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      Gestern vor 101 Jahren fusionieren die Ringer, Kraftsportler und Gewichtheber des SC Jugendkraft 03 mit dem Fußballern des FC Fortuna 05 zum SC Nowaves 03.

      1751 errichtet der preußische König vor den Toren Potsdams eine Kolonie für böhmische Weber. Die nennen die Siedlung auf Slawisch Nowawes (für Neues Dorf), ähnlich dem bürgerlichen Nachbarort Neuendorf. Später wächst hier ein Industriestandort, u.a. mit der Schallplattenfirma Electrola und der UFA Filmfabrik. Sowohl die Weber als auch später die Arbeiter wehren sich gegen die sozialen Missstände, was Nowawes den Ruf einer „ zur Unruhe und Kriminalität neigenden Industriebevölkerung“, so der Poilzeipräsident Potsdams 1918, einbringt. Die starke Basis von SPD und KPD führt zum Spitznamen „Rotes Nowawes“. 1924 erhält Nowawes das Stadtrecht. Längst hat man das nachbarliche Neuendorf geschluckt. Den Nazis ist sowohl der slawische Name als auch die rote Vergangenheit ein Dorn im Auge. So benennen sie die Stadt in Babelsberg um. Folglich heißen auch die Kicker von Nowawes nun SV Babelsberg 03. Ein Jahr später wird Nowawes zu Potsdam eingemeindet. Der Club heißt nun SV Potsdam 03. Weniger gut ergeht es dem benachbarten Arbeitersportverein Concordia Nowawes 06, der aufgelöst wird und sich als Eintracht 06 neu findet.

      Nach dem Krieg schließen sich Nulldreier und Eintrachtler in der SG Babelsberg zusammen. Die wird kurz drauf zur BSG „Märkische Volksstimme“ Babelsberg und dann zur BSG Rotation Babelsberg. Dies nicht, weil der Trainer den Kader so häufig durchwechselt, sondern weil es der Name der Vereine im Verlags- und Druckwesen ist. 1961 werden die Fußballer zum neuen SC Potsdam delegiert. Sehr zum Ärger der BSG Rotation. Als die Fußballer 1966 wieder aus dem SC ausgegliedert werden, kommt es zum Streit über die Rückkehr zur BSG Rotation. Stattdessen tritt die Mannschaft nun für Motor Babelsberg an. Rotation wird dagegen als DEFA Babelsberg noch unbedeutender, als es der Potsdamer Fußball ohnehin ist. Natürlich blühen Verschwörungstheorien, dass die DDR-Oberen Stahl Brandenburg einem Potsdamer Club in der Oberliga vorziehen.

      Das letzte Spiel als Motor Babelsberg wird am 7.12.1991 bestritten, danach heißt der Verein wieder SV Babelsberg 03. Die DEFA-Fußballer hingegen greifen nach der Wende den historischen Namen Fortuna wjeder auf. Und auch Concordia Nowawes 06 lebt seit 2006 wieder als neu gegründeter Kinder- und Jugendverein.
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      Heute vor 63 Jahren gewinnt Ägypten den ersten Afrikacup. Im Endspiel wird Äthiopien mit 4-0 abgefertigt. Ein Spiel um Platz 3 wird nicht ausgespielt, da außer den beiden Finalisten nur der Sudan am Turnier teilnimmt. Das liegt nicht am Desinteresse der anderen Staaten, sondern an der Tatsache, dass es Mitte der 50er Jahre kaum unabhängige afrikanische Staaten gibt. Als da wären: Ägypten, Äthiopien, Liberia, Libyen und Südafrika. Sudan, Tunesien und Marokko werden 1956 unabhängig.

      Der afrikanische Fußballverband CAF gründet sich dennoch am 8. Februar 1957, aber nur mit vier Mitgliedern. Neben den drei Cupteilnehmern ist es noch Südafrika, die sich aber weigern, die Rassentrennung für ihre Mannschaft aufzuheben und deshalb aus dem Turnier ausgesperrt bleiben.1959 wird der Cup mit denselben drei Mannschaften zum zweiten Mal ausgespielt. Wieder gewinnt Ägypten bzw. die Vereinigte Arabische Republik (VAR), wie sich Ägypten für kurze Zeit im Staatenbund mit Syrien nennt.

      Nach dem so genannten Afrika-Jahr 1960, in dem 18 afrikanische Staaten souverän werden, kann man 1962 schon eine Qualifikation und eine Vierer-Endrunde mit VAR, Tunesien, Äthiopien und Uganda spielen. Erstmals gewann Äthiopien (damals Kaiserreich Abessinien). 1963 ist man schon bei sechs Teilnehmern. Heute hat der CAF 56 Mitgliedsverbände. Rekordsieger und -teilnehmer beim Africa-Cup ist Ägypten.
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      Heute vor 30 Jahren debütiert Andreas Thom in der Bundesliga. Beim Sieg von Bayer Leverkusen über den FC Homburg trifft er zum 1-0. Thom ist der erste DDR-Star, der nach dem Mauerfall in den Westen wechselt.

      Ausgangspunkt ist das letzte WM-Qualifikationsspiel der DDR am 15. November 1989 in Wien. Für die DDR geht es noch um die Tickets für die WM in Italien. Ein Punkt hätte gereicht, stattdessen trifft Toni Polster drei Mal für Österreich. Das Spiel wird aber zum Stelldichein der Bundesliga-Manager und Spielerberater, die sich im Mannschaftshotel der DDR-Auswahl die Klinke in die Hand geben. Doch so dreist wie Leverkusen-Manager Rainer Calmund ist keiner. Der schickt seinen Mitarbeiter Wolfgang Karnath nach Wien. Der Legende nach schummelt sich Karnath mit einem alten Sanitäterpass der Bundeswehr ins Stadioninnere, gibt sich als Fotograf aus und sammelt an der DDR-Trainerbank die Kontaktdaten der DDR-Stars ein.

      Schon kurze Zeit später steht Reiner Calmund mit Pralinen, Blumen und Kinderspielzeug aus dem KaDeWe vor der Tür der Thoms im Ostteil Berlins. Besonders hilfreich: Calmund kann nicht nur Ablöse zahlen, sondern auch noch gleich Medizinprodukte der Bayer AG für das DDR-Gesundheitswesen liefern.

      Erst Bundeskanzler Helmut Kohl persönlich stoppt den Kaufrausch von Calmund. Er redet den Bayer-Managern ins Gewissen, dass sie nicht einfach so den DDR-Fußball leerkaufen können. Calmund wird an die Kette gelegt. So landet Matthias Sammer statt in Leverkusen beim VfB Stuttgart. Calmund selbst erzählt später, dass er Kirsten dem BVB versprochen hatte, dann aber doch von den Bayer-Verantwortlichen grünes Licht für einen Transfer bekam. BVB-Manager Michael Meier deckt ihn darauf hin mit einer Schimpfkanonade ein.

      Nachklapp 1: Jahre später erzählt Calmund in einer Talkshow von seiner vermeintlichen Schlitzohrigkeit beim Wiener Länderspiel. Dafür erntet er Murren im Publikum. Da hat der ein oder andere Gast doch begriffen, dass gerade diese Art Raubrittertum nach der Wende bis heute das Verhältnis von West und Ost belastet.

      Nachklapp 2: Selbst Uli Hoeneß kann sich gegenüber Bayer Leverkusen in einem Interview der Berliner Zeitung zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls nachträglich zum großherzigen Gönner des Ostfußballs stilisieren: „Und erst später ging das doch los, als der Calmund durch die Gegend rannte und alles verpflichtete, was nicht bei drei auf dem Baum war. Wir hatten beschlossen, dass wir uns an der Fledderei nicht beteiligen und den ostdeutschen Vereinen nicht die Spieler wegnehmen. Der Calmund hat ja en gros eingekauft und übrigens versucht, auch an uns Spieler zu vermitteln.“ Der DFB, so Hoeneß rückblickend, hätte die Transfers unterbinden müssen.

      Der DFB unter Boss Hermann Neuberger hat aber zu dieser Zeit ganz andere Sorgen. Das Losglück hatte der DDR und der BRD eine gemeinsame Qualifikationsgruppe für die EM 1992 beschert. Für die Spiele hat der DFB bereits lukrative Verträge abgeschlossen. Deswegen steht Neuberger auf der Bremse. Eine Vereinigung von West- und Ostfußball will er möglichst erst nach der EM 1992.

      Und auch mit der Bundesliga hat der DFB ein Problem. Die steckt tief in der Krise. Die Stars spielen im Ausland, die Stadion sind veraltet, der Fußball unansehnlich. In der Saison 88/89 kommen im Schnitt nur noch 18.800 Zuschauer. Die Gründe sind klar, jedenfalls für Teamchef Franz Beckenbauer schon 1986: „In der Bundesliga ist zu viel Schrott.“ Bayerns Chef Uli Hoeneß will 1988 den Fans das Eintrittsgeld zurückzahlen, wenn die Bayern gegen die unattraktiven Stuttgarter Kickers nicht höher als 3:0 gewinnen. Die Kickers fühlen sich diskriminiert, der DFB untersagt die Aktion. Als auch noch Wattenscheid 09 1990 aufsteigt, stöhnt Uli Hoeneß, es sei „das Schlimmste, was der Bundesliga passieren konnte". Karl-Heinz Rummenigge sinniert sogar über eine 12er-Bundesliga mit Qualität statt Quantität.

      Schließlich ist auch der DFB überzeugt und beschließt die Reduzierung der Bundesliga von 18 auf 16 Clubs ab der Spielzeit 1991/92. Da kommen die Ostvereine nun äußerst ungelegen. Der DFB möchte die Reform möglichst vor einer Vereinigung über die Bühne bringen. Doch wie viele andere wird auch Neuberger von der Geschichte einfach überrollt. Obgleich selbst nach der Eingliederung der Ostteams die Bundesliga in der Saison 93/94 immer noch auf 16 Vereine verkleinert werden soll. Doch die Euphorie um den WM-Sieg 1990, die Inszenierung der Bundesliga im Privatfernsehen und die Modernisierung der Stadien sorgt Anfang der 90-er für einen Umschwung. Schon 93/94 liegt der Schnitt bei 27.000 Zuschauern. Der Plan der Reduzierung wird still und leise beerdigt.
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      War der Calmund damals schon Leverkusens Manager oder allgemein Spielervermittler? Kann doch wohl nicht sein das er im Osten rumgeistert um für seinen Arbeitgeber Spieler zu verpflichten - und dann Bundesligakonkurrenten die besten Spieler anbietet?! :hmm:
      "Man ist nicht zu betrunken, solange man auf dem Boden liegen kann, ohne sich festzuhalten." (Finnisches Sprichwort)
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      Calmund war ab 1988 Manager in Leverkusen. Seit 76 in anderen Funktionen (Jugendleiter und Stadionsprecher).
      "Die großen Trainer haben schließlich alle gesoffen: Weisweiler, Happel, Zebec.
      Und ich gehöre ja auch zu den Großen." (Udo Lattek)
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      Gestern vor 101 Jahren vereinen sich in Oldenburg die Vereine FC Oldenburg und FV Germania zum VfB Oldenburg. Schon ein Jahr später kauft der Verein die Radrennbahn an der Donnerschweer Straße als eigenes Stadion.

      Nach dem Krieg sind die Oldenburger eine typische Fahrstuhlmannschaft in der Oberliga Nord. Immerhin reicht es bei der Einführung der Bundesliga für die zweitklassige Regionalliga Nord, wo sich die Blau-Weißen meist im tabellarischen Niemandsland aufhalten. Die Oldenburger steigen aber ausgerechnet 1970/71 ab, als die Spielzeiten bereits als Qualifikation für die neue 2. Bundesliga Nord gezählt werden. Statt Oldenburg sicher sich Olympia Wilhelmshaven die Zweitklassigkeit.

      In der Amateur-Oberliga Nord geht der VfB Oldenburg als Tabellenführer ins Ziel. Während der Zweite Arminia Hannover eine schwere Gruppe in der Aufstiegsrunde mit Bayer Leverkusen und Union Solingen erwischt, geht Oldenburg gegen Westfalia Herne und den krassen Außenseiter Spandauer SV ins Rennen. Die Oldenburger spielen gegen die Berliner aber so aufreizend schlecht, das die Fans und die lokale Presse vermuten, die Spieler hätten absichtlich verloren, weil die 2. Bundesliga mehr Aufwand für sie bedeute. Was in einer Zeit, in der viele Spieler noch einem Beruf nachgehen, tatsächlich ein Problem sein konnte. Das Spiel geht als „Schande von Spandau“ in die Oldenburger Vereinsgeschichte ein. Der Spandauer SV hingegen kommt so zur Ehre des Aufstiegs und sofortigen Wiederabstiegs als schlechtester Zweitligist aller Zeiten mit einem Torverhältnis von 33-115.

      1980 macht der VfB die Scharte wett. Aber da die Staffeln der 2.Bundesliga im Folgejahr zusammengelegt werden, steigt der VfB gleich direkt wieder ab. Immerhin spielt man in jener Zweitliga-Saison mal gegen den mächtigen Nachbarn Werder Bremen.

      1990 mit dem Duo Rudi Assauer und Wolfgang Sidka dann der nächste Versuch: Und diesmal geschieht fast das Unglaubliche: Im Jahr 1991/92 spielt die 2. Liga nach der Wiedervereinigung in zwei Staffeln mit je 12 Mannschaften mit einer Meisterrunde der besten jeweils sechs Teams in Nord und Süd am Ende der Saison. Und Oldenburg scheitert im Norden nur mit einem Punkt am späteren Aufsteiger Uerdingen, lässt aber Hertha, Hannover 96, Eintracht Braunschweig und St. Pauli hinter sich. Vom Beinahe-Bundesligisten geht es dann folgend rasant bergab bis zur Insolvenz im Jahr 2000. Heute ist der VfB Oldenburg wieder da, wo er meistens war: Im Niemandsland des norddeutschen Fußballs.
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