Der Entschluss reifte schon am Sonntagabend auf der Rückfahrt vom Altona-Spiel. 0:4 hatte der Brinkumer SV in Hamburg soeben in der Fußball-Oberliga verloren. "Sang- und klanglos, das war total deprimierend", wie Uwe Reinders sagt.
Drei Nächte schlief der Ex-Nationalspieler noch über die Entscheidung, gestern morgen um 10 Uhr präsentierte er sie dann seinen engen Vertrauten Dieter Burdenski und Christian Kudla: Uwe Reinders - und mit ihm Co-Trainer Dirk Lellek - sind von ihren Ämtern zurückgetreten."Man muss nach 15 Spieltagen doch nur auf die Tabelle schauen... Da war doch klar, dass was passieren musste", begründete Reinders seinen Schritt gestern. Er selbst habe alles versucht: Drei Torhüter setzte Reinders ein, spielte mal mit Libero und zwei Manndeckern, dann wieder mit Dreierkette, zuletzt mit Viererkette. Vorne probierte es der Trainer mit einem, dann mit zweien, einmal sogar mit drei Stürmern - alles ohne Erfolg. Punktgleich mit dem Tabellenletzten TSV Kropp und gehörigem Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze dümpelt Brinkum auf dem vorletzten Tabellenplatz. "Vielleicht ist das ja jetzt der Punkt, an dem endlich jeder Spieler merkt, dass er in der Pflicht ist. Vielleicht wacht ja nun der eine oder andere auf", hofft Reinders auf eine Art Signalwirkung. Eine Signalwirkung, die andere Entscheidungen wie das Aussortieren diverser Spieler (Lars Behrens, Björn Wnuck) nicht gehabt haben. Nun also zieht der Trainer die Konsequenz.Einen Schritt, den Manager Christian Kudla wie folgt kommentiert: "Die nächsten zwei Spiele sind Weg weisend, und deshalb habe ich Hochachtung und Respekt vor dieser Entscheidung des Trainers. In dieser wichtigen Phase den Hut zu nehmen, um für die Mannschaft ein Zeichen zu setzen, das ist eine sagenhafte Geste." Erklärtes Ziel des Brinkumer SV bleibt es nämlich, die Oberliga zu halten. Das versucht der Klub auf eher unorthodoxe Weise. Denn anstatt (als Schnellschuss) einen neuen Trainer zu präsentieren, soll zunächst eine mannschaftsinterne Lösung gefunden werden. Obwohl Kudla erst das Training gestern Abend abwarten und deshalb zur Trainerfrage nichts weiter sagen wollte, dürfte klar sein, dass eine Konstellation Spielertrainer oder Spielertrainer-Tandem eine sehr naheliegende ist. Mit Morad Bounoua und Lars Unger stünden zwei Bundesliga erfahrene Ex-Profis bereit. "Ich möchte dazu zum jetzigen Zeitpunkt aber nur ungern etwas sagen", meinte Unger, der sich und seine Teamkollegen zwar in der Pflicht sieht, aber auch sagt: "Ganz ehrlich: So wie wir uns Woche für Woche selbst die Dinger reinlegen, fällt mir dazu nicht wirklich viel ein."Keine Option ist offenbar der ebenfalls höherklassig erfahrene Michael Müller, der seit eineinhalb Jahren zu den Brinkumer Führungsspielern gehört - Müller wurde vor kurzem von Reinders aussortiert, zählte beim Altona-Spiel schon nicht mehr zum Kader. Ob Müller unter den neuen Voraussetzungen ins Team zurückkehrt, stand gestern noch nicht fest. "Ich will dazu jetzt nichts sagen", so Müller.Und: Was bleibt nach gut einem halben Jahr Uwe Reinders in Brinkum? War Reinders, der Ex-Profi, der falsche Mann beim kleinen Amateurklub vor den Toren Bremens? "Ich möchte da nicht nachkarten", sagt Reinders, "aber es ist schon so, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, wenn man jahrelang als Profi gearbeitet hat und dann in diese Amateurklasse kommt."
Konsequent gehandelt
Einen Vorwurf kann man Uwe Reinders ganz bestimmt nicht machen, nämlich den, nicht alles versucht zu haben. Uwe Reinders hat als Trainer des Brinkumer SV sämtliche Register gezogen: Er hat die Mannschaft umgestellt, er hat die Taktik geändert, er hat gelobt und getadelt. Kurz: Uwe Reinders hat alles versucht - und nichts erreicht.
Hat er zuviel versucht? Gut möglich. Sicher ist auf jeden Fall, dass Reinders bei den vielen Entscheidungen nicht immer ein glückliches Händchen hatte, speziell im personellen Bereich. Stichwort Torwartfrage, Stichwort Ein- und Auswechselungen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Für das Ergebnis, den vorletzten Tabellenplatz, hat die Mannschaft mit zum Teil Haar sträubenden Fehlern gesorgt. Eine Mannschaft, die selten Oberligaformat nachgewiesen hat.
Für die magere Bilanz von zwei Siegen aus 15 Spielen ist aber auch der Trainer mitverantwortlich: Er hat die Mannschaft maßgeblich zusammengestellt und für oberligatauglich gehalten. Wie sich jetzt zeigt, offenbar eine Fehleinschätzung. Ob der Rücktritt nun tatsächlich Signalwirkung auf die Mannschaft hat und eine "sagenhafte Geste" ist, wie Manager Christian Kudla herausstreicht, sei mal dahin gestellt. Eines ist der Rücktritt auf jeden Fall: konsequent.