Heute vor...

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Manfred schrieb:

      Ein Leser schlägt einen Namen vor und der wird genommen - ernsthaft und das auch noch unter DDR-Bedingungen? Wers glaubt.
      Da wurde doch vorher schon geprüft, welche BSG die Sache als Träger übernimmt und wer das ist im "Energiebezirk" war doch naheliegend. Da hat man doch wohl eher jemand prämiert, der "zufällig" den "richtigen" Namen vorschlägt.
      So wird es wohl gewesen sein ^^
      der Club pflegt aber lieber die Legende von der "Volkswahl"
    • matz schrieb:

      Heute vor 54 Jahren wird Bodo Krautz um 200 Mark (Ost) reicher. Der Autor und Texter gewinnt den Leserwettbewerb der Lausitzer Rundschau. Gesucht wurde ein passender Name für den neuen Fußballverein in Cottbus, der an diesem Tag gegründet wird.

      Eigentlich war die Lausitz im Fußball der 50er Jahre durch den SC Aktivist Brieske-Senftenberg gut vertreten. Doch Anfang der 60er ging es mit kickenden Kohle-Kumpeln bergab. 1963 folgte gar der Abstieg als Tabellenletzter der Oberliga. Da passte es, dass die DDR-Sportführung die Konzentration auf einen Sportclub in der Bezirkshauptstadt verfügt. Das ist der neu gegründete SC Cottbus. Der SC Aktivist Brieske-Senftenberg wird aufgelöst und der größte Teil der Mannschaft wechselt nach Cottbus. Während Boxer, Leichtathleten und Radsportler dem SC Cottbus in der Folge Ruhm und Ehre bringen, dümpeln die Fußballer in der 2. Liga vor sich hin. Am 12. Dezember 1965 wird gegen Aktivist Schwarze Pumpe ein letztes Mal gespielt, dann werden die Fußballer aus dem Club ausgegliedert und in eine BSG überführt.

      Der neue Name des Clubs soll den Energiebezirk der DDR repräsentieren, heißt es im Leserwettbewerb der Lausitzer Rundschau. Da ist BSG Energie Cottbus nun nicht sonderlich originell. Meint auch DDR-Reporter-Legende Heinz-Florian Oertel, der mault, dass die Fans ihre Freude am Vereinsnamen haben wollen. Doch auf Oertel wird nicht gehört. Auch nicht auf seinen Vorschlag „Glückauf Cottbus“. Und so geht der Club viele Jahre später als Energie Cottbus in die Bundesligageschichte ein. Und nicht als Glückauf Cottbus.
      Das ist ja verrückt, Zufälle gibt es. Vorhin lese ich noch in einem Buch über die Leipziger Fussballhistorie, und da war auch 'ne Liste mit den in der DDR üblichen Vereinsnamen. Da habe ich mich noch gefragt, wieso die Cottbuser eigentlich "Energie" hießen, denn für die Clubs aus der Bergbaubranche waren dieNamen "Aktivist" oder "Wismut" vorgesehen, die der Energieerzeugungsindustrie angeschlossenen Vereine hießen "Turbine". Únd kaum eine Stunde nach diesem Gedanken lese ich deinen Beitrag! :thumbsup:
      "Wer nicht alles gibt, gibt nichts!" (Alfred Kunze)
    • Natürlich war "Energie" kein Name einer Träger-BSG, aber die damals gegründeten FC waren auch keine normalen BSG. Rot-Weiß Erfurt, FC Union Berlin und FC Karl-Marx-Stadt haben ja auch keinen "Trägernamen". Aber die FC wurden bewusst auf Bezirke verteilt und hatten z.T. gewissen Bezug zum "Charakter" des Bezirks, u.a. Hallenser FC Chemie im "Chemiebezirk". Sie sollten Vereine für Leistungs-Fußball sein im Gegensatz zu den BSG. Daher waren Vereine wie BSG Sachsenring Zwickau oder BSG Stahl Riesa eigentlich unerwünscht in der Oberliga, aber die hatten frecherweise Erfolg.
      Im Bezirk Neubrandenburg war die Gründung eines Leistungsfußballvereins nicht erwünscht, weswegen der FSV Neubrandenburg in eine BSG gezwungen wurde. Auch der FSV Dresden wurde nicht mit richtigem Namen in den Tabellen genannt.
    • Auch die Bezirke Schwerin und Suhl wurden als "unwürdig" empfunden und bekamen keinen FC. Dresden war ein Sonderfall. Da es dort schon Dynamo gab, durfte "Einheit" nicht FC werden. Da wurde dann FSV Lok Dresden geschaffen, wobei der Namensteil FSV oft verschwiegen und der Eindruck erweckt wurde, dass sei die 1.Mannschaft der BSG Lok Dresden (das war der "Breitensportverein"). De facto war die Reichsbahn Trägerbetrieb des FSV Lok. Dynamo Dresden war auch kein FC, aber quasi die BSG/Leistungsfußballzentrum der Vopo.
      Dynamo und Armeesportklubs standen außerhalb des BSG-Systems.
      Wer war eigentlich Trägerbetrieb von Energie Cottbus? Oder wurden das Team quasi gemeinsam von Braunkohletagebau und Krfatwerken des Bezirks unterhalten?
      Die ideologische Idee war ja eine Oberliga aus lauter FC, Dynamo und ASK und möglichst aus Bezirkshauptstädten. Nur gab es solche rührigen BSG aus Aue, Zwickau, Riesa, Schkopau etc. und auch Cottbus und Leipzig-Leutzsch, die immer wieder für kurz oder länger nach oben kamen. Trägerbetriebe aus Chemie, Stahl, und "Wismut" ( = Uran) sowie Autoindustrie (Sachsenring) hatten durchaus Möglichkeiten der Förderung. Hingegen hatten Teams aus dem "Stall" Einheit, Traktor, Post usw. weniger gute Karten. Und wenn ein Trägerbetrieb (vielleicht mit sportbegeistertem Kombinatsdirektor) zuviel "Profiförderung" reinbutterte, gabs mitunter eins auf den Deckel, weil nicht sein kann was nicht darf. Was der BFC Dynamo durfte, war einer popeligen Provinz-BSG nicht erlaubt. Pro forma Anstellung im Betrieb und de facto nur Fußball...
    • Heute vor 46 Jahren haben es die Honoratioren der kleinen Marktgemeinde Vestenbergsgreuth satt: Immer müssen die guten Fußballer des Ortes in den Nachbardörfern spielen. Also treffen sich gut 50 Bürger im Gasthaus Fürstenhöfer und gründen den TSV Vestenbergsgreuth. Von Anfang an dabei der ortsansässige Teeproduzent. Er spendet 500 Mark und zwei Trikotsätze. Knapp über 300 Einwohner hat das Dorf zu jener Zeit.

      Die Bauer-Group trägt den Verein auch in den folgenden Jahren. Insbesondere als Helmut Hack das Ruder beim TSV übernimmt. Der hatte seine Fußballerkarriere nach einer Verletzung an den Nagel gehängt und stattdessen im Unternehmen Karriere gemacht. Weil sich die Firma Bauer frühzeitig auf Teebeutel und Kräuter- und Früchtetees konzentriert, steht man als Marktführer finanziell auch gut da.

      In sechs Jahren geht es aus der C-Liga bis in die Landesliga. 1987 erfolgt der Aufstieg in die Bayernliga. Bei der Gründung der Regionalliga Süd 1994 sind die Vestenbergsgreuther genauso wie die Spvgg Fürth als Bayern-Qualifikanten dabei (wie auch Unterhachig, Bayern II, FC Augsburg und der SV Lohof). Am 14. August 1994 tritt Vestenbergsgreuth zum größten Spiel der Vereinsgeschichte an. In der ersten Runde besiegen sie den amtierenden Deutschen Meister Bayern München 1-0. Einer der größten Blamagen in der Pokalgeschichte.



      Längst ist der Dorfclub aber an seine Grenzen in der Infrastruktur gestoßen. In Fürth dagegen haben sie ein Stadion und Tradition, aber kein Geld. Deshalb handeln Helmut Hack und Fürth-Präsident Edgar Burkart 1995 eine Fusion aus. Am 24. Oktober 1995 treten die Vestenbergsgreuther der Spielvereinigung bei. Die heißen fortan „Spvgg Greuther Fürth“ und Helmut Hack führt den Club zwischenzeitlich sogar in die Bundesliga.

      Was viele Fürther Fans heute gern wieder getilgt wüssten, ist der Namenszusatz: Werden sie doch oft als „Greuther Fürther“ bezeichnet. Oder als „Kräuter Fürth“. Und überhaupt. Die kleine Gemeinde mit heute mehr als 1.500 Einwohnern liegt ja nicht eben vor den Toren Fürths, sondern rund 45 Autominuten entfernt. Eigentlich verbindet sie nichts, außer dem Namen.

      Und insbesondere, seit in Vestenbergsgreuth auch wieder eine erste Mannschaft am Start ist (2007). Die hat in der A-Klasse Erlangen/Pegnitzgrund 1 allerdings keine Ambitionen mehr auf hochklassigen Fußball. Vielmehr misst man sich 46 Jahre nach der Gründung mit der SG Siemens Erlangen, dem TSV Frauenaurach, Atletico Erlangen und einem anderen tief gestürzten ehemaligen Top-Namen des bayerischen Amateurfußballs, dem ASV Herzogenaurach.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von matz ()

    • Ganz nett geschrieben, nur leider mit dem üblichen Fehler. Es war keine Fusion. Beide Vereine existierten weiter, weswegen die SpVgg immer noch der 1903 gegründete Verein ist. Die Fußballabteilung des TSV ist gleichzeitig im TSV und als juristische Person Mitglied der SpVgg.
      De facto hat Macher Helmut Hack die SpVgg übernommen.
    • Danke! Das ist nämlich einer Punkte, wo wir Fürther allergisch reagieren. ;)
      Der Beitritt und die Namenskonstruktion wurden gewählt, weil sonst keine Mehrheiten in den Hauptversammlungen zustande gekommen wären. Die Fürther wollten ihren Verein erhalten und schluckten die Kröte "Greuther" . Die Greuther wollten ihre Geschichte nicht untergehen lassen. Auch heute noch blockieren sie Initiativen zur Namensänderung.
      Im Grunde hat Helmut Hack seinen TSV fallen lassen und war der "Weiße Ritter", der die SpVgg rettete.
    • Gestern vor 52 Jahren wird DFB-Chefankläger Hans Kindermann deutlich: „Herrn Merkel fehlen die sportliche Einstellung, die Erziehung zur Sportlichkeit und die Rücksichtnahme auf den Gegner." Gemeint ist Max Merkel, Trainer des Clubs aus Nürnberg. Der pöbelt sich regelmäßig durch die Liga. Über Fußball-Funktionäre etwa sagt er: „"Die wissen nicht einmal, dass Luft im Ball ist. Die glauben, der springt, weil ein Frosch drin ist.“

      Diesmal ist er reif, munkelt die Sportpresse zur Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht. Selbst der Entzug der Trainerlizenz stehe zur Diskussion. Vor allem beim Spiel gegen den 1.FC Köln (3-3) hatte Merkel gewütet und angekündigt, im Rückspiel jedem Spieler 100 Mark (!) extra zu zahlen, wenn sie richtig „holzen“. Außerdem hält Kindermann fest, dass Merkel auf der Trainerbank den Fans seinen Allerwertesten entgegen gehalten und darauf gezeigt habe. Oder wie es beim DFB heißt: den „schwäbischen Gruß mit einer Aufforderung des Götz von Berlichingen“ entrichtet habe. Am Ende kommt Merkel mit 12.000 Mark Strafe davon.

      Merkel war ziemlich unantastbar. Mit 1860 hatte er den Pokal (1964) und die Meisterschaft (1966) gewonnen und im Finale um den Europapokal der Pokalsieger (gegen West Ham) gestanden. Trotzdem waren die Nürnberger Spieler von ihren Münchener Kollegen schon vor dem boshaften Trainer gewarnt worden. Seinen Titel bei den Löwen kommentierte er: „100 Jahre vorher war da nix, 100 Jahre danach wird da wohl nix sein."

      Merkel rettet den Club vor dem Abstieg. Und wird im Jahr darauf Meister. Dann baut er die Mannschaft komplett um und stürzt ab. Am Ende steigt der FCN als amtierender Meister ab – bis heute einmalig. Merkel wandert weiter nach Spanien und wird mit Atletico Madrid Meister, danach aber entlassen, weil er als untragbar gilt. Ausschlaggebend soll der Spruch gewesen sein, dass Spanien eigentlich ganz schön wäre, wenn es dort bloß keine Spanier gäbe.

      Danach bleiben die Erfolge aus. Bei Schalke scheitert er („Das Beste an Gelsenkirchen ist die Autobahnauffahrt nach München.") Und in München kostet er Präsident Wilhelm Neudecker den Job. Der Präsident der Bayern hatte Merkel hrimlich verpflichtet, daraufhin kündigten die Spieler um Maier und Breitner einen Streik an und putschten so Neudecker aus dem Amt.

      Einmal taucht der Österreicher noch in der Bundesliga auf. 1981 beim KSC. Die Fans empfangen ihn mit „Merkel go home“-Plakaten. Seinen schlechten Ruf pflegt er danach als Chef-Pöbler der BILD-Zeitung, in der er regelmäßig Spieler und Vereine beleidigt (oder die für ihn schreibenden BILD-Redakteure). Benno Möhlmann reagierte darauf einmal mit dem Spruch: "Viele alte Leute haben das Glück, körperlich und geistig gesund Ratschläge und Erkenntnisse weitergeben zu können. Herr Merkel gehört leider nicht dazu. Ihm ist aber zu wünschen, dass er wenigstens körperlich unversehrt bleibt."
    • Heute vor 47 Jahren haben einige Berliner Eltern Sorgen. Der SC Tasmania steht vor dem Aus. Damit ihre Kinder auch weiterhin einen Verein haben, gründen sie den SV Tasmania Neukölln 73.

      Nach der schmählichen Bundesligasaison 65/66 tut Tasmania alles, um die Scharte auszuwetzen. Im ersten Jahr in der Regionalliga Berlin wird man Vierter, dann Fünfter. Aber nachdem Hertha die Regionalliga verlassen hat, spielt Tasmania auch wieder um den Aufstieg in die Bundesliga. 1970 scheitert Tasmania an RW Essen. 1971 wird es wiederum nichts mit dem Aufstieg, die Tasmanen werden Letzter der Aufstiegsrunde. 1972 ebenfalls. Dann hat sich der Club mit seinen Ambitionen übernommen und meldet Konkurs an. Rettung ausgeschlossen.

      Der neu gegründete SV Tasmania Neukölln ist somit kein Rechtsnachfolger, sondern nur ideeller Erbe des SC. Auch deshalb fangen die Neuköllner in der untersten Spielklasse an. Je nach finanzieller Unterstützung geht es die Ligen rauf und runter. Mal fördert ein Immobilien- und Kunsthändler den Verein, mal die Wohnungsbaugesellschaft Gropiusstadt, weshalb der Club ab 2000 als SV Tasmania Gropiusstadt firmiert. Mittlerweile heißen die Neuköllner SV Tasmania Berlin und möchten mit dem Projekt Tas 2020 den nächsten Anlauf nehmen.
    • Heute vor 14 Jahren besiegt Schalke 04 Bayer Leverkusen mit 7-4. 30 Jahre hatte die Bundesliga auf dieses Ergebnis warten müssen. 1976 schoß Gerd Müller am letzten Spieltag fünf Tore gegen Hertha BSC, auf deren Seite Detlef Szymanek 3-mal beim 7-4 traf. Drei Jahre zuvor hatte der 1. FC Kaiserslautern die Bayern mit 7-4 besiegt. Das war es dann auch mit diesem Ergebnis.

      Fünf Spiele waren aber noch torreicher:
      1982 Borussia Dortmund – Arminia Bielefeld 11-1
      1978 Bor. M´gladbach – Borussia Dortmund 12-0
      1977 1.FC Köln – TeBe Berlin 8-4
      1971 Bayern München – Borussia Dortmund 11-1
      1963 Borussia Dortmund – 1. FC Kaiserslautern 9-3
    • Heute vor 23 Jahren besiegt Hannover 96 im Niedersachsenderby Eintracht Braunschweig mit 4-0. Viel Grund zur Freude besteht aber nicht. Denn das Derby findet in der drittklassigen Regionalliga Nord statt. Hannover war ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Vereinsjubiläums drittklassig geworden, der BTSV war dies schon seit 1993. Am Ende der Saison liegt 96 mit fünf Punkten vor Braunschweig vorn, scheitert aber in den berüchtigten Aufstiegsspielen gegen Energie Cottbus.

      Nachdem Hannover zwischenzeitlich sogar mal Europa League spielte und die Eintracht es wieder in die Bundesliga schaffte, ist man nun mit 96 im Abstiegskampf der 2. Liga und Braunschweig in der 3. Liga den Verhältnissen von 1997 wieder recht nah gekommen.

      Interessant aber auch, welche Vereine damals in der RL Nord aufliefen. Viele davon sind inzwischen nach unten durchgereicht worden:

      • Hannover 96
      • Eintracht Braunschweig
      • SV Werder Amateure
      • VfL Osnabrück
      • Hamburger SV Amateure
      • TuS Celle
      • 1. SC Norderstedt
      • VfL Herzlake
      • Kickers Emden
      • Göttingen 05
      • Sportfreunde Ricklingen
      • Atlas Delmenhorst
      • SV Wilhelmshaven
      • Concordia Hamburg
      • Altona 93
      • FC St. Pauli Amateure
      • Lüneburger SK
      • SV Lurup
    • Gestern vor 70 Jahren kommt das Elend über die Welt. Gut, es ist nur der Geißbock Hennes. Aber der ist schließlich der Ahnherr aller Fußball-Maskottchen und deshalb nicht ganz unschuldig. Zwei Jahre genau auf den Tag nach der Gründung des 1. FC Köln schenkt Zirkusdirektorin Carola Williams auf einer Karnevalssitzung (wo auch sonst?) dem FC einen Geißbock als Glücksbringer. Der wird nach Trainer Hennes Weisweiler benannt und ist bald so populär, dass er auch den Dom überragt. Wenn auch nur im Wappen. Inzwischen sind die „Geißböcke“ schon bei ihrem neunten Hennes angekommen.

      Da wollen andere Clubs nicht nachstehen. Exakt 15 Jahre nach der kölschen Karnevalssitzung führen die Bremer beim Derby in Hamburg den Heidschnuckenbock Pico, benannt nach Vereinslegende Pico Schütz, an der Leine. Pico wird zwar mit Werder Meister, aber nie so bekannt wie Hennes und auch das mag ein Grund sein, warum Pico beim Pokalspiel gegen die Bayern Anfang der 80er Jahre auch mal etwas Ruhm abbekommen möchte




      Also lassen die Bremer Pico 1989 heimlich verschwinden. Ganz ohne Maskottchen will der SVW aber auch nicht sein. Deshalb rufen sie an der Weser 1994 einen Wettbewerb für ein neues Maskottchen ins Leben. Die Grafik-Designerin Dany Rohe setzt sich mit dem Entwurf einer etwas überkandidelten und leicht debil wirkenden Möwe durch, die per Voting "Werdi" getauft wird.


      Doch so richtig beliebt ist das Federvieh nicht und nach seiner Kündigung tritt sogarnoch ein Werder-Funktionär nach: „Das konnte ja nichts werden: ein Maskottchen, das dir auf den Kopf scheißt.“ Nur einmal noch, Jahre später, taucht Werdi auf einer Pokal-Choreo der Werder-Ultras wieder auf. Eine späte Rehabilitation für den vormals verlachten Vogel.

      Seither reist Werder aber ohne Maskottchen durch die Lande (sieht man von Claudio Pizarro ab). Naheliegendes wie vier aufeinandergetürmte tierische Stadtmusikanten oder ein tanzendes Fischbrötchen an der Seitenlinie wurden jedenfalls nie in Betracht gezogen.

      Noch glückloser ist Mönchengladbachs legendärer Manager Helmut Grashoff bei dem Versuch, mittels Merchandising Geld für die Borussia einzuwerben. Sein selbst kreiertes Maskottchen Bumsi, ein Ball mit wirrem Haarschopf, erweist sich als totaler Flop und wird durch das Stoff-Fohlen Jünter ersetzt.

      In den 60ern will auch St. Pauli auf den Zug tierischer Glücksbringer aufspringen. Der Ziegenbock Jockeli“ wird nach Trainer Kurt „Jockel“ Krause benannt und auch mit ihm gleich wieder gefeuert. Dann kommt das Pony „Paulchen“ aus dem Pony-Park in Padenstedt, das aber keiner beachtet und schließlich ein Werbebär des Heideparks Soltau, den die Fans mit Bierduschen bedenken. Auf die Idee, den Gladbachern passend zum sündigen Kiez die Rechte an Bumsi abzukaufen, kommt am Millerntor seltsamerweise niemand.

      Noch schlimmer ergeht es der HSV-Hummel Harry (wegen Hummel, Hummel - Mors, Mors, kann man sich nicht ausdenken). Angeblich wurde die schon von der Künstlerin selbst als "deformierte Biene Maja“ bezeichnet und kommt überhaupt nur wegen einer Wahlfälschung in den kurzfristigen Genuss als HSV-Maskottchen.

      Längst vergessen, wenn auch sehr sympathisch, ist Schöppche, das Frankfurter Zwergpony, das die Henninger Brauerei stiftete. Vermutlich deshalb bekommt Schöppche sein Wasser auch aus der Bierflasche. Das Pony tritt sogar in einem eigenen Comic auf, zeigt sich mit Eintracht-Legenden wie Jürgen Grabowski, segnet aber 1990 das Zeitliche. Seit 2006 macht nun der angeberische Adler Attila vor Eintracht-Spielen einen auf dicke Eier.

      1991 laufen die Schalke-Fans heiß. Passend zum Wiederaufstieg wird über den Stadionsprecher eine große Überraschung am Ende der Partie angekündigt. Die Fans sind sich sicher: ein Mega-Transfer steht an. Doch stattdessen präsentiert Betreuer Charly Neumann den entgeisterten Fans Wühli, einen Maulwurf mit Grubenhelm. Den enttäuschenden Start kann Wühli nie mehr gutmachen. Er wird durch Kumpel Erwin, einen Schalke-Fan mit monströsem Nasentumor ersetzt.

      Auch Erwin erlangt Berühmtheit, als er nach einem hitzigen Derby gegen den BVB eine rote Karte auf dem Spielfeld findet und sie Schiri Zwayer vor die Nase hält. Findet der nicht lustig. Die Folge: eine offizielle Rüge durch den DFB. Dies ist aber immerhin noch weniger peinlich als Super Leo, das sturzbetrunkene Maskottchen von Austria Wien. Von den Aussetzern des Uerdinger Grotifanten ganz zu schweigen.



      Überhaupt sind die 90-er Jahre die Hochzeit der Plüsch- und Plaste-Maskottchen. Die Stadien werden modernisiert, bekommen Familienblöcke, der dort anwesende Nachwuchs will bespasst sein und soll das elterliche Geld im Fanshop lassen. So taucht bei Hertha der vollgefressene brasilianische Tanzbär Hertinho auf, Wolfsburg heuert den jaulenden Wölfi an und selbst die Bayer-Verantwortlichen merken irgendwann, dass der unförmige, aufgepumpte Plumpssack mit den lustigen Bewegungen am Spielfeldrand gar kein Maskottchen, sondern ihr Manager Rainer Calmund ist. Also erfinden sie kurzerhand den Löwen Brian, der sich ja auch schon merkwürdigerweise ins Vereinswappen geschlichen hatte. Den Vogel schießt aber natürlich wieder der DFB ab, als er 2006 einen verwirrten Exhibitionisten ohne Hose für die Weltmeisterschaft werben lässt. Und das alles nur, weil vor 70 Jahren in Köln wieder einmal einer eine Schnapsidee beim Karneval hatte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von matz ()

    • matz schrieb:

      Dies ist aber immerhin noch weniger peinlich als Super Leo, das sturzbetrunkene Maskottchen von Austria Wien.
      :lol: :rofl:

      Junge, hats den erwischt. Wie kann man so zur "Arbeit" erscheinen?
      Der hatte am nächsten Tag doch sicher die Kündigung im Briefkasten.
      "Man ist nicht zu betrunken, solange man auf dem Boden liegen kann, ohne sich festzuhalten." (Finnisches Sprichwort)
    • Dionysus schrieb:

      matz schrieb:

      Dies ist aber immerhin noch weniger peinlich als Super Leo, das sturzbetrunkene Maskottchen von Austria Wien.
      :lol: :rofl:
      Junge, hats den erwischt. Wie kann man so zur "Arbeit" erscheinen?
      Der hatte am nächsten Tag doch sicher die Kündigung im Briefkasten.
      Er feierte an dem Tag seine 42. Geburtstag, ich vermute, jeder im Stadion wollte mal anstoßen :ablachen:
    • matz schrieb:

      Er feierte an dem Tag seine 42. Geburtstag, ich vermute, jeder im Stadion wollte mal anstoßen :ablachen:

      42. Geburtstag! Das erklärt natürlich einiges. :D

      42 - Die Antwort auf alles! ... „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.“
      Kein Wunder das sein Gehirn mit der Verarbeitung überfordert war! :lol:
      "Man ist nicht zu betrunken, solange man auf dem Boden liegen kann, ohne sich festzuhalten." (Finnisches Sprichwort)
    • Heute vor 15 Jahren schlägt Arsenal Chrystal Palace mit 5-1. Was nicht bemerkenswert wäre, doch es ist das erste Spiel in der Geschichte der ersten englischen Liga, bei dem eine Mannschaft komplett ohne britische Spieler aufläuft. Arsenal tritt mit sechs Franzosen, drei Spaniern, zwei Holländern, einem Brasilianer, einem Schweizer, jeweils einem Spieler aus Kamerun und der Elfenbeinküste sowie einem Deutschen (Jens Lehmann) an.

      In der Bundesliga stehen am ersten Spieltag 1963 insgesamt nur vier Ausländer auf dem Platz. Der Österreicher Wilhelm Huberts für Eintracht Frankfurt, der Niederländer Jakobus Prins für den 1. FC Kaiserslautern sowie der Star unter den „Gastarbeitern“, Löwen-Keeper Petar Radenkovic. Der Holländer Heinz Versteeg beim Meidericher SV wurde als gebürtiger Duisburger erst später als Ausländer geführt. Lange Zeit beschränkt die Ausländerregel den Einsatz nicht-deutscher Spieler und führt zu kuriosen Wechselfehlern. Etwa bei Winnie Schäfer 1995, der unerlaubt einen vierten Ausländer einwechselt und sich dabei auch nicht vom Stadionsprecher abhalten lässt, der verzweifelt „"Winni, zähl' deine Ausländer!" in den Wildpark ruft. Egal, der KSC hat eh verloren.
      Als sich der Fußball der EU-Gesetzgebung nicht mehr entziehen kann, fällt die Beschränkung. Am 22. September 2001 stehen beim Spiel Energie Cottbus gegen Bayern München erstmals 20 Akteure aus dem Ausland auf dem Rasen – zusammen mit Oliver Kahn und Michael Tarnat.