzaat erklärt, dass dies ja in den Niederlanden erlaubt sei. Nutzt aber nichts, das nachgewiesene Cannabis handelt ihm drei Monate Sperre ein. Und weil Greuther Fürth Protest einlegt, verliert Gladbach auch noch den Hallen-Titel. Immerhin teilt Lanzaat sein Schicksal mit großen Namen: Fabien Barthez wurde wegen Cannabiskonsum ebenfalls zwei Monate gesperrt. Und Christoph Daum hatte bekanntlich Koks bis in die Haarspitzen, was ihm den Job als Bundestrainer verwehrte.
    • Heute vor zehn Jahren ist Schiedsrichter-Boss Lutz Fröhlich sichtlich sauer: "Auch wenn der menschliche Irrtum zum Fußball gehört, gibt es Grenzen." Die hat Schiri Marco Fritz samt Assistent deutlich überschritten. Nur die beiden sind sicher: Der Schuss von Duisburgs Christian Tiffert gegen den FSV Frankfurt war drin. Alle anderen im Stadion sehen: Er prallt von der Latte ca. 1.00 Meter ins Feld zurück. Den Ball hätte vermutlich nicht mal die Torlinienkamera erfasst.

    • Heute vor acht Jahren hat die Swiss Football League die Nase voll und wirft mitten in der Saison Xamax Neuchatel aus der Liga. Investor Bulat Tschagajew hatte den Verein innerhalb von acht Monaten an die Wand gefahren. Im Mai 2011 kauft er die Aktienmehrheit am dreimaligen Schweizer Meister. Zu der Zeit kämpft der Club aber schon gegen den Abstieg, was den Investor zu einem Wutausbruch in der Kabine bringt. „I will kill you all“, droht er den Spielern. Schon im Juni macht sich der Vorstand angesichts der neuen Verhältnisse aus dem Staub.

      Zur neuen Saison präsentiert der Verein im Stadion in der Pause den verdutzten Fans per Video tschetschenische Volkstänze. Nach zwei Niederlagen zu Beginn wird der gesamte Trainerstab entlassen. Schon nach vier Monaten hat der neue Besitzer so fünf Trainer gefeuert. Nachdem die Stadt Neuenburg die ausstehende Stadionmiete einfordert, droht die Clubführung mit einem Umzug nach Genf oder Lausanne. Im November legt Tschagajew angesichts der angehäuften Schulden eine Bankbürgschaft vor, die allerdings recht stümperhaft gefälscht ist. Mittlerweile wurden dem Club wegen fehlender Lohnzahlungen und anderen Verstößen schon acht Punkte abgezogen. Im Januar reicht es dem Verband dann. Xamax, das noch 15 Spieler hat, wird die Lizenz mitten in der Saison entzogen und geht eine Woche später Konkurs. Während gegen den Investor eine endlose Prozesslawine in Gang gesetzt wird, wird Xamax neu gegründet und ist mittlerweile wieder in der ersten Liga angekommen.
    • Heute, nee eigentlich gestern vor 99 Jahren gründete sich der Sporting Club de Braga. Mit zwei Pokalsiegen 1966 und 2016 gehört Braga schon zu den erfolgreicheren Clubs in Portugal.

      2010/11 spielte Braga, im Norden Portugals gelegen, eine tolle Saison in der Euro League, schaltet Liverpool und Dynamo Kiew aus. Das Pech: Im Halbfinale wartet schon der erste nationale Konkurrent mit Benfica und im Finale in Dublin dann auch noch der FC Porto, der den Titel mit einem 1-0-Sieg eintütet. Wie immer in Portugal bleibt der Triumph bei einem der drei großen Clubs

      Die Primeira Liga in Portugal wird seit 1934/35 ausgespielt. Sagenhafte 83 von 85 Meisterschaften gewannen die großen Drei: Benfica (37), FC Porto (28) und Sporting (18). Und selbst die anderen beiden Titel blieben in den großen Städten mit Belenenses Lissabon (1946) und Boavista Porto (2001).

      Auch die Ewige Tabelle Portugals dominieren die drei Clubs, die seit Beginn ununterbrochen dabei sind. Braga liegt ausgerechnet hinter dem regionalen Rivalen Vitoria Guimaraes, mit dem sie das Derby Minhoto (nach der Provinz Minho benannt) bestreiten.

      Die ewige Tabelle:
      1. Benfica 5373 Punkte
      2. FC Porto 5208 Punkte
      3. Sporting 4949 Punkte
      4. Belenenses Lissabon 3198 Punkte
      5. Vitoria Guimaraes 3069 Punkte
      6. Sporting Braga 2668 Punkte
      7. Vitoria Setubal 2555 Punkte
      8. Boavista Porto 2393 Punkte
      9. Academica de Coimbra 1935 Punkte
      10. 10. Maritimo Funchal 1659 Punkte


      Vergleichbar ist die portugiesische Liga damit mit der holländischen Eredivisie, die auch von drei Vereinen beherrscht wird: Ajax, PSV und Feyenoord. Die letzten anderen Meister waren Twente im Jahr 2010 und AZ Alkmaar 2009.

      In der türkischen Liga war der letzte Meister, der nicht Galatasaray, Besiktas oder Fenerbahce hieß im Jahr 2010 Bursaspor.

      Auch England hat eine Drei-Vereine-Liga. Nach 2004 (Arsenal FC) gingen die Titel an Manchester United, Chelsea FC und Manchester City, unterbrochen nur von Leicester City 2016. Allerdings dürfte nun Liverpool an der Reihe sein.

      In Italien heißen die drei Meister seit 2001 (AS Rom) Juventus (zuletzt acht Mal in Serie), AC Mailand oder Inter Mailand.

      Noch langweiliger sind die Zwei-Vereine-Ligen.

      Seit 2009 (VFL Wolfsburg) gingen die Titel in der Bundesliga nur noch an Borussia Dortmund und Bayern München (zuletzt sieben Mal).

      Ein bisschen interessanter ist die französische Liga: Zwischen 2002 und 2008 wurde Olympique Lyon Serienmeister, dann kamen Girodins Bordeaux, Olympique Marseille, OSC Lille und HSC Montepellier. 2013 begann die Ära von PSG, die nur 2017 vom AS Monaco einmal unterbrochen wurde.

      In Spanien konnte seit 2005 nur Atletico Madrid 2014 die Dominanz von Real Madrid und dem FC Barcelona überwinden.

      Den Vogel schießt natürlich die schottische Liga ab. Seit 1985 (FC Aberdeen) standen nur noch Celtic und Rangers an der Spitze.

      Eigentlich ist europäischer Fußball recht langweilig.
    • Heute vor 13 Jahren trägt sich Keith Gillespie von Sheffield United in die Geschichtsbücher des englischen Fußballs ein. Gerade eingewechselt rammt er seinem Gegenspieler den Ellenbogen ins Gesicht. Und geht gleich wieder mit Rot runter.

      Da das Spiel noch unterbrochen war, gilt der Platzverweis als Rote Karte nach 0 Sekunden. Das lässt sich schwerlich toppen.

      Der Kurzeinsatz im Video ab 3.10 Minuten
    • Heute vor 27 Jahren beginnt der Niedergang der SG Dynamo Dresden. Die Dresdner spielen Bundesliga, aber so recht weiß dort niemand, wie das System funktioniert. Händeringend sucht man nach Erfahrung und Geld. Da meldet sich ein gewisser Rolf-Jürgen Otto. Einer jener Glücksritter aus der Wendezeit, die heute noch das Bild des Wessis im Osten prägen. Otto ist ein neureicher, ehemaliger Kneipier, Boxpromoter, nun Bauunternehmer. In Leipzig kommt er nicht so recht zum Zug. In Dresden laufen ihm die Menschen schnell hinterher.

      Otto wird Stadtrat für die FDP und am 21. Januar 1993 wählen ihn die Dynamo-Mitglieder im Hygiene-Museum zum Präsidenten. Der alte Präsident, der als überfordert geltende Kleinunternehmer Wolf-Rüdiger Ziegenbalg, hatte privat für einen Kredit gebürgt. Otto erklärt ihm, dass dies sein Ruin werden könnte. Ziegenbalg tritt schleunigst zurück, der Weg für den Import aus Hessen ist frei. Wie immer bei solchen Wahlen springt die Zahl der Mitglieder kurzfristig spürbar an.

      In der Folge mischt sich der jähzornige Baulöwe auch kräftig in die sportliche Führung ein. Schließlich ist Dynamo der Schlüssel zu seinen restlichen Projekten in der Stadt. Gemäß dem Motto: Wer die Dynamo-Fans hinter sich hat, kann in Dresden schalten und walten. Während die Mannschaft zur Ansammlung von Legionären wird, beäugt der DFB, zunächst glücklich, dass ein Ost-Club in der Liga bleibt, zunehmend skeptisch die Vorgänge bei Dynamo. Obwohl Dresden schon Transferauflagen bekommen hat, lässt Otto munter weiter einkaufen. Gelder werden auf Konten hin- und hergeschoben. Wegen „Erschleichens der Lizenz" wird Dynamo für die Bundesliga-Saison 1993/94 mit vier Punkten Abzug bestraft.

      Neben dem letzten Tabellenplatz in der Bundesliga und dem sportlichen Abstieg liegt Dynamo am Ende auch wirtschaftlich mit Schulden in Höhe von zehn Millionen DM am Boden. Der DFB verweigert die Lizenz und Dynamo muss in die damals drittklassige Regionalliga zwangsabsteigen. 1995 wird Otto – nur mit Bademantel und Badeschlappen bekleidet – verhaftet. Kurz darauf geht der Baulöwe wegen der Veruntreuung von etwa drei Millionen Mark bei anderen Geschäften in den Knast. 2006 verstirbt er. Dynamo braucht aber mehr als ein Jahrzehnt, um sich von seiner Präsidentschaft erholen. Ein Zeitzeuge sagt dazu in „Die ZEIT“: Es war eine Zeit für Menschen, die endlich auch einmal ans Licht wollten."

      Otto sagt dem DFB die Meinung:



      (Otto war übrigens auch mal Präsident der Spvgg 03 Neu-Isenburg)
    • Heute vor fünf Jahren erwirbt Klaus-Michael Kühne die Namensrechte am Stadion des HSV. Fortan heißt es wieder Volksparkstadion. Es ist somit das erste Stadion, das seinen ursprünglichen Namen zurückerhält.

      Vielleicht ahnt Kühne, dass ein Fluch auf dem Stadionnamen liegt.

      2001 hatte das Volksparkstadion als erstes Bundesliga-Stadion seinen Namen verloren. Von 2001 bis 2007 spielt der HSV in der AOL Arena, 2007 verkauft AOL prompt sein Deutschland-Geschäft. Im selben Jahr übernimmt die HSH Nordbank die Namensrechte, gerät 2010 im Zuge der Finanzkrise ins Schlingern und muss den Vertrag vorzeitig kündigen. Darauf steigt der Imtech-Konzern ein, darauf hin wird 2015 gleich das Insolvenzverfahren gegen Imtech Deutschland eingeleitet.

      Mal schauen, wer ab Mitte 2020 sein Geschäft riskiert.
    • Heute vor 81 Jahren stirbt unter mysteriösen Umständen die Wiener-Austria-Legende Matthias Sindelar, eigentlich Matěj Šindelář, geboren im böhmischen Dorf Kozlov, aufgewachsen im Wiener Arbeiterbezirk Favoriten. Sindelar war Mittelstürmer und Kapitän des legendären österreichischen Wunderteams, das 1931 die bis dato auf dem Kontinent ungeschlagenen Schotten mit 5:0 abfertigt, Ungarn mit 8:0, die Schweiz mit 8:2.

      43 Mal spielt Sindelar für das Nationalteam, dabei erzielte er 27 Tore. Zwischen 1931 und 1933 gewinnt Österreich von 15 Länderspielen zwölf und verliert nur am 7. Dezember 1932 mit 3:4 an der Londoner Stamford Bridge gegen England, wo die Österreicher und Sindelar gefeiert werden. Mit der Austria gewinnt er zweimal den Mitropapokal, eine Art Vorläufer des Europapokals. Er wird später vielfach als bester Fußballer Österreichs des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Sindelars künstlerische Spielweise macht ihn zu einem Liebling der Intellektuellen in den Wiener Kaffeehäusern. Er ist auch einer der ersten Werbestars des Fußballs. Sein letztes Spiel ist ein 2-2 gegen Hertha BSC im Dezember 1938.

      "Der Papierene", wie er wegen seines schlaksigen Äußeren genannt wird, stirbt kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich an einer Kohlenmonoxydvergiftung, verursacht durch einen defekten Ofen. Viele vermuten aber einen Doppelselbstmord mit seiner erst kurz zuvor kennengelernten jüdischen Freundin, aber auch ein Mord wird unterstellt. Die neuen Machthaber machen aus Sindelars Begräbnis mit 15.000 Menschen einen Staatsakt, um den Spieler posthum für sich zu vereinnahmen.

      Bis heute ist er der mythenumwobenste Spieler Österreichs. Zu den Legenden gehört das „Anschlussspiel“ am 3. April 1938 im Wiener Praterstadion, das letzte für das österreichische Nationalteam, das danach aufgelöst wird. Vielfach wird von politischen Vorgaben gemunkelt, an die sich die Österreicher mit ihrem 2-0-Sieg über Deutschland nicht halten. Sindelar steuert einen Treffer bei und feiert ihn überschwänglich. Zu seinem Nachruhm trägt nach 1945 auch das Gedicht von Friedrich Torberg: „Er war ein Kind aus Favoriten / und hieß Matthias Sindelar“ bei.
    • Heute vor 44 Jahren schlägt die große Stunde des Detlef Spincke. Naja, eigentlich ist es nur eine Minute. Der HSV besiegt Kickers Offenbach mit 2-0 durch Tore von Memering und Nogly. Spincke kommt in der 90. Minute. Er ist damit der Ahnherr aller Spieler, die es nur auf eine Bundesliga-Minute in ihrer Karriere bringen. Kurios: Er spielt noch zweimal im DFB-Pokal für den HSV (gegen SC Jülich und Bayern Hof) und im Europapokal der Pokalsieger gegen IB Keflavik und die Hearts of Midlothian. Nicht viele Bundesligaspieler können von sich behaupten, häufiger im Europapokal als in der Bundesliga gespielt zu haben.

      Weil er sich nicht in der Bundesliga beim HSV durchsetzen kann, wechselt Spincke zum Wuppertaler SV und bringt es dort auf 66 Zweitligaspiele, bevor er zu seinem Heimatverein SV Lurup und später zum Lüneburger SK wechselt.
    • Samstag vor 25 Jahren wechselt Eric Cantona leichtfüßig die Sportart von Fußball zu Kickboxen und verursacht so einen der größten Skandale der Premiere-League-Geschichte. Nach einem Platzverweis gegen Chrystal Palace revanchiert er sich für Pöbeleien aus der Fankurve mit einem gezielten Fußtritt gegen Palace-Fan Matthew Simmons. Cantona wird für den Rest der Saison gesperrt und fehlt Manchester United im Titelkampf, den United denn auch gegen ie Blackburn Rovers verliert. Simmons erhält ein Stadionverbot für ein Jahr.







      Sonntag vor 16 Jahren gewinnt Alemannia Aachen das erste Geisterspiel in der Bundesliga. Der Zweitligakick endet 3:2 und die Alemannia ist Herbstmeister. Bachirou Salou schießt das Siegtor. Das 1:0 im ersten Spiel im November war vom DFB annulliert worden. FCN-Trainer Wolfgang Wolf hatte bei der 0:1-Niederlage am 24. November 2003 ein Wurfgeschoss am Kopf getroffen. Daraufhin legten die Clubberer vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes Protest ein und erzwangen ein Wiederholungsspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

      500 Ordner sichern das Spiel mit 250 anwesenden Personen. 40 abgezählte Personen pro Verein (inklusive Spieler), die Schiedsrichter, ausgewählte Medienvertreter, Sicherheits- und Sanitätsdienst, Stadionsprecher, Techniker, zwei Würstchenverkäufer und Toilettenpersonal dürfen dem historischen Ereignis beiwohnen. Ebenfalls Zutritt hatte DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun. Der blieb aber krank zu Hause.
    • Heute vor 121 Jahren wird Béla Guttmann geboren. Der exzentrische Trainer erlebt seine größte Zeit 1961 und 1962, als er mit Benfica Lissabon und Starspieler Eusebio mit zwei Landesmeister-Titeln die Vorherrschaft Real Madrids im Europapokal bricht. Danach geht er im Streit und prophezeit, dass Benfica in Europa 100 Jahre keine Titel mehr gewinnen wird. In der Tat:
      Benfica verliert fünf Landesmeister-Finale: 1963, 1965, 1968, 1988, 1990, das UEFA-Pokal-Finale 1983 sowie die Europa-League-Finale 2013 und 2014 und wenn man so will auch noch die Youth League-Finalspiele 2014 und 2017. Die Prophezeiung geht als Guttmann-Fluch in die Fußballgeschichte ein.
    • Heute vor 120 Jahren versammeln sich im Leipziger Restaurant Zum Mariengarten Vertreter von 86 Vereinen zur Gründung des DFB. 53 Vereine treten sofort bei, sieben unter Vorbehalt. Andere folgen später.

      Von den 86 Vereinen sind aus:

      Berlin 23
      Bremen 7
      Hamburg 6
      Frankfurt/M 5
      Leipzig 5
      Mannheim 5
      Braunschweig 3
      Hanau 3
      Karlsruhe 3
      München 3
      Altona 2 (Hamburg)
      Dresden 2
      Magdeburg 2
      Pforzheim 2
      Prag 2
      Aschersleben 1
      Breslau 1
      Charlottenburg 1 (Berlin)
      Chemnitz 1
      Erfurt 1
      Freiburg 1
      Friedenau 1 (Berlin)
      Hannover 1
      Mittweida 1
      Mühlhausen 1
      Naumburg 1
      Pankow 1 (Berlin)
      Straßburg 1
    • Heute vor 37 Jahren endet eine bis dahin beispiellose Serie. Am 16. Januar 1982 hatte der Braunschweiger Ronny Worm den letzten Siegtreffer gegen den HSV geschossen. Danach setzen die Hamburger zu einer Serie von 36 Spielen (saisonübergreifend) ohne Niederlage an. 20 Siege und 16 Remis folgen. Am Ende der Saison ist der HSV Meister. 1982/83 bleiben die Hamburger in der Hinserie ohne Niederlage. Nach dem 18. Spieltag liegen die Rothosen mit zehn Siegen und acht Unentschieden an der Tabellenspitze.Am 29. Januar 1983 reisen die Hanseaten zum ewigen Rivalen Werder Bremen. Rudi Völler und Frank Neubarth bringen Werder mit 2-0 in Führung. Bastrup verkürzt umgehend. Doch Benno Möhlmann stellt den alten Abstand in der 65. Minute wieder her. Jakobs erzielt kurz vor Schluss nur noch den Ehrentreffer zum 3-2. Am Ende haben aber die Hamburger die Nase vorn und werden vor Werder Meister.

      Die HSV-Serie hält noch lange. Erst im November 2012 starten die Bayern zu 53 Spielen ohne Niederlage.

      In England könnte der Rekord von Arsenal schon bald wackeln: 49 Spiele ohne Niederlage (Mai 2003 - Oktober 2004). Liverpool hat gegenwärtig 41 geschafft.

      In Spanien hält den Rekord der FC Barcelona: 43 Spiele ohne Niederlage (April 2017 - Mai 2018)

      In Italien ist der AC Mailand das Maß aller Dinge: 58 Spiele ohne Niederlage (Mai 1991 - März 1993).

      In Frankreich natürlich Paris St.-Germain: 36 Spiele ohne Niederlage (März 2015 - Februar 2016)
    • Heute vor 94 Jahren überkommen den Tierarzt Dr. Mennerich patriotische Gefühle. Auf sein Betreiben wird aus dem 1. Bielefelder FC Arminia der Deutsche Sport Club (DSC) Arminia Bielefeld.

      Für den Fußball brauchte es in Ostwestfalen etwas länger. Eher frönt man zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch dem geselligen Beisammensein mit Tanz. So in den Vereinen Teutonia und Terpsichore. Letzterem schließen sich der Holländer Alwin Bohlen und der Bremerhavener Jonny Henningsen an. Ihr Wunsch nach Gründung einer Fußball-Abteilung wird aber abgelehnt. Per Zeitungsanzeige suchen sie gemeinsam mit dem Terpsichore-Vorsitzenden Emil Schröder daher auf anderem Weg Gleichgesinnte.

      Am 3. Mai 1905 gründet sich so der 1. Bielefelder Fußballclub Arminia. Der Zusatz Arminia wird gewählt, weil der Rückgriff auf das Germanentum zu jener Zeit populär ist und es bereits die Kicker der „Cheruskia“ in Bielefeld gibt (von denen böse Legenden behaupten, Frauen, die eine Wäscheleine hochhielten, dienten als Tore bei ihren ersten Spielen). Da liegt es nahe, den Cheruskerfürsten Arminius zum Namenspaten zu wählen. Schließlich verortet man zu der Zeit auch die historische Varusschlacht der Germanen gegen die Römer in der Region. Zum Glück folgt man nicht der künstlerischen Umbenennung des Arminius in den deutschtümelnd klingenden Hermann wie es die Dichter Klopstock und Kleist in ihren Werken tun, sonst hieße die Arminia heute DSC Hermann Bielefeld.

      Die „Roten“ Cherusker nannten sich übrigens schon recht schnell in VfB 03 Bielefeld um und lieferten unter ihrem Spitznamen „Hüpker“ der Arminia lange Zeit eine ernsthafte Konkurrenz, bevor sie im Mittelmaß des Amateurfußballs versanken und 1999 mit Fichte Bielefeld fusionierten.
    • Heute vor 54 Jahren wird Bodo Krautz um 200 Mark (Ost) reicher. Der Autor und Texter gewinnt den Leserwettbewerb der Lausitzer Rundschau. Gesucht wurde ein passender Name für den neuen Fußballverein in Cottbus, der an diesem Tag gegründet wird.

      Eigentlich war die Lausitz im Fußball der 50er Jahre durch den SC Aktivist Brieske-Senftenberg gut vertreten. Doch Anfang der 60er ging es mit kickenden Kohle-Kumpeln bergab. 1963 folgte gar der Abstieg als Tabellenletzter der Oberliga. Da passte es, dass die DDR-Sportführung die Konzentration auf einen Sportclub in der Bezirkshauptstadt verfügt. Das ist der neu gegründete SC Cottbus. Der SC Aktivist Brieske-Senftenberg wird aufgelöst und der größte Teil der Mannschaft wechselt nach Cottbus. Während Boxer, Leichtathleten und Radsportler dem SC Cottbus in der Folge Ruhm und Ehre bringen, dümpeln die Fußballer in der 2. Liga vor sich hin. Am 12. Dezember 1965 wird gegen Aktivist Schwarze Pumpe ein letztes Mal gespielt, dann werden die Fußballer aus dem Club ausgegliedert und in eine BSG überführt.

      Der neue Name des Clubs soll den Energiebezirk der DDR repräsentieren, heißt es im Leserwettbewerb der Lausitzer Rundschau. Da ist BSG Energie Cottbus nun nicht sonderlich originell. Meint auch DDR-Reporter-Legende Heinz-Florian Oertel, der mault, dass die Fans ihre Freude am Vereinsnamen haben wollen. Doch auf Oertel wird nicht gehört. Auch nicht auf seinen Vorschlag „Glückauf Cottbus“. Und so geht der Club viele Jahre später als Energie Cottbus in die Bundesligageschichte ein. Und nicht als Glückauf Cottbus.
    • Ein Leser schlägt einen Namen vor und der wird genommen - ernsthaft und das auch noch unter DDR-Bedingungen? Wers glaubt.
      Da wurde doch vorher schon geprüft, welche BSG die Sache als Träger übernimmt und wer das ist im "Energiebezirk" war doch naheliegend. Da hat man doch wohl eher jemand prämiert, der "zufällig" den "richtigen" Namen vorschlägt.
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