81 deutsche Großstädte und ihre Top-Vereine

  • Ähem der FC Leverkusen sagt zwar, dass die nicht jeden nehmen... Aber in der Realität sieht das anders aus. Bei meinem letzten Besuch dort 2018 spielte dort fast das komplette Asylheim mit, weil die sonst keine Spieler gefunden haben. Ist nicht politisch, sondern eine Tatsache.... Und der Aschenplatz in Opladen nennt sich "Birkenberg". Dieser verfügt über rundherum Stufen und hat auch eine kleine überdachte Tribüne... Erwähnswert vielleicht noch, dass der SV Schlebusch im Jahr 1967 oder 1968 den großen Bruder Bayer 04 aus dem DFB Pokal geworfen hat, oder einem Vorläufer davon, einer Art Qualifikationsrunde oder so...


    Die Vereine aus Opladen gibts alle nicht mehr bis auf den ESV (Eisenbahner SV) Opladen. Es gab mal BV Opladen und Fortuna Opladen, die beide aufm Birkenberg gespielt haben und früher auch noch ein richtiges Stadion auf der Schusterinsel hatten. Dort findet übrigens seit einigen Jahrzehnten immer die "Bierbörse" im Sommer statt. Einer oder beide Vereine spielten auch mal in der Verbandsliga Mittelrhein und einer der beiden auch im DFB Pokal gegen den MSV Duisburg. Na wer von den MSVlern hier kann sich dran erinnern? ;) Der SV Schlebusch hat seit einigen Saisons auch sowas wie eine überdachte Tribüne mit einer oder zwei Reihen gelb-schwarzen Schalensitzen. Der Amateurfussball in Leverkusen ist allerdings so gut wie tot und Zuschauer gehen fast gar keine zu den Spielen. Allerdings gibts trotzdem kleinere Rivalitäten, so z.B. zwischen dem SSV Lützenkirchen und BV Bergischen Neukirchen und TuS 05 Quettingen. Die Vereine muss keiner kennen, spielen alle im Kreis Solingen in den Kreisligen.... Wer mit seinem Verein mal auswärts bei Bayer 04 gewesen ist und vom Bahnhof durch den Park zum Stadion gegangen ist, hat früher vielleicht einen kleinen Aschenplatz mit ein paar grasüberwachsenen Stufen bei der alten Schule gesehen? Das war der Platz vom BV Wiesdorf, der aber inzwischen gesperrt wurde. Der BV Wiesdorf trägt seine Heimspiele seitdem auf dem ausbaulosen Aschenplatz vom o.e. ESV Opladen aus. Insofern kurios, weil Wiesdorf ist ja "Leverkusen City" und Opladen eben Opladen. Wäre ungefähr so, als wenn ein Verein aus Bochum seine Heimspiele in Wattenscheid austragen würde.... Ähnlich ist es auch mit dem o.e. FC Leverkusen, da ja in Opladen spielt.


    Eine Kuriosität hast du vergessen: Die Leverkusener Vereine können sich aussuchen in welchem Kreis sie spielen wollen. Also entweder K**n oder Solingen. Und hier auch wieder Kurios: Der SC Hitdorf nimmt am Spielbetrieb im Kreis K**n teil, obwohl sie früher zu Monheim gehörten (kurzzeitig auch zu Düsseldorf glaube ich :denken: ) und somit eher eine Niederrhein Vergangenheit haben, als Mittelrhein... Zudem liegt der Stadtteil ziemlich "weit oben" im Nordwesten von Leverkusen... Somit dürften die Spiele in K**n alle weiter weg sein, als wenn sie im Kreis Solingen spielen würden. Außer dem Derby gegen den FV Rheindorf in Leverkusen. Die haben übrigens noch als einziger Verein in Leverkusen einen Rasenplatz mit paar Stufen und ebenfalls Asche, wo üblicherweise in der Kreisliga C drauf gespielt wird.


    Der VfL war ein Fusiosnverein aus den Stadtteilen Manfort und Küppersteg und je nachdem wie man es sehen will, gibts in diesen Stadtteilen seitdem keinen Verein mehr. Nachdem vor einigen Jahren die Stadtteilgrenzen in Leverkusen neu gezogen worden sind, ist das Bayer 04 Stadion jetzt nicht mehr im Stadtteil Mafort, sonden in Küppersteg. Imaginäre Grenze soll wohl der Fluss "Dhünn" sein, der am Stadion fließt.... Es heißt übrigens "Die Dhünn" und nicht "Der Dhünn"... :rofl:


    Der SV Bergfried Leverkusen kommt übrigens aus dem Stadtteil mit dem lustigen Namen "Fette Henne".... :lol: Ist aber auch nur ein Kunstrasen ohne Ausbau... Und zum Schluss gibts noch Roland Bürrig, die auch nur einen Aschenplatz ohne Ausbau besitzen.


    Insgesamt kann man sagen, dass im Leverkusener Amateurfussball wirklich nichts los ist und sich ein Besuch höchstens am Kurtekotten mit der überdachten Sitzplatztribüne und den Stufen daneben lohnt, wo die Jugend und gelegentlich die Frauen spielen. Und hier, welch Überraschung, ein weiteres Kuriosum. Denn der Platz liegt unmittelbar hinter der Leverkusener Stadtgrenze schon auf K****r Stadtgebiet.... :glotz1: :bekloppt:


    Eine große Derbygeschichte hat es in Leverkusen also nie gegeben in höheren Ligen.... :keineahnung2:

  • Platz 48: Osnabrück (165.251 Einwohner)


    1. VfL Osnabrück (2.BL/2)


    2. VfR Voxtrup (LL/6)


    3. SSC Dodesheide (BL/7)


    4. Sportclub Lüstringen e.V. (BL/7)


    5. Osnabrücker SC (BL/7)



    Osnabrück ist seit 1939 Großstadt. Aushängschild ist natürlich der VfL Osnabrück, in dem zur Frühzeit des Osnabrücker Fußballs fünf Vereine aufgingen, darunter der erste Verein der Stadt, der FC 1899 Osnabrück, der Osnabrücker Ballspielverein sowie der anfangs erfolgreichere Spiel und Sport Osnabrück. Die letzte Fusion erfolgte 1924. Bis 1933 spielten die Osnabrücker übrigens noch in Westfalen gegen Spvgg Herten, Preußen Münster oder SuS Recklinghausen.


    Der VfL gehört mit 24 Spielzeiten zu den Stammgästen in der 2. Bundesliga. Immer wieder ging es aber auch in die Drittklassigkeit. Dabei geht nahezu unter, dass der VfL ab 1968 fünfmal in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga stand. Drei Mal scheiterte man an den überlegenen Westvereinen RW Essen, VfL Bochum und Wuppertaler SV. So werden die Lilaweißen heute als Kellerkind der 2.Liga und nicht etwa als ehemaliger Bundesligist wahrgenommen.


    Die letzten Derbies in Osnabrück wurden 1967/68 gespielt. 12.000 Zuschauer sahen an der Bremer Brücke das Duell des VfL gegen den TuS Haste 01 aus dem Osnabrücker Norden beim einjährigen Gastspiel der Haster in der Regionalliga Nord. Heute spielen die Haster, vielleicht der einzige Sportverein im Norden mit eigener Karnevalsabteilung, in der Kreisliga. Dort ist auch der SV Eintracht Osnabrück 1908 beheimatet, der in den 50ern Jahren drei Mal dem VfL in der Oberliga Nord Paroli bot, allerdings unter eher sehr amateurhaften Bedingungen. So mussten sich die Gästemannschaften in einem Tanzlokal umziehen und von dort mit dem Bus gefahren werden, da der Eintracht-Platz keine Umkleidekabinen besaß. Die Eintracht war allerdings zu fast allen Zeiten stets mehr oder weniger verschuldet, was schließlich auch zum Niedergang beitrug.


    TuS Haste und Eintracht Osnabrück waren auch die letzten Osnabrücker Clubs, die den VfL hinter sich ließen, in der britischen Zonenmeisterschaft 1945/46. Das war 1942/43 auch zwei anderen Osnabrücker Vereinen in der Gauliga gelungen, dem TSV Osnabrück und Schinkel 04. Während aus dem TSV nach Kriegsende die Eintracht hervorging, ist die Fußballgeschichte im Stadtteil Schinkel eine besondere Episode. In Schinkel hatten die Nazis die Bildung eines Großvereins durchgesetzt, in dem u.a. Schinkel 04 und der VfB Schinkel aufgingen. 1946 gingen 04 und VfB wieder eigene Wege. Im Schatten der Klöckner-Werke (denen später auch das Stadion zum Opfer fiel) hatte der stark proletarisch geprägte Großclub TuSG Schinkel 04 viele Fans in der Stadt und lieferte dem VfL eine Rivalität auf Augenhöhe. Ab den 50er Jahren ging es für die beiden Nachfolgevereine dann bergab. Während Schinkel 04 2005 aufgelöst wurde, spielt der VfB in der Kreisliga.

    Nummer zwei in der Stadt ist heute der VfR Voxtrup östlich der A 33 weit entfernt vom Osnabrücker Zentrum, der SSC Dodesheide ist eher für Volleyball bekannt, der mitgliederstärkste Verein, der Osnabrücker SC, hat seine Bastion im Damen-Basketball.


    Wunsch: Eintracht Osnabrück und TuS Haste kehren in die Bezirksliga zurück.

  • Wieder was gelernt. Wusste nicht das Voxtrup noch zu Osnabrück gehört.


    Gibt es heutzutage eigentlich überhaupt noch einen Amateurplatz und Club in OS mit Atmosphäre? Das oben erwähnte Schinkel ist definitiv keine Reise wert. Für linkinkev und mich lag dies damals quasi auf dem Rückweg, so dass wir uns nicht ärgern brauchten.


    Asa und ich waren vor Jahren mal an einem Samstagabend in Haste, ebenfalls auf dem Rückweg, und konnten dort den schlechtesten Kunstrasenplatz ever begutachten. Handgezählte 30 Leute fanden sich nach und nach am Platz ein, mehr als doppelt so viele entdeckten wir dann im Vereinsheim vor der Glotze bei Bayern gegen Dortmund.


    Haste Haste nicht gesehen, haste nix verpasst.

  • TuS Haste und Eintracht Osnabrück waren auch die letzten Osnabrücker Clubs, die den VfL hinter sich ließen, in der britischen Zonenmeisterschaft 1945/46. ...


    Wunsch: Eintracht Osnabrück und TuS Haste kehren in die Bezirksliga zurück.

    In dem Artikel fehlt was: Nämlich dass Lohmanns Vater in den 1950ern für den TuS Haste gegen das runde Leder getreten hat. :positiv1:

  • Platz 47: Oldenburg (169.077 Einwohner)


    1. VfB von 1897 Oldenburg (RL/4)


    2. VfL Oldenburg (OL/5)


    3. Glück auf-Victoria-OTI Oldenburg (BL/7)


    4. Sportverein Blau-Weiss Bümmerstede (BL/7)


    5. SV Eintracht Oldenburg (KL/8)


    Oldenburg ist die drittgrößte Stadt Niedersachsens. Das hat man nicht unbedingt auf dem Schirm, zeigt aber auch, dass Niedersachsen eher arm an Ballungsräumen ist. Oldenburg ist seit 1946 Großstadt, auch durch den Zuzug von Flüchtlingen. Als ehemalige Residenzstadt ist Oldenburg von jeher Sitz von Verwaltung, Militär und Justiz. Daher auch der Ruf als Beamtenstadt mit einer hohen Zahl von Beschäftigten im öffentlichen Dienst.


    Vielleicht ist das der Grund, warum im Gegensatz zur verwirrenden Fusionsgeschichte in Städten mit höherer Arbeitertradition die Situation in Oldenburg recht übersichtlich daherkommt. Es gibt den VfB Oldenburg, den VfL Oldenburg und es gab Victoria Oldenburg.


    Der VfB Oldenburg wurde 1897 als F.C. Oldenburg von Oberrealschülern gegründet. Der Fußball Verein Germania von 1903 wurde von Absolventen des Lehrerseminars aus der Taufe gehoben. 1919 fusionierten beide Clubs zum VfB. Auch wenn man den VfB als ehemaligen Zweitbundesligisten wahrnimmt, waren die Erfolge eher übersichtlich. Zwischen 1947 und 1963 gelang es dem VfB nie, sich länger als drei Spielzeiten in der Oberliga zu etablieren. Ab 1963 spielte der VfB bis auf ein Jahr zwar in der Regionalliga Nord, allerdings meist im Tabellenkeller. So reichte es auch nicht zur Qualifikation für die 2. Bundesliga Nord. Bis auf einen einmaligen Ausflug in die 2. Bundesliga blieb der VfB bis 1990 in der Oberliga. Das große Jahr des VfB kam 1991/92, als die Huntestädter knapp am Aufstieg in die Bundesliga scheiterten.


    Die sehenswerte Doku zu dieser Saison


    Danach ging es für den VfB zeitweilig bis in die Fünftklassigkeit. Das letzte Oldenburger Derby wurde in der Saison 2018/19 gespielt, als der kleine Nachbar VfL Oldenburg es einmal kurz in die Regionalliga schaffte. Ansonsten blieb der VfL meist immer im Schatten des VfB. Im VfL Oldenburg stecken der 1894 gegründete TV Jahn Oldenburg, der SV Frisia Oldenburg und der SV Oldenburg. Als VfL tritt der Club seit 1934 an. 1963/1964 gehörten die Grünen überraschend zu den Gründungsmitgliedern der Regionalliga Nord, traten vor 20.000 zum Derby gegen die Blauen an, stiegen aber nicht nur zum Ende der Saison ab, sondern verloren auch noch zahlreiche Spieler an den VfB. Die Folgejahre verbrachte der VfL meist in der Fünft- oder Sechstklassigkeit.


    In der Nachkriegszeit stand der VfL auch im Schatten von Victoria Oldenburg. Die Victoria entstammt dem Oldenburger Industrieviertel Osternburg. 1947 gründeten Kaufleute eine Interessengemeinschaft Kickers Oldenburg mit dem Ziel, einen Oldenburger Top-Clubs zu finanzieren. Als SuS Kickers-Victoria Oldenburg sorgte der Verein bis zur Pleite 1950 auch für Furore. Der Nachfolgeverein SSV Victoria durfte in der Amateuroberliga Niedersachsen weiterspielen. So waren in der damals zweiten Liga zeitweilig alle drei Oldenburger Vereine ansässig, wobei die Victoria den VfL meist hinter sich ließ. In der Saison 57/58 qualifizierten sich sogar VfB und Victoria für die Aufstiegsspiele zur Oberliga Nord. Damit war der Zenit bei der Victoria überschritten. In der Folgezeit ging es bis in die Kreisliga herunter. 1995 hatten die Victoria ebenso wie der TV Glück auf Oldenburg und die Oldenburger Tennisinitiative Probleme mit ihrern Spielstätten. Gemeinsam zog man in den neuen Sportpark Osternburg und fusionierte zum heutigen GVO Oldenburg (womit man sich bei Google hinter einer gleichnamigen Versicherung einreihen muss).


    Wunsch: Eigentlich ist der VfB auf norddeutscher Ebene gut aufgehoben, da es aber im Norden an Standorten mit Zuschauerpotenzial mangelt, hätte ich gegen einen Aufstieg nichts einzuwenden.

  • Platz 46: Mülheim an der Ruhr (170.632 Einwohner)


    1. DJK Blau-Weiß Mintard (LL/6)


    2. Mülheimer FC 1997 (LL/6)


    3. VfB Speldorf (LL/6)


    4. Mülheimer SV 07 (BL/7)


    5. Rot-Weiß Mülheim (BL/7)



    Mülheim an der Ruhr wurde durch eine offensive Eingemeindungspolitik schon 1908 Großstadt. Insbesondere die grünen Stadtteile links der Ruhr kamen so zu Mülheim.


    Fußballerisch lässt Mülheim mit drei Landesligisten immerhin die Revierstädte Moers, Bottrop und Recklinghausen hinter sich. Dazu gesellen sich zwei Spielzeiten in der 2. Bundesliga Nord. Diese gehen auf den 1. FC Mülheim-Styrum 1923 zurück. Die Styrumer Löwen spielten von 1974 bis 1976 in der Zweitklassigkeit (wenn ich als Kind träumend vor mich hin STIERTE, pflegte mein Vater mich mit „STYRUM, Endstation, alles aussteigen“ zu wecken. Styrum war zu jener Zeit wohl ein revierweit bekannter Umsteigebahnhof).


    Der 1. FC Mülheim-Styrum teilt seine Wurzeln mit Rot-Weiß Oberhausen. Der Styrumer Spielverein fusionierte 1923 mit dem Oberhausener SV 04 zur SpVgg Oberhausen und Styrum. Das kränkte den Lokalstolz einiger Styrumer, die mit Oberhausen nichts am Hut hatten. Sie spalteten den 1. FC Styrum ab. Aus dem restlichen Verein ging später RWO hervor. Hintergrund des Fusionsproblems war, dass Mülheim einst nur Teile von Styrum eingemeindete, die eher nicht so dicht besiedelt waren. Der Rest ging an Oberhausen.


    Mit dem Essener Antennenbau-Unternehmer Albert Becker als Trainer gelang den Styrumern innerhalb von drei Jahren der Aufstieg von der Landesliga in die 2. Bundesliga, auch wenn die Qualifikation nur gelang, weil im entscheidenden Jahr 1974 Tennis Borussia Berlin in die Bundesliga aufstieg und Blau-Weiß 90 auf den freigewordenen Berliner Qualifikationsplatz für die 2. Bundesliga Nord verzichtete. Ins Mülheimer Ruhrstadion kamen zu der Zeit auch schon mal an die 18.000 Zuschauer gegen Rot-Weiss Essen. In der Zeit fiel das Styrum im Namen auch öfter mal weg, der 1.FC fühlte sich als Nummer Eins und Repräsentanz-Verein der Stadt auch im Vergleich zum Lokalrivalen VfB Speldorf. Nach zwei Jahren ging es allerdings mit 1,6 Millionen Mark Schulden wieder in den Amateurfußball. Das Mülheimer Fußball-Wunder war Geschichte. Heute spielen die Löwen in der Kreisliga A.


    Einen Eindruck vom Fußball im Jahr 1974 in Mülheim bietet dieses Super 8-Filmchen vom Spiel Styrum gegen Wattenscheid 09.


    https://www.youtube.com/watch?v=iPrZxtsox-c


    Der eigentlich dauerhaft führende Verein der Stadt ist der VfB Speldorf. Er entstand 1919 aus dem SC Preußen Speldorf und dem BV Rheinland Speldorf. Der links der Ruhr gelegene Verein fuhr 1956 sogar zum Finale nach Berlin, auch wenn es nur das Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft war und gegen die Spvgg Neu-Isenburg verloren ging. Speldorf hat von der Bezirksliga in den 60ern bis zur Oberliga in den 80ern alle überkreislichen Ligen mitgenommen. 2004 waren die Speldorfer wieder in der Oberliga angekommen. 2008 schaffte es der VfB für drei Jahre sogar in die NRW-Liga. Nach deren Auflösung pendelten die Mülheimer zwischen Oberliga und Landesliga. Nachteilig wirkte sich für den stadtteilverbundenen Club der Verlust der Heimspielstätte am Blötter Weg aus, seither ist man mehrfach umgezogen.


    Der VfB Speldorf teilt seine Landesligazugehörigkeit zurzeit mit dem türkisch geprägten Mülheimer FC 97 und dem DJK Blau-Weiß Mintard. Mintard gehörte bis in die 70er Jahre zur selbständigen Stadt Kettwig. Als die Essen zugeschlagen wurde, kamen die Mintarder eher unfreiwillig zu Mülheim. Blau-Weiß wurde 1950 gegründet, als einige Sportsmänner das Geld für eine Tischtennisplatte beisammen hatten. Fußball wurde dort erst später gespielt. Vielleicht nicht ganz untypisch für die eher unterentwickelte Fußballgeschichte der Stadt, in der aber immerhin erstklassig Hockey und Schach gespielt wurde.


    Wunsch: Der VfB Speldorf kehrt in die Oberliga zurück.

  • Danke matz, für die geschichtliche und sportliche Zusammenfassung. Minimalst korrigiere ich den Speldorfer Oberliga-Aufstieg auf 2005, nicht 2004. Sonst passt alles.


    "Hier regiert nur einer, Speldorf und sonst keiner." :lachen: Tja, auch schon wieder ne ganze Zeit her.


    Das Styrum mal ein großer Umsteigebahnhof war, wäre mir nicht bekannt. Die einzige Bimmelbahn die dort bis in die 90er Jahre wirklich "Styrum, Endstation!" ausrufen durfte, war der Schienenbus von und nach Duisburg-Ruhrort. Nach Ruhrort bimmelt seitdem nur noch die kleine Regiobahn von Oberhausen aus, die früher nur bis Meiderich-Süd führte, und nach dem Aus der Styrumer Linie bis Ruhrort verlängert wurde. Immerhin halten in Styrum mit der S1 und der S3 noch zwei S-Bahn-Linien.

  • nach einiger Netzrecherche bezog sich das wohl auf eine Straßenbahnansage in den 60/70ern. Durch den Spruch und den gleichzeitigen Höhenflug der Styrumer war mir dieser Name in der Kindheit etwas überpräsent (im Vergleich zu seiner Bedeutung innerhalb des Ruhrgebiets)

  • Ja, der Fussball spielt in Mülheim nur eine untergeordnete Rolle. Und ganz ehrlich: Das ist auch gut so.


    Denn wenn es hier einen mindestens Halbprofiverein geben würde, dann würden da Sponsorengelder hinfließen, die dann der übrigen Sportlandschaft fehlen.


    Mein Schachverein spielt seit 18 Jahren Bundesliga (2x deutscher Vizemeister 2013 und 2014), der deutsche Badmintonbund ist hier angesiedelt mit dem Traditionsreichen 1. BV Mülheim (von 1968 bis 1980 Serienmeister und den YONEX-German Open ein Turnier auf Weltklasseniveau) und mit dem HTC Kahlenberg und vor allem dem HTC Uhlenhorst (Die Titelliste bei Wikipedia ist dort extrem lang) hat man 2 Aushängeschilder im deutschen Feldhockey. Dazu kam eine Zeitlang die Darts-EM, einige gute Jahre im Ringer-Sport, die Pferderennbahn und diverse Ruder- und Kanuvereine entlang der Ruhr. Diese Sportdiversität würde ich auf keinen Fall für einen Profiverein, der zwischen den ganzen anderen Profivereinen eh unter ferner liefen laufen würde, eintauschen wollen.


    Mehr als Oberliga ist für die aktuellen Fussballvereine nicht drin, weil das Ruhrstadion keinen Verein anlocken würde (hoffe ich mal) aufgrund seiner Lage in Styrum bzw. fast in Oberhausen und außer dem Ruhrstadion gibt es keinen Standort in Mülheim der zumindest Regionalligatauglich wäre. (Naja gut, wenn jemand beim MFC 1900 anklopft und die Schatulle aufmacht vielleicht, die benutzen ja aktuell eh das Ruhrstadion. Realistisch aber wohl nicht.)


    Schade ist ein bisschen, dass matz die starken Jahre von Union Mülheim unterschlagen hat, denn die führte dazu, dass man in der damaligen Niederrheinliga endlich mal Derbys auf relativ hohem Niveau sehen konnte. 2000 stiegen die Unioner von der Südstraße in die Verbandsliga auf, 2003 erreichte man Platz 7 in dieser (die höchste Position der Vereinsgeschichte), ab 2006 ging es leider steil bergab, inzwischen kickt man in der Kreisliga B. Man ist aber weiter ein vorbildlicher Amateurverein inklusive einer 2007 gegründeten Inklusionsmannschaft für Menschen mit Behinderung.


    Glaub, das legendäre Derby an der Südstraße mit vierstelliger Zuschauerzahl war in der Speldorfer Aufstiegssaison 04/05, ich war auf jeden Fall dabei, aber noch etwas jung und nicht so an Chronologie interessiert. Da kann Speldorfer vielleicht Abbitte leisten.

  • Das es eine Städterivalität zwischen Oberhausen und Mülheim gibt wußte ich noch nicht. Ebenso, dass RWO und der 1.FC Styrum quasi eine gemeinsame Vergangenheit besitzen... Was mich allerdings wundert ist, dass das Ruhrstadion so unbeliebt ist. Okay, vor dem Umbau war es schöner, aber schon schade, dass da kein Verein drin spielen möchte, weil es zu nah an Oberhausen bzw. in Styrum liegt.... Mülheim scheint mir so dann eine sehr merkwürdige Stadt zu sein, ohne einen wirklich "großen" Verein und diverse Abneigungen unter den Vereinen und Stadtteilen. Recht kurios wie ich finde... Was mich jetzt interessieren würde ist, welcher andere "große" Verein in Mülheim denn die meisten Fans hat? RW Oberhausen? MSV Duisburg? FC Schalke 04? Borussia Dortmund? Oder gar RW Essen? VfL Bochum?

    Mülheim verbinde ich eigentlich nur mit dem HTC Uhlenhorst, also der Randsportart Hockey. Aber sonst? Klar VfB Speldorf mit dem coolen Stadion Blötter Weg früher und eben der 1.FC Mülheim durch die zwei Saisons in der 2.Bundesliga....

    Bei Union Mülheim war ich mal vor ca. 20 Jahren, aber da gab es die Tribüne noch nicht.

    Interessant finde ich die Geschichte mit Kettwig, dass das quasi an Oberhausen, Essen und Mülheim aufgeteilt worden ist mehr oder weniger....

  • Was mich allerdings wundert ist, dass das Ruhrstadion so unbeliebt ist. Okay, vor dem Umbau war es schöner, aber schon schade, dass da kein Verein drin spielen möchte, weil es zu nah an Oberhausen bzw. in Styrum liegt....

    Vielleicht liegt es auch daran, dass dort nur auf Kunstrasen gespielt werden kann.

    Dieser Sonntagnachmittag. Der Sehnsuchtszeitpunkt fast aller Amateurfußballer. Natürlich auch von mir. Ich hoffe, meine Freundin wird es mir nachsehen, aber auch ich habe mittlerweile genug vom Spazierengehen. Ich will einfach nur wieder Kicken! Mir blutet das Herz, wenn wir an einer Sonntagsradtour bei bestem Wetter an fünf gesperrten Sportplätzen vorbeifahren.


    (Thomas Hägele, FC Eschach)

  • Oberhausen und Mülheim wurd damals wirklich seltsam aufgeteilt. BZW nein, eigentlich vom damaligen Bürgermeister Paul Lembke sehr logisch vorangetrieben. Die "reicheren" Teile von Styrum und Dümpten wurden eingemeindet, die ungeliebten Reste gingen nach Oberhausen. :ablachen: (Umso mehr "triggern" mich diese Kombinationsideen von Oberhausen und Mülheim von dem Eingemeindungs-Seppel hier im Forum. :bash: ).


    Styrum heutzutage ist halt in der Wahrnehmung der Mülheimer der schlechte Teil, die Mülheimer Antwort auf Marxloh und Chorweiler. Und wenn dann der Verein aus dem gutbürgerlichen Speldorf (bzw. teilweise sogar Villenviertel) nach Styrum umzieht, dann kann das nix werden. Durch die Ruhr in der Mitte ist Mülheim getrennt und zwischen den beiden Ruhrseiten gibt es doch so ein bisschen was wie Rivalität. Auch das hat zum Scheitern von Speldorf im Ruhrstadion geführt.


    Und ja, tatsächlich ist es seltsam, wie sehr die Mülheimer Vereine miteinander konkurrieren. In den meisten anderen Großstädten gibt es eine klare Nr. 1 und Nr. 2, auch und gerade im Jugendbereich. In Mülheim gibts diese Hierarchie nicht, was aber auch dazu führt, dass glaub ich seit 20 Jahren keine einzige A-Jugendmannschaft mal über Kreisleistungsklasse gekommen ist. Die Talente der Stadt sammeln sich nicht bei einem Verein, sondern jeder kocht sein eigenes Süppchen.


    Genauso in der Kreisliga. Wenn am letzten Spieltag 2 Duisburger Nachbarvereine gegeneinanderspielen und es nurnoch für einen um was geht, dann kann man das Ergebnis quasi vorher eintragen. Bei 2 Mülheimer Vereinen sieht man eher 15 gelbe Karten und 2 Rote. :ablachen:


    Bezüglich welche Profivereine die Mülheimer unterstützen: Ich sehe gefühlt am meisten Schalke, liegt aber auch daran, dass in meinem früheren Wohnviertel gleich 3 Schalkekneipen waren. Aufkleber auf Autos sieht man alles, auf der linken Ruhrseite noch ein bisschen mehr MSV, aber auch RWE und RWO sind vertreten (letztere aber am wenigsten).


    Hat mit Mülheim nur am Rande zu tun, aber ja, Kettwig wurde Mitte der 70er nach Essen eingemeindet und dabei ging Mintard nach Mülheim. Warum genau kann ich mir nicht erklären. Die alteingesessenen Mintarder da in der grünen Heide fühlen sich glaub ich bis heute nicht wirklich als Mülheimer und fahren zum Einkaufen vermutlich eher nach Kettwig als nach Saarn, BW Mintard spielt im Kreis Essen-Süd statt DU/MH/DIN und wenn man sieht, wie die Mülheimer Stadtverwaltung z.B. den ÖPNV Richtung Mintard "plant" (bzw. eher auf Raten und kontinuierlich einstampft) dann kann ich den Unmut der Mintarder gut nachvollziehen.


    Ich meine, dass auch der rechtsruhrische südliche Stadtteil Ickten geteilt ist. Ein Teil in Mülheim, ein Teil in Essen-Kettwig. Aber da wohnen eh nur 3 Bauern auf ihren Höfen, da bin ich net so drinne. :pardon: