Spieler beenden Streik und erhalten die offenen Gehälter / Dietmar Hopps Darlehen damit allerdings aufgebraucht
SV Waldhof: Der Ball rollt wieder
Von unserem Mitarbeiter Roland Bode
Mannheim. Das atmosphärische Gesamtbild glich einer perfekten Inszenierung. Genau in dem Moment, als sich gestern Vormittag erster Sonnenschein den Weg durch den tristen Morgenhimmel bahnte, gab es wieder Licht und Hoffnung für die Regionalliga-Kicker des SV Waldhof. Um 10.24 Uhr war der zweitägige Spielerstreik beendet. Da öffnete sich die Kabinentür. Angeführt von Kapitän Christof Babatz ging es daran, die Vorbereitung auf Teil zwei der Saison fortzusetzen.
Diese hatten die Blau-Schwarzen am Dienstag unterbrochen. Offene Gehälter aus den Monaten Dezember und Januar sowie fehlende 20 Prozent vom November waren der Anlass. "Alle Bezüge können im Laufe des Tages überwiesen werden", war nicht nur Geschäftsführer Andreas Laib die Erleichterung sichtlich ins Gesicht geschrieben, nachdem Mäzen Dietmar Hopp die auf einem Treuhänderkonto noch verblieben 220 000 Euro aus seinem Darlehen im Dezember sofort freigegeben hatte.
Präsidiumsmitglied Gerhard Schall stellte indes klar: "Streik und Gespräch mit Dietmar Hopp stehen in keinerlei Zusammenhang." Am Vorabend hatte es telefonischen Kontakt gegeben, um die Gesamtsituation zu erörtern. Schall: "Wir hatten uns terminlich so vereinbart. In Sachen Sanierung haben wir dann erste Ergebnisse vorgelegt. Dies war entscheidend, dass Herr Hopp die 220 000 Euro sofort freigegeben hat. Nicht der Druck der Spieler. Den Kurzstreik haken wir ab, ohne es überzubewerten. Auf uns warten andere wichtige Baustellen. Die Mannschaft hat selbst erklärt, dass sie das Ausmaß der Schlagzeilen nicht gewollt hat". Dass sämtliche Zahlungen getätigt werden können, erklärt Laib auch damit, "dass in den letzten Tagen einige fällige Beträge von Sponsoren eingegangen sind."
Allerdings ist das 500 000-Euro-Darlehen, das Hopp vergangenes Jahr gegeben hat, nun aufgebraucht. Wie geht es weiter? "Wir bleiben in Kontakt, müssen aber sehr viel arbeiten", sagte Schall. In Bezug auf ein darüber hinaus gehendes Engagement meinte Dietmar Hopp zu dieser Zeitung: "Da gilt es abzuwarten, bis der Nebel sich lichtet."
Eine Absage erteilte Schall dem am Vortag geäußerten Wunsch der Spieler, Ex-Berater Rüdiger Lamm an den Alsenweg zurückzuholen: "Menschlich sind wir hervorragend klargekommen. Seine professionellen Marketingqualitäten sind uns bekannt. In das Gesamtkonzept passt er aber nicht mehr."
In der kommenden Woche will sich der Verein in einer Pressekonferenz zu Details der begonnenen Sanierung äußern. Inhalte sollen unter anderem der Stand der laufenden Wirtschaftsprüfung und die künftigen Spielerbezüge sein. Zwar hatten laut Präsidiumskollege Rainer Spagerer alle Akteure bisher mündlich ihren künftigen Verzicht von 20 Prozent erklärt. Unklar bleibt, ob die vertragsrechtlich nötigen Unterschriften inzwischen komplett erfolgt sind: "Der Form wegen sind wir es unseren Sponsoren in dieser Situation schuldig, sie zuerst zu informieren", erklärt Schall. Am Montag soll dies beim monatlichen Treffen des Business-Clubs geschehen. Was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft betrifft, ist inzwischen klar, dass die Präsidiumsmannschaft aus der Zeit von Ex-Präsident Hans Regelein hiervon nicht betroffen ist.
Quelle: Mannheimer Morgen - 06. Februar 2009