81 deutsche Großstädte und ihre Top-Vereine

  • Ich war damals auch zum Rückspiel in Ulm. Zum Pflichtprogramm beim Besuch in Ulm gehört die Besteigung des Turms des Münsters. Bestes Konditionstraining. :lachen:

    Ulm liegt im Donautal. Es ist quasi "unsichtbar", nur der Turm spitzt aus dem Tal heraus und ist von der Autobahn aus zu sehen.

    Das Schicksal des SSV ist irgendwie symptomatisch. Hoch hinaus und dann abgestürzt.Mit Glück und "Satzungstrick" überlebt und inzwischen in einer angemessen Liga angekommen.

  • Mit Glück und "Satzungstrick" überlebt...

    ...was man in Gütersloh gut kennt. Mich würde mal interessieren, ob diese Satzungslücke(n) mittlerweile geschlossen wurden.

    In Westfalen hatte 2000 auch STV Horst-Emscher kurzfristig durch einen solchen Trick überlebt. Diese Satzungslücke wurde aber geschlossen, so viel ich weiß.

  • In Ulm hatte man die 1.Mannschaft aufgelöst, aber die 2. hatte ihren Startplatz in der Verbandsliga, die dann einfach zur 1. wurde. Das war laut Satzung legal, aber schon etwas trickig.

    Wenn es um Zwangsabstiege/freiwillige Rückzüge, Insolvenzen und Neuanfänge/Neugründungen von Nachfolgevereinen geht, oder die Rettung des Breiten- und Jugendsports oder des Gesamtvereins bei Pleite der "Profis", hängt ein Rattenschwanz an Problemen dran. Da muss man im Einzelfall gucken und es hängt auch vom Verband ab, was er zulässt bzw. wo er Schlupflöcher" lässt oder "ein Auge zudrückt".Was mich sehr ärgert, ist wenn ein Verein den Bach runter geht bis zur Liquidation, aber man durch "Ausgliederung" einer Abteilung oder sogar Neugründung eines Nachfolgevereins das Spielrecht mitnimmt statt korrekt ganz unten anfangen zu müssen. Da haben die Landesverbände wohl auch unterschiedliche Regelungen.

    In Berlin musste Tasmania unten neu starten, in Bayern der FV Würzburg.

    Apropos: Würzburg ist Nr.60 auf der Großstadtliste.



  • Es hängt halt immer an den Verbänden, die solche Winkelzüge zulassen. Nicht wahr, Sachsen?

    Neben den aus Österreich Zugezogenen war das "von Oben" gegründete Inter Leipzig und das Spielrecht vom ca. 200 km entfernten Niesky ein besonders krasses Beispiel für Verbandsgemauschel.

  • Es hängt halt immer an den Verbänden, die solche Winkelzüge zulassen. Nicht wahr, Sachsen?

    Neben den aus Österreich Zugezogenen war das "von Oben" gegründete Inter Leipzig und das Spielrecht vom ca. 200 km entfernten Niesky ein besonders krasses Beispiel für Verbandsgemauschel.

    Genau das meine ich. Aber solange ein Verband sowas zulässt...

  • Platz 60: Würzburg (Einwohner 127.934 Einwohner)


    1. Würzburger Kickers (2.BL/2)


    2. Würzburger FV (OL/5)


    3. TSV Lengfeld 1876 (LL/6)


    4. SV Heidingsfeld (KL/8)


    5. ETSV Würzburg (KL/8)


    Nach drei baden-württembergischen Großstädten nun zwei fränkische. Den Anfang macht Würzburg, das bereits 1932 erstmals die Schwelle zur Großstadt überschritt. Für die aktuelle Rivalität in der Stadt ist das Jahr 2012 ausschlaggebend. Die RL Bayern ging in ihre erste Saison. Qualifiziert waren die sechs bayerischen Teams aus der Regionalliga Süd, die neun besten Clubs der Bayernliga und zwei Vereine aus anderen Oberligen. Die restlichen Plätze spielten die Vereine aus, die in der Bayernliga Platz 10 bis 15 belegten oder Platz 1 und 2 in den Landesligen.


    Der Würzburger FV ging als 12. der Bayernliga in die Qualifikation. Die erste Runde gegen die Spvgg Selbitz verlief mühelos. Die Finalspiele gegen den SV Heimstetten jedoch gingen wegen der Auswärtstorregel verloren. Seither dümpelt der FV in der Bayernliga rum.


    Die Würzburger Kickers als Landesliga-Qualifikant hingegen hatten in der ersten Runde ein Freilos, weil Erlangen-Bruck verzichtete. Im Finale gegen Aichach marschierten die Kickers dann zum Doppelaufstieg von der Landesliga in die Regionalliga. Seither gehen die Wege der Würzburger Vereine weit auseinander.


    Der 1. Würzburger Fußballverein 1904 spielte nach dem Krieg zumeist auf höchster bayerischer Amateurebene. Das änderte sich 1976. Der Bayernmeister Wacker München verzichtete auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd, der Zweite FV Würzburg 04 rückte nach (vor dem Dritten, den Würzburger Kickers). Altstar Lothar Emmerich traf 24-mal für den FV in der Debütsaison, in der rund 6.500 Zuschauer pro Spiel kamen. In der Folgesaison spielten beide Würzburger Clubs zweitklassig, der Höhepunkt des Würzburger Nachkriegsfußballs. Für die Kickers ging es allerdings sofort wieder runter, den FV traf es nach dem Abstieg 1980 noch schlimmer. Nach Insolvenz wurde der Verein 1981 aufgelöst. Der Nachfolgeverein Würzburger FV begann in der untersten Klasse. Höher als die Bayernliga kam der WFV nie mehr.


    Der bürgerliche Rivale, die Würzburger Kickers, war in den 70ern Stammgast in der Bayernliga, ab 1983 sogar fast durchgehend nur Landesligist. Nach dem Doppelaufstieg wurde das Projekt Dritte Liga ins Leben gerufen. Mittlerweile gelang auch durch den Einstieg des Investors Flyeralarm schon zweimal der Sprung in die zweite Bundesliga. Eine ziemliche Kehrtwende für den früher stets klammen Verein.


    Das Loch, das die Insolvenz des WFV gerissen hatte, füllte Mitte der 80er Jahre kurzfristig der SV Heidingsfeld mit drei Spielzeiten in der Bayernliga. Gegenwärtige Nummer Drei ist der TSV Lengfeld vom Stadtrand Würzburgs.


    Wunsch: Kickers und FV spielen wieder gegeneinander in der Regionalliga.

  • Ich war 2x in meinem Leben in Würzburg und an beiden Tagen sind Würzburger Vereine aufgestiegen.

    2010 gab es ein tolles 9:0 des Würzburger FV gegen Mitterteich, die Konkurrenz patzte unerwartet und hinterher gabs Freibier für gerade mal 431 Zuschauer, die an dem Tag gar nicht mit dem Aufstieg in die Bayernliga gerechnet hatten.

    Zwei Jahre später das erwähnte Finalspiel gegen Aichach, das die Kickers denkbar knapp für sich entschieden. Die Kickers hatten damals eine tolle Choreo und eine vergleichsweise ordentliche Fanszene, aber da war die Euphorie nicht ganz so groß und auch nicht mehr als 1.100 Zuschauer vor Ort, während im Parallelspiel beim WFV über 3.000 waren, weil man dort das spannendere Duell vermutete, das dann aber verloren ging.

  • der FV war in Würzburg vor der Kommerzzeit vorne in der Zuschauergunst. sportlich hatten beide immer mal wieder bessere und schlechtere Zeiten

    #22/5 5 Regional-Verbände = 5 Regional-Ligen = 5 Regional-Meister = 5 Aufsteiger

  • In einem anderen Thread hatte ich die Kickers Würzburg ja als langjährigen Zweitligisten bezeichnet, wo dann angemerkt wurde, dass sogar der SV Sandhaufen mehr Saisons in der 2.Liga gespielt hat.... Dies ist natürlich leider richtig... Ändert aber nix daran, dass mir dieser Verein sympathischer ist und es mir genau wie beim VfL Osnabrück egal ist, in welcher Liga die spielen. Okay, die Osnasen waren in in den 50ern, so glaube ich, Stammgast in der Oberliga Nord... Ist zu früh zum googeln.... Lange Rede kurzer Sinn: Ich war 2x in Würzburg. Jeweils 1x bei dem Kickers und WFV. Wobei mich die traurige Geschichte vom WFV und deren Stadion noch immer aufregt... Für die, die es nicht wissen kurz erklärt:

    Nach dem Konkurs 1981 übernahm der DJK Würzburg das Stadion an der Frankfurter Straße und lies es vergammeln, während der neugegründete WFV auf diversen Bolzplätzen kicken musste. Inzwischen ist das alte WFV Stadion bis auf die alte Tribüne komplett abgerissen und selbst die alte Holztribüne wurde modernisiert. Sehr traurig eben...

    Wieso drängt sich mir da nur der Vergleich mit Freiburg auf? :denken: :cursing:

  • Platz 59: Fürth (128.497 Einwohner)


    1. SpVgg Greuther Fürth (2. BL/2)


    2. FSV Stadeln (LL/6)


    3. ASV Vach (LL/6)


    4. SG Quelle Fürth (LL/6)


    5. TSV Burgfarrnbach (BL/7)



    Die nächste fränkische Großstadt: Fürth. Fürth kratzte seit den 50er Jahren immer wieder an der Großstadtgrenze, aber erst seit 1990 wächst die Stadt beständig.


    Fußballerisch dominiert natürlich die SpVgg Fürth (heute SpVgg Greuther Fürth) den Fußball der Stadt mit den drei deutschen Meisterschaften 1914, 1926 und 1929. Gegründet wurde die Spielvereinigung 1903 als Fußballabteilung im TV Fürth 1860. Schon drei Jahre später machten sich die Fußballer nach Unstimmigkeiten aber selbständig.


    Obgleich die SpVgg die Szenerie beherrschte, gab es in den 1920er Jahren durchaus noch lokale Konkurrenz in der erstklassigen Bezirksliga Bayern, so den VfR Fürth, der erst durch die Einführung der Gauliga 1933 aus dem Blickfeld verschwand. 1945 ging der neu gegründete VfR im neuen Allgemeinen Sportverein Fürth auf. Der ASV spielt heute in der Kreisliga. Auch der FC Fürth, wieder eine Abspaltung aus dem TV Fürth 1860, schaffte es 1926 in die Erstklassigkeit, bevor man 1930 wieder unter das Dach des TV 1860 zurückkehrte.


    Die SpVgg war nach dem Krieg bis auf eine Saison erstklassig in der Oberliga Süd, nach Gründung der Bundesliga zweitklassig in der RL Süd, der 2. Bundesliga Süd und der 2. Bundesliga. Mit 31 Spielzeiten sind die Fürther Rekord-Zweitligist. Dazwischen lag aber eine Durststrecke zwischen 1983 und 1998 in der 3. und 4. Liga. Deshalb wurde das letzte Fürther Derby auch nicht in den 1920ern Jahren, sondern 1996/97 in der RL Süd gegen die SG Quelle Fürth gespielt.


    Der TV 1860 war Ende der 60er Jahre in der Bedeutungslosigkeit der B- und C-Klasse angekommen. Öfter mussten die Betriebsfußballer des Quelle-Konzerns einspringen. Bereits 1935 hatte Gustav Schickedanz die Betriebssport-Gemeinschaft des Quelle-Konzerns, die BSG Schickedanz Fürth, gegründet, immerhin Serienmeister der bayerischen Firmenmeisterschaften. 1973 fusionierten die Betriebsfußballer mit dem TV zur SG QUELLE im TV Fürth 1860. Der Club hatte 1996 sein großes Jahr. Denn ausgerechnet zu seinem Aufstieg stieg auch noch der Club aus Nürnberg in die RL Süd ab, wo sich die SpVgg bereits befand. Beim Derby siegte die SpVgg an der Coubertinstraße vor 3500 Zuschauern mit 4:1, am Ronhof vor 7500 Zuschauern mit 3:1.


    Für die SpVgg ging es wieder zurück in die angestammte 2. Bundesliga und für eine Saison gar in die Bundesliga. Die SG Quelle schaffte noch einmal eine Saison in der Regionalliga, gegenwärtig spielt man mit den Stadtteilvereinen TSV Stadeln und ASV Vach in der Landesliga um den Platz als Nummer zwei in Fürth.


    Wunsch: Die SG Quelle spielt noch einmal Oberliga.

  • Danke für die schöne Darstellung! Und auch nicht die SpVgg "fusioniert", sondern klar erkannt, es ist der Verein von1903. Das weiß leider nicht jeder. Der Ronhof ist, wenn auch oft umgebaut und modernisiert, seit 1910 eine der ältesten Fußball-Standorte in Deutschland.


    Fürth war zu Fußball-Kinderjahren einer der Hochburgen in Deutschland. Auch deutsche Meisterschaften des Turner- Fußballs steht in den Annalen: 1920 durch den TSV (später Tuspo und heute in der SpVgg aufgegangen) und 1925 und 26 durch den MTV.

    Aber der Wunsch, die SG Quelle möge wieder hochkommen. Nein! Die gelten in Fürth als Verein der arroganten "Großkopferten" und haben keinen Rückhalt in der Stadt. Als sie mit der SpVgg in einer Liga waren, schwafelte der damalige Vorstand von "SpVgg ablösen" und "Nr 1 in der Stadt werden". Das kam gar nicht gut an und die Wege trennten sich deutlich.

    Beim ASV Fürth steht immer noch das alte Stadion samt Holztribüne. Sehenswert!

    Kurios: der Sportplatz des ASV Vach ist nicht im gleichnamigen Stadtteil, sondern auf der anderen Seite der Regnitz. Er liegt mitten im Wald. Nicht weit entfernt folgen die Sportplätze des SC Eltersdorf (Erlangen) und von Erlangen-Bruck. Quasi drei höhere Amateurvereine fast in Spaziergangentfernung.

  • Da wäre von Tradition und Ambiente der ASV Fürth ein würdiger Kandidat. Wobei das alte Stadion dann vermutlich nicht mehr zugelassen würde. Der FSV Stadeln mit seinem schmucken Sportplatz an der Schnittstelle von Wohnbebauung, Wald und Gemüsefeldern (Knoblauchsland) und auch der TSV Burgfarrnbach mit seinem kleinen Stadion (wird von der SpVgg U23 in der Regionalliga genutzt) hätten es auch mal verdient. Der ASV Vach ist eher unbeliebt und hat Rückhalt nur im Stadtteil.

    Mein Heimatverein, der SV Fürth-Poppenreuth, ist ein großer Breitensportverein, aber die Fußballer kamen nie über die Kreisebene hinaus.

  • Ich hoffe, dass ich in naher Zukunft endlich mal das Stadion mit der ältesten noch existierenden Holztribüne in Deutschland besuchen kann mit Spiel. Steht schon länger auf meiner Wunschliste... :ja2: Danke für den Tip, dass die Stadien von Vach, Eltersdorf und Erlangen-Bruck quasi "nebeneinander" liegen. Vielleicht kann man da mal einen feinen 3er basteln... :cool:

  • Danke für den Tip, dass die Stadien von Vach, Eltersdorf und Erlangen-Bruck quasi "nebeneinander" liegen. Vielleicht kann man da mal einen feinen 3er basteln...

    vielleicht geht ja sogar ein Vierer, der Platz vom ATSV liegt ja auch quasi daneben

    #22/5 5 Regional-Verbände = 5 Regional-Ligen = 5 Regional-Meister = 5 Aufsteiger

  • Platz 58: Offenbach (130.280 Einwohner)


    1. Offenbacher FC Kickers (RL/4)


    2. SG Rosenhöhe Offenbach (GL/7)


    3. VfB 1900 Offenbach (GL/7)


    4. DJK Sportverein Sparta Bürgel 1921 (KOL/8)


    5. FC Germania Bieber (KOL/8)


    Die erste hessische Großstadt: Offenbach. Die Industriestadt ist seit den frühen 1950er Jahren Großstadt.


    Fußball in Offenbach ist ohne den OFC Kickers natürlich undenkbar. Dennoch wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Offenbach acht Vereine gegründet. Die meisten gingen 1938 in der Fusion des VfR 1900 Offenbach und des SV 02 Offenbach zum VfB 1900 Offenbach auf, nachdem der Sportplatz des SV 02 am Bieberer Berg von den Nazis enteignet worden war.


    Selbst der OFC war kurzfristig in die Fusionsgeschichte verwickelt, als man 1921 mit dem VfR eine Fußball-Ehe einging, nach vier Jahren aber auch in Uneinigkeit über den Spielort wieder auseinanderging. 1952, als der VfB 1900 längst dem Niedergang geweiht war, versuchte er noch mal vergeblich beim OFC unterzuschlüpfen. Sportlich liefen sich beide Mannschaften 1944 in der Gauliga ein letztes Mal über den Weg.


    Hitzig waren bis 1933 auch die Duelle mit Germania Bieber. Die Germania war wegen ihres krawallfreudigen Publikums in Hessen gefürchtet. Allerdings gehörte Bieber damals noch nicht zu Offenbach, wurde 1938 wie Bürgel zwangseingemeindet.


    Heute steht die SG Rosenhöhe Offenbach an zweiter Stelle. Der Stadtteil Rosenhöhe beherbergt zahlreiche Offenbacher Sportanlagen, so das Waldschwimmbad, wo einst Michael Groß seine Bahnen absolvierte.


    Der OFC gehört sicherlich zu den schillerndsten Clubs in Deutschland, was die achterbahnartige Abfolge von Erfolgen, Pleiten, Pech und dem Scheitern auf der Zielgeraden betrifft: Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften zwischen 1939 und 1944. Finalniederlage 1950 gegen den VfB Stuttgart. 1959 eine Niederlage im Finale ausgerechnet gegen die Frankfurter Eintracht. 1963 bei der Einführung der Bundesliga übergangen. Fahrstuhlmannschaft zwischen 1968 und 1976 zwischen Bundesliga und Zweitklassigkeit. Mittendrin der Pokalsieg 1970. Letzter einmaliger Ausflug in die Bundesliga 1983/84. Seither pendelt der OFC zwischen 2. Bundesliga, Dritt- und Viertklassigkeit inklusive Lizenzentzüge und Insolvenzverfahren.


    Wunsch: Die Kickers kehren in die dritte Liga zurück.