Beiträge von matz

    Platz 24. Wiesbaden (278.609 Einwohner)


    1. SV Wehen Wiesbaden (3.Liga/3)


    2. FV Biebrich 02 (VL/6)


    3. FC 1934 Bierstadt (GL/7)


    4. SV Wiesbaden (GL/7)


    5. FSV Hellas Schierstein (GL/7)


    Wiesbaden ist eine Beamtenstadt (und war einst mondäner Kurort), nicht erst seit es zur hessischen Landeshauptstadt deklariert wurde, sondern schon 1806 als Hauptstadt des Herzogtums Nassau. Beamtenstädte sind meist kein so guter Nährboden für den Fußball, also eigentlich kein Wunder, dass der erfolgreichste Verein der Stadt zugewandert ist. Eine solche Konstellation findet sich sonst nur in Leipzig, wenn auch beide Fälle kaum vergleichbar sind. Im Grunde ist der SV Wehen 1926 Taunusstein auch gar nicht zugezogen, sondern nur der als GmbH ausgegliederte Fußballbetrieb unter dem Namen SV Wehen 1926 Wiesbaden.


    Die Wehener fielen bis 1979 fußballerisch kaum auf, spielten zehn Kilometer entfernt von der Landeshauptstadt im Untertaunus passenderweise nur unterklassig. Dies änderte sich, als der örtliche Unternehmer Heinz Hankammer die Geschicke des Vereins (und die Finanzen) übernahm. Es dauerte aber noch bis 1989, bis der SVW in der Oberliga Hessen auftauchte. 1996 standen die Wehener als Regionalligist endgültig im Rampenlicht. Mit der Annäherung an den Profifußball und den Aufstieg in die 2. Bundesliga wurde 2007 der Umzug nach Wiesbaden fällig, da der Halberg in Wehen infrastrukturell keine Voraussetzungen für Profifußball bot. Pläne dort ein zweitligataugliches Stadion zu bauen, wurden schnell verworfen. Stattdessen entstand in Rekordzeit eine Arena in Wiesbaden.


    Ähnlich wie in Leipzig bei RB begünstigte den Umzug der Wehener die Tatsache, dass der Verein in Wiesbaden auf eine fußballerische Diaspora traf, in der die eigentlichen Traditionsvereine der Stadt allesamt am Boden lagen. Anders als in Leipzig merkt man aber den Zuschauerzahlen des SVWW auch heute noch an, dass Wiesbaden nicht gerade vor Fußballbegeisterung kocht. Obgleich die Wehen-Wiesbadener mit mittlerweile drei Spielzeiten in der 2. Bundesliga und elf Spielzeiten in der 3. Liga die Landeshauptstädter fußballerisch weitaus mehr verwöhnten als es die einheimischen Vereine je zuwege gebracht haben. In der ewigen Tabelle der 3. Liga ist der SVWW sogar die Nummer eins.


    Als eigentlicher Traditionsverein Wiesbadens gilt der in den nassauischen Farben Orange-Blau antretende SV Wiesbaden 1899. Dieser entstand 1899 innerhalb der Wiesbadener Turngesellschaft und machte sich im Streit 1904 selbständig. In der Anfangszeit spielten die Wiesbadener in einer Art Stadtmeisterschaft gegen den 1. Wiesbadener FC 1900, den Wiesbadener FC Kickers und den langjährigen Konkurrenten Germania 1903. Drei Mal reichte es für die Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft. Nach 1933 noch zu sechs Spielzeiten in der Gauliga Südwest. Trotz der wohlhabenden Bevölkerung und des Geldadels in der Stadt Wiesbaden konnte der SVW aber nie mit anderen süddeutschen Clubs mithalten. Auch Versprechungen auf Verwaltungsjobs und andere Angebote hart an der Grenze der gültigen Regularien halfen nach dem Krieg nicht, den SV in die Oberliga Süd zu hieven. Stattdessen spielte der SV zweitklassig und ab 1962 sogar nur noch drittklassig.


    1967 schafften es die Wiesbadener dann für eine Saison in die Regionalliga Süd, ebenso erfolglos aber wie im Jahr zuvor der Lokalrivale Germania stiegen die Orange-Blauen direkt wieder ab. In der Folgezeit wechselten beim SV Wiesbaden bis Mitte der 80er Jahre Spielzeiten in der Oberliga und der Landesliga. Von 1986 bis 1994 schien man sich dann im hessischen Oberhaus etablieren zu können. Mit Schwarzgeldzahlungen, einem dubiosen Investor und Schuldenbergen schlitterte der SVW stattdessen schnurstracks in den Untergang, der in einem Neubeginn in der untersten Klasse endete. Seither kämpfte sich der Verein mehrfach zurück, geriet aber immer wieder an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Das Gastspiel von 2013 bis 2016 in der Oberliga beendete der Rückzug des Sponsors.


    Noch weniger erfolgreich spielte der FC Germania. Die „Waldsträßler“, 1903 gegründet, waren meist nur die Nummer Zwei und fusionierten als FV Germania 1930 mit dem SV Wiesbaden. 1945 wurde der Verein neu gegründet, diesmal als SG Germania und als Nachfolger des SC Waldstraße, der sich schon 1934 aus der Fusion mit dem SV abgespalten hatte. 1961 war man wieder auf Augenhöhe mit dem SV Wiesbaden angelangt und mit dem Aufstieg in die Regionalliga Süd 1966 zog die Germania sogar für eine Saison am ewigen Rivalen vorbei. Den Abstieg verwand man hingegen nicht. 1970-73 waren die letzten Jahre in der Hessenliga für die Germania. Heute spielt der Club in der Kreisliga A, dominiert dort aber immerhin die Tabelle.


    Der dritte Verein im Reigen der Traditionsclubs stammt nicht aus dem Zentrum Wiesbadens, sondern aus dem am Rhein gelegenen Stadtteil Biebrich, der sich nach dem 1. Weltkrieg als noch eigenständige Stadt Biebrich am Rhein 1926 aus finanziellen Gründen der Stadt Wiesbaden angeschlossen hatte. Der Fußball-Verein Biebrich 02 war vor dem zweiten Weltkrieg aber nur kurzfristig erstklassig. Ab 1957 (bis 1968) waren die Biebricher (u.a. mit Jürgen Grabowski) auf dem nach einer Zementfabrik benannten Dyckerhoff-Sportfeld eine feste Größe im hessischen Amateuroberhaus. Zu den Wiesbadener Derbys kamen bis zu 10.000 Zuschauer. Danach steckte der FV nur noch in den unteren Spielklassen fest, ist heute aber die Nummer Zwei in Wiesbaden.


    Auf ganz eigene Weise zugewandert ist die Kasteler Fussballvereinigung 06 aus Mainz-Kastel. Dank AKK gehören die Mainzer nämlich zu Wiesbaden. Mit AKK ist nicht Annegret Kramp-Karrenbauer gemeint, sondern das Kürzel steht für die rechtsrheinischen Mainzer Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel, die 1945 zu Wiesbaden zugeschlagen wurden. Das entsprach der Grenzziehung zwischen der französischen und der amerikanischen Besatzungszone. Nach dieser fielen die Mainzer Gebiete rechts des Rheins in die US-Zone und damit nach Hessen. AKK kamen zu Wiesbaden, behielten aber den Namen Mainz bei. Die Fvgg war schon 1930 kurzzeitig erstklassig. Später schaffte man es immer wieder mal in die Oberliga Hessen. 1974/75 etwa oder 1979-83. Danach folgte direkt ein Beinahe-Konkurs. Für das hessische Oberhaus reichte es in der Folge nicht mehr, aber immerhin seit 2020 wieder für die Gruppenliga, allerdings gegenwärtig hinter dem Vorortverein FC Bierstadt 34 und dem 1968 gegründeten griechischen Migrantenclub Hellas Schierstein. Weitgehend verschwunden hingegen ist die Spielvereinigung Nassau Wiesbaden 1914. Der Club mit dem schönen Namen schickte sich 1953/54 kurzzeitig an, zur dritten Kraft in der Kurstadt zu werden, fiel danach aber bis in die Kreisliga zurück und musste sich 2016 dem SC Mesopotamia anschließen. Seither heißt der Verein (in der Kreisoberliga) ernsthaft SC Meso-Nassau.


    Wunsch: Der SV Wiesbaden steigt in die Verbandsliga auf.

    und kevin kühnert hatte keine Maske auf. Skandal

    Der geht zu TeBe?

    Fragtemich so ein jungscher Ordner nach dem Spielstand und weist mich darauf hin, dass ich Maske tragen soll. Schaue mich um. 1500 Menschen. Keiner trägt Maske. Er schaut auch: "Da habe ich wohl was verwechselt."

    Dann hat ihm sein Kollege wohl erklärt, dass es nur für den Gang zur Bierbude oder Toilette gilt. Worauf er dann jeden ermahnte, der erste war Kühnert. (Wenn ich mich recht erinnere, war der mal Aufsichtsrat bei TeBe.). Irgendwann war der Ordner weg, vermutlich wegen sinnlosem Übereifer in den Innendienst versetzt.

    Platz 25. Mönchengladbach (259.665 Einwohner)


    1. Borussia VfL 1900 Mönchengladbach (BL/1)


    2. 1.FC Mönchengladbach (OL/5)


    3. DJK/VfL Giesenkirchen (LL/6)


    4. Mönchengladbacher SV 1910 (BL/7)


    5. Spvgg 05/07 Odenkirchen (BL/7)



    Dass Vereine hin und wieder ihren Namen wechseln, ist nicht ungewöhnlich. Dass Städte ihren Namen ständig wechseln eher schon. So geschehen in Mönchengladbach. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts befand man sich in relativ vielen verschiedenen Schreibweisen in Gladbach. 1888 wurde Gladbach in München-Gladbach umbenannt, um Verwechslungen mit Bergisch Gladbach auszuschließen. Neuer Namensgeber waren die seit dem Mittelalter dort siedelnden Mönche. 1921 kamen u.a. Neuwerk und Rheindahlen hinzu, so dass München-Gladbach Großstadt wurde. In Schriftform wurde meist die Bezeichnung M.Gladbach verwendet.1929 wurde die Stadt mit Rheydt zusammengelegt und hieß fortan Gladbach-Rheydt, aber nur für vier Jahre, denn mit der Machübernahme der Nazis entschied deren Propagandaminister als gebürtiger Rheydter, dass der Zusammenschluss rückgängig zu machen sei.


    Bis 1960 hieß die Stadt dann München Gladbach ohne Bindestrich, dann, um Verwechslungen mit München auszuschließen, Mönchengladbach. 1975 wurde Rheydt, sehr zum Unwillen der Rheydter, wieder einverleibt, diesmal aber ohne in den Stadtnamen aufgenommen zu werden. Immerhin behielten die Rheydter ihren Hauptbahnhof, weshalb Mönchengladbach als einzige deutsche Stadt mit zwei Hauptbahnhöfen gilt. Im Grunde könnten sie einen Bahnhof abgeben. Nach Reykjavik, der größten europäischen Stadt ohne Bahnhof oder Herten, der größten deutschen Stadt ohne Bahnhof.


    Weniger abwechslungsreich als die Namensgeschichte ist die Fußballgeschichte der Stadt. Hier dominiert die Borussia. 1899 gegründet von Spielern, die den Turnverein Germania verlassen hatten. Ab 1900 gibt es offiziell den Fußballklub Borussia 1900. 1910 wird die Borussia 1900 M.Gladbach ins Vereinsregister eingetragen, 1912 erreichen die Borussen erstmals das Endspiel um die Westdeutsche Fußballmeisterschaft, verlieren aber ausgerechnet gegen den Kölner BC 01, dem Vorläufer der Geißböcke. 1920 erfolgt die Revanche (kurzfristig als VfTuR 1889 M.Gladbach nach Fusion mit dem Turnverein Germania 1889). 1921, nach der erneuten Trennung, entsteht der Borussia VfL 1900 M. Gladbach, der allerdings zunächst keine größeren Erfolge mehr verzeichnen kann.


    1949/50 sind die Borussen aber in der neuen II Division West mit an Bord. Danach langt es zu elf, meist mittelmäßigen, Spielzeiten in der Oberliga West. Mit Hennes Weisweiler als Trainer beginnt der Aufstieg der Elf vom Niederrhein. Er übernimmt die Mannschaft gegen Ende der ersten Regionalliga-Saison 1963/64 und führt sie in der Folgesaison in die Bundesliga. Fünf Meisterschaften verbuchen die Fohlen (1969-71 und 1974-77) im Zweikampf mit den Bayern. Als Gegenpart zu den Münchenern erreichen die Borussen bundesweit hohe Sympathiewerte, von denen sie noch Jahre später zehren. Zahlreiche legendäre Spiele vor allem im Europapokal und im DFB-Pokal prägen die Ära mit zwei UEFA-Cup-Siegen. Ab 1978 versinkt der Verein aber zunehmend im Mittelmaß, Mitte der 90er Jahre beginnt der zwischenzeitliche Niedergang. 1999 und 2007 steigen die Fohlen zwei Mal ab. Ein weiterer Abstieg kann 2011 in der Relegation gerade noch abgewendet werden. Seither haben sich die Borussen wieder zum erweiterten Spitzenkreis der Bundesliga hochgearbeitet.


    Vor den Borussen sind in Mönchengladbach aber schon andere Fußballer auf dem Platz. Der Sportlehrer H. C. Heesch gründet 1894 den Mönchengladbacher FC 94. Von sich behauptet der Verein, bzw. dessen Nachfolger, der 1. FC Mönchengladbach, 1909 per Gerichtsurteil die Steuerfreiheit von Sportveranstaltungen erwirkt zu haben. Im selben Jahr gewinnt der Verein die Westdeutsche Fußballmeisterschaft. Nach dem 1. Weltkrieg erfolgt die Umbenennung in Sportclub 1894 München-Gladbach. In der Rheingauliga misst man sich mit den Borussen, Eintracht München-Gladbach, dem SV Odenkirchen 07 und dem benachbarten Rheydter SV. Noch 1932 hat der SC die Nase vorn, steigt aber ausgerechnet vor der Einführung der Gauligen (und einer kurzen Zwangsfusion mit der Borussia) ab. Weder vor dem Krieg noch in der Nachkriegszeit kehrt der SC in die Erstklassigkeit zurück und fusioniert 1950 mit dem weniger erfolgreichen FC Eintracht München-Gladbach 1901 zum heutigen 1. FC Mönchengladbach. Sportlich geht es auch nach der Fusion nicht mehr bergauf, meistens spielt der 1.FC in der Landesliga mit gelegentlichen Abstiegen. 2015 gelingt der Aufstieg in die Oberliga, für die man sich als zu schwach erweist, wie auch beim erneuten Aufstieg 2020, diesmal rettet aber Corona den Club.


    Der letzte einheimische Club, der sich vor den Fohlen platzieren konnte, nimmt das heutige Stadtgebiet als Grundlage, ist der Rheydter Spielverein, im Volksmund auch „Spö“ genannt. Der RSV löst sich 1905 aus dem Rheydter Turnverein heraus, in dem das Fußballspiel verpönt war. Bis Mitte der 20er Jahre behaupten sich die Rheydter noch gegenüber den Gladbacher Clubs, spielen zweimal in der Endrunde um die Westdeutsche Meisterschaft. Anfang der 30er Jahre hat man mit dem SC Viktoria 04 Rheydt aus dem Stadtteil Pongs kurzfristig einen erstklassigen lokalen Rivalen (heute Kreisliga A). In der Gauliga nach 1933 hält sich „Spö“ aber nur zwei Jahre. Nach dem Krieg spielt der RSV 1950-52 und 1953/54 (unter Hennes Weisweiler) in der Oberliga West, danach immerhin bis zu den 60er Jahren noch zweitklassig, rutscht in der Folge mit jeder Ligenreform aber tiefer. Einen letzten Höhenflug erlebt der Verein im Jahnstadion Mitte der 80er Jahre in der Oberliga Nordrhein. 1990 scheitert der RSV im Kampf um den Aufstieg in die 2. Bundesliga knapp am Wuppertaler SV. Im Jahr 2000 stirbt der Förderer des Vereins beim Concorde-Absturz. 2002 muss der RSV Insolvenz beantragen und verliert nach 16 Jahren seinen Oberliga-Platz. Danach wird in Rheydt nur noch unterklassig gespielt. Tiefpunkt aktuell ist der Abgang des Trainers und eines Teils der Mannschaft vor Saisonbeginn und der damit verbundene Rückzug in die Kreisliga A.


    So reihen sich heute in den Top 5 andere Vereine ein. Der DJK/VfL Giesenkirchen, eine Fusion (1981) aus dem ehemaligen VFL Schwarz-Weiß Giesenkirchen (vier Jahre in der höchsten Amateurliga) und dem DJK TuRa 05/07 Giesenkirchen, der meist unterklassig spielende Mönchengladbacher Sportverein 1910 und die Sportvereinigung 05/07 Odenkirchen, deren beste Zeit in der Erstklassigkeit in den 1920/30er Jahren lag, als man in Odenkirchen noch mit der Borussia mithalten konnte.


    Wunsch: Der Rheydter SV kehrt in die Bezirksliga zurück.


    Als der Rheydter SV noch auf die 2. Bundesliga hoffte.



    Heißt das, das die Fortuna seinerzeit ihre komplette Geschichte und Identität über Bord geworfen hat um eine neue Eintracht zu werden? Irgendwie widerlich.

    ich würd das als im weiteren – nicht formaljuristischen – Rahmen als Namensrechtsübernahme und Versuch der Tradition sehen; irgendwer muss das Stadion doch bespielen :pardon: .

    hat Fortuna irgendwann höherklassig gespielt auf einem anderen eigenen Platz ?

    Die spielten früher an der Almastraße auf einem Schotterplatz, der in der zeitgenössischen Presse als schlimmster Platz Deutschlands bezeichnet wurde. Kurz ging es mal in die Landesliga hoch, meist war es aber die Bezirks- oder Kreisliga. In den 80ern ist wohl man ins leerstehende Südstadion umgezogen.

    war eigentlich kein Scherz, sein Ärger, dass sich Impfskeptiker hier im Forum trotzdem haben impfen lassen, ist wirklich der letzte Beitrag , an den ich mich erinnere.