81 deutsche Großstädte und ihre Top-Vereine

  • wird ein kurzer Bericht - Bielefeld gibts doch gar nicht... :pfff:

    Das wird schon deswegen ein kurzer Bericht, weil es außer der Arminia überhaupt nur noch einen anderen Verein gibt, der mal ernstlich höherklassig gespielt hat. Der VfB 03 Bielefeld hat - die Älteren unter uns werden sich noch erinnern - 1931 tatsächlich mal im Achtelfinale um die Deutsche Meisterschaft gestanden, schied dort gegen den späteren Meister Hertha BSC aus.

  • Platz 44. Hamm (179.916 Einwohner)


    1. Westfalia Rhynern (OL/5)


    2. Hammer SpVg (OL/5)


    3. Sport Gemeinschaft Bockum-Hövel 2013 (LL/6)


    4. TuS 1910 Wiescherhöfen (LL/6)


    5. SV Eintracht Heessen (BL/7)



    Die nächste Großstadt im Revier, Hamm, das östliche Tor zum Ruhrgebiet. Durch das Münster-Hamm-Gesetz 1975 wuchs Hamm erheblich um die Stadtteile Bockum-Hövel, Heessen, Pelkum, Rhynern und Uentrop. In der Region ist Hamm vor allem für seinen im wahrsten Wortsinn „zugigen“ Bahnhof bekannt, jedenfalls habe ich dort immer nur Wind erlebt. Er ist einer der größten Eisenbahnknotenpunkte und Umsteigebahnhöfe weit und breit. Fußballhistorisch ist Hamm Prototyp eines Oberliga-Standorts, vertreten in Form der Hammer Spielvereinigung 03/04.


    Doch zuvor ein Rückblick auf das große Spiel des Jahres 1975. Es geht um den Aufstieg. 3.800 Zuschauer sind vor Ort. Trainer Werner Lorant tigert an der Seitenlinie und vorne macht ein Europameister alles klar: Mit zwei Toren sichert Horst Hrubesch den Sieg. Klar, um welches Spiel es sich handelt: Der SC Westtünnen schlägt den SV Herbern 3-0 und steigt in die Landesliga auf. Während es für Horst Hrubesch noch ganz nach oben und zum großen HSV geht, ist für Westtünnen in der Landesliga Schluss. 2008 fusioniert man mit dem TSV Berge 09 zum heutigen Kreisligaverein Hammer SC 2008.


    Zurück zur Hammer SpVg. Die entsteht 1922 durch die Fusion des Fußballclub von 1903 und des Hammer Spielverein von 1904. Ersterer ein Verein von Realschülern, letzterer ursprünglich aus der Hammer Kaufmannschaft entsprungen. Obwohl zeitweilig der größte Club Westfalens reicht es vor dem Krieg aber nie zu einem Spitzenplatz. Nach dem Krieg pendelt der HSV zunächst zwischen dritter und vierter Liga. Ab 1957 sind die Hammer Stammgast in der Verbandsliga, bevor 1966 der Coup gelingt. Mit dem SSV Hagen, dem VfR Neuss und dem Bonner SC streiten die Roten um den Aufstieg in die Regionalliga West. Zum Entscheidungsspiel am Hertener Katzenbusch gegen Hagen reisen 2.500 Hammer Fans. Der Sieg erfolgt nicht auf dem Platz, sondern per Groschenwurf. Weil sich die anschließenden Verbandsstreitigkeiten hinziehen, zudem unnütz, weil am Ende alle vier Vereine aufsteigen werden, gehen die Hammer ohne große Neueinkäufe in das Abenteuer Regionalliga und steigen prompt wieder ab. Immerhin sehen 18.000 Fans in dieser Saison das Gastspiel der Arminia aus Bielefeld.


    In den Folgejahren kratzen die Hammer hin und wieder erfolglos am Aufstieg, In den 80ern spielt die Hammer SpVg konstant Oberliga. Danach wechselt der Verein aus dem Hammer Osten häufiger zwischen Ober- und Verbandsliga. In der kurzlebigen NRW-Liga darf die SpVg immerhin wieder über die Grenzen Westfalens hinaus reisen. Seit 2012 ist der Verein wieder am angestammten Platz in Westfalens Oberhaus.


    Das Schicksal will es, dass die Hammer SpVg immer wieder vor Ort durch einen Stadtteilclub herausgefordert wird. Ab 1976 etwa für zwei Jahre vom Spielverein Herringen, der seit einer Fusion 2003 mit Fortuna Herringen nun SV Fortuna Herringen heißt und heute in der Kreisliga A spielt.


    Viel ärger trifft die SpVg aber der Aufstieg des Sportclub Eintracht Hamm in den 1980er Jahren. 1970 fusioniert der VfR Heessen mit dem TuS 1945 Heessen zum SC Eintracht Heessen. Vorstand wird der Chef der Spar- und Darlehenskasse Heessen. 1975 wird Heessen nach Hamm eingemeindet, aus der Spar- und Darlehenskasse wird die Hammer Bank, die fortan höherklassige Spieler mit Anstellungsverträgen bei der Bank nach Hamm lockt. Dergestalt mit Finanzmitteln ausgestattet ist die Oberliga 1981 erreicht, die Hammer Derbies ziehen rund 7.000 Zuschauer an. 1983 steht die Eintracht schon in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. 1984 nennt sich der Verein folgerichtig nur noch Eintracht Hamm. 1985 spielt der SCE noch einmal erfolglos in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Allerdings gibt sich zu diesem Zeitpunkt beim Sponsor Hammer Bank die Staatsanwaltschaft schon die Klinke in die Hand. Die Genossenschaftsbank war nämlich schon 1975 eigentlich insolvent, aber war stattdessen durch gezielte Manipulationen zum größten Hammer Kreditinstitut aufgestiegen. Sonderprüfungen lassen 1984 schließlich die Blase platzen, Bankchef Schulte geht ins Gefängnis. Mit einer Million Mark Schulden stürzt die Eintracht in Folge der Bankenpleite bis in die Kreisliga und schrammt nur knapp an der Auflösung vorbei. 2006 fusioniert der SC Eintracht Hamm mit dem SV 26 Heessen zum Spielverein Eintracht 22/26 Heessen.


    Gegenwärtig ist Westfalia Rhynern die Nummer Eins in Hamm. Rhynern ist vielen Menschen im Revier eigentlich nur wegen der Tankstelle an der Autobahn A2 bekannt. Die steht da schon seit 1938, denn eigentlich war von hier aus mal die Autobahn Hamm-Kassel geplant, die aber nie gebaut wurde. Weil den Nazis modernistische Tankstellen im amerikanischen Stil verhasst waren, ordneten sie für Rhynern einen Bau im so genannten Heimatstil an, der an ein westfälisches Bauernhaus erinnern sollte. Der Bau steht noch heute da, wird mittlerweile als Autobahnkapelle genutzt. Die Hammer Geschichtsschreibung berichtet übrigens auch von reger Prostitution an der Rhyner Raststätte in den 50er Jahren, weshalb hier schon frühzeitig eine Autobahnmission eingerichtet wurde. Alles Serviceleistungen, die es heute an Autobahnraststätten nicht mehr gibt. :kicher:


    Die Westfalia aus Rhynern kommt da schon weit weniger historisch daher. Erstmals als TSV 1935 und neu 1946 als Westfalia gegründet. Eigentlich taucht sie erst 1997 mit dem Aufstieg in die damals fünftklassige Verbandsliga auf. 2010 ist Rhynern schon in der NRW-Liga dabei, seitdem konkurrieren die Rhyner, offensichtlich ganz gut mit Sponsoren ausgerüstet, mit der Hammer SpVg um die Vorherrschaft in der Stadt. 2017 spielt Westfalia Rhynern für ein Jahr in der Regionalliga West, nachdem zuvor schon einmal der Aufstieg an der fehlenden Lizenz gescheitert war. Wie immer in der Hammer Fußballgeschichte reicht es aber auch für Rhynern nicht zu einem dauerhaften Ausflug über die Grenzen Westfalens hinaus.


    Erwähnenswert sei noch der Fusionsverein SG Bockum-Hövel, in einem der Vorgängervereine, dem SV Bockum-Hövel, erlernte Bernhard Dietz das Fußballspielen.


    Wunsch: Die Hammer SpVg spielt mal wieder Regionalliga.

  • sehr fein matz , sehr fein :positiv1:


    Beim Spiel in Westtünnen war ich sogar dabei, der damalige Präsi wohnte 4 Häuser von mir entfernt. Mit dem Sohn war ich in der Grundschule. Der Platz in Westtünnen platzte förmlich aus den Nähten, das war echt das Maximum, was da drauf durfte (den gibt's heute noch - da war die LL sogar noch die 4.Liga). Ansonsten hab ich nur noch rudimenäre Erinnerungen daran. Mit Horst Hrubesch hab ich sogar mal Fussball gespielt, als der beim Präsi zu Besuch war. Die hatten einen riesigen Garten und genauso riesig kam mir Horst als Dötze vor, seine 1,91 war für damalige Zeit ja noch eher die Ausnahme. Später hab ich ihn noch mal getroffen, in der damaligen Diskothek "Tenne" in Pelkum, wo er (bin aber nicht mehr sicher) Mitinhaber war. Damaliger "Stargast" war Dolly Dollar, die älteren werden sich erinnern :lachen:


    Bei der Hammer SpVg hat Horst sogar auch für 1 Jahr gespielt, allerdings hat er sich dort schwer verletzt und fiel drei/viertel der Saison aus und wechselte dann nach Westtünnen. Dort hat er dann mal eben 5 Tore beim 5:1 Kreispokalspiel-Sieg gegen meine HSV geschossen, allerdings kam die Truppe auch erst morgens aus Malle zurück und war wohl noch hackedicht :bekloppt:

    Als Horst von RW Essen nach Hamburg wechselte, hab ich ihn in einem Vorbereitungsspiel auf Sylt beim TSV Westerland gesehen, wo ich mit Eltern grade war. Kann mich noch gut an die Schmähungen der Zuschauer gegenüber Horst erinnern, a la: "Was ist das denn für ein Stolpervogel, der kann noch nicht mal einen Ball stoppen" und ähnliches. Konnte das natürlich nicht einschätzen, aber erinner mich noch gut an meinen Vater, der plötzlich laut wurde und pöbelte: "Ihr habt alle keine Ahnung, wartet mal ab, der wird es euch noch zeigen!" Recht hatter gehabt . Könnte noch mehr Anekdoten von meiner Beziehung von Horst schreiben, das würde aber das Forum sprengen. Doch eine, wohnt jetzt in SH in Boostedt, dort war ich die ersten 6 Wochen in meiner W15er Zeit.


    Zu Rhynern, das ist hier der "reichste" Stadtteil im Hammer Süden, die machen immer einen auf Underdog, sind aber gut aufgestellt. Hochgekommen sind sie durch den Mäzen Stückmann, der hat Jahr für Jahr die Trainer gewechselt wie Unterhemden, bis es dann irgendwann mal passte. Weiß jetzt nicht mehr, wann der gestorben ist, seitdem muss ich neidlos anerkennen, das dort gute Arbeit geleistet wird. Dennoch auch ein guter Sponsorenpool, weil im dortigen Gewerbegebiet viele und gute Firmen angesiedelt wurden.


    Herringen ganz im Westen der Stadt: War auch schon in den 60ern in der damaligen "3.Liga" - die Verbandsliga - unterwegs. Bergarbeiterverein, der nach dem Krieg (wie auch B.-Hövel) von der Zeche gefördert wurde. Waren damals immer heiße Spiele vor riesigen Kulissen, da wurde sich nix geschenkt. Gab insgesamt 22 Meisterschaftsspiele nach dem Krieg, das letzte in der VL 77/78, danach ging es dort immer weiter bergab. Das alte Stadion gibt es noch (allerdings nicht mehr bespielt), leider wurde der Eingangsbereich abgerissen und sonst gammelt es so vor sich hin.


    Heessen liegt nördlich der Lippe und ist quasi einen Steinwurf von unserem Stadion entfernt. Waren das immer Schlachten, beim ersten OL-Derby war ich nicht dabei (auf Sylt), als meine Hammer vor über 7.000 Zuschauern im Marienstadion 3:1 10 Minuten vor Schluss führten, und dann doch noch 3:4 verloren. Rekordbesuch waren 8.000 irgendwas im Mahlbergstadion, da konnte ich dann dabei sein. Hab natürlich viele Spiele gesehen, Heessen hatte eine Bombentruppe, allerdings auch der Bank geschuldet, die die besten Spieler aus der OL kauften. In der 2.Aufstiegsrunde (1985) hat Harry Ellbracht kurz vor Schluss einen Elfer kilometerweit über den Kasten geschossen gegen den Berliner Vertreter, da ging schon das Gerücht rum, das man nicht aufsteigen wollte, wegen der Finanzaffäre. Hab den Schuss immer noch im Gedächtnis


    Der damalige Bankenchef Paul Schulte war übrigens Vereinsvorsitzender und hat sogar eine Fusion mit der Hammer SpVg angeregt, doch wir haben dankend abgelehnt (gebranntes Kind scheut das Feuer, in den 70er Jahren waren wir einmal der höchst verschuldete Club in Deutschland - irgendwas mit 100.000 DM) :kicher:


    Ein Verein, der keine Erwähnung findet ist Germania Hamm (Westen), die mittlerweile eine Fusion mit meinem ersten Verein - TuS Lohauserholz - vollzogen haben. Waren in den 50ern in der damaligen "3.Liga" - der LL, es soll irgendwann Fusionsgespräche mit der Hammer SpVg gegeben haben, die aber durch Androhung von Gewalt schnell endeten (beidseitig). Leider ist der Zeitzeuge vor 3/4 Jahren im hohen Alter mit >90 gestorben, den hab ich öfters in meiner letzten Stammkneipe getroffen, der war bis zuletzt fit. Übrigens: Ex-Bundesligaprofi Michael Lusch (Dortmund) hat in beiden Vereinen gespielt und wohnte 2 Straßen von mir und war bester Kumpel, durch ihn sind wir halt zu jedem Fußballspiel gefahren. War früher auch öfters Auf Schalke mit ihm, was keiner Wissen sollte :zwinker:

    Aktueller Bericht zu ihm in unserer Zeitung (auf dem Foto ganz unten rechts): https://www.wa.de/sport/hamm/m…r-emotionen-90572986.html


    Au man, viel zu lang. Wer liest sich sowas denn durch? :chatten:

    (wobei ich noch 100 weitere Berichte schreiben könnte)

  • Platz 44. Hamm (179.916 Einwohner)


    Zurück zur Hammer SpVg. Die entsteht 1922 durch die Fusion des Fußballclub von 1903 und des Hammer Spielverein von 1904. Ersterer ein Verein von Realschülern, letzterer ursprünglich aus der Hammer Kaufmannschaft entsprungen. Obwohl zeitweilig der größte Club Westfalens reicht es vor dem Krieg aber nie zu einem Spitzenplatz. Nach dem Krieg pendelt der HSV zunächst zwischen dritter und vierter Liga. Ab 1957 sind die Hammer Stammgast in der Verbandsliga, bevor 1966 der Coup gelingt. Mit dem SSV Hagen, dem VfR Neuss und dem Bonner SC streiten die Roten um den Aufstieg in die Regionalliga West. Zum Entscheidungsspiel am Hertener Katzenbusch gegen Hagen reisen 2.500 Hammer Fans. Der Sieg erfolgt nicht auf dem Platz, sondern per Groschenwurf. Weil sich die anschließenden Verbandsstreitigkeiten hinziehen, zudem unnütz, weil am Ende alle vier Vereine aufsteigen werden, gehen die Hammer ohne große Neueinkäufe in das Abenteuer Regionalliga und steigen prompt wieder ab. Immerhin sehen 18.000 Fans in dieser Saison das Gastspiel der Arminia aus Bielefeld.

    ah, doch noch ein paar Anmerkungen. Größter Erfolg war die Westfalenmeisterschaft vom Spielverein 1920, damals war dann im Halbfinale der Westdeutschen Meisterschaft Schluss, als man beim Vorgänger von B. Mönchengladbach - dem VfTur München-Gladbach - unglücklich 0:1 verlor.

    In der ewigen Tabelle der damaligen 3.Liga (VL von 56 bis 78) liegt meine HSV mit weitem Abstand auf Platz 1.


    In der RL gab es riesige Zuschauerzahlen, wenn man zum Schluss nicht so eingebrochen wäre, hätte man die 10.000er Zahl sicher gebrochen. Offiziell sind die 18.000 gegen Bielefeld Rekordbesuch, die heimische Zeitung spricht aber von weit mehr als 21.000, weil ein Tor im Jahnstadion defekt war und so viele ZS umsonst reinkamen.

    Davon hat der Verein bis weit in die 80er profitiert, in der Anfangszeit der OL lag man meist unter den Top 10 in ganz Deutschland (also OL-bedingt). Kann mich an Auswärtsspiele erinnern, da waren mehr Gästezuschauer aus Hamm als Heimfans dabei, heute unglaublich. 1992/93 waren wir in der VL punktegleich mit der TSG Dülmen am Ende (war das eine wahnsinnige Saison mit unglaublichen Wendungen), so das es zu einem Entscheidungsspiel zum OL-Aufstieg kam. Spielort war Waltrop, damals pilgerten fast 5.000 ZS zu dem Spiel (aus Hamm 27 Busse und noch diverse mehr im Auto), das wir in der Verlängerung natürlich unnötig mit 2:4 verloren. Okay, dann sind wir halt ein Jahr später aufgestiegen


    Und noch ein FunFact: Arminia Bielefeld (die Erste) hat nach dem Krieg noch kein Spiel in Hamm gewonnen (Meisterschaft) - in insgesamt 8 Spielen. Am nahesten dran war Arminia am 13.11.1988, als man nach dem 3:1 in der NSZ noch 2 Tore kassierte. Hab da das Stadion zusammengebrüllt :ja1:

    so, Nacht

  • Nachtrag zu Ludwigshafen: liebenswerte Stadt, allein der Name <3 ; Arbeiterstadt.

    Wunsch: die Fußballer gehen aus dem gescheiterten Großprojekt SV Südwest raus und der wiederauferstandene FC Phönix gelangt in die Rl

    #22/5 5 Regional-Verbände = 5 Regional-Ligen = 5 Regional-Meister = 5 Aufsteiger

  • Platz 43: Potsdam (180.334 Einwohner)


    1. SV Babelsberg 03 (RL/4)


    2. FSV Babelsberg 74 (LL/7)


    3. Fortuna Babelsberg (LL/7)


    4. SG Grün Weiß Golm (LK/8)


    5. Sportgemeinschaft Bornim (LK/8)



    Fun Fact: Potsdam ist die erste Stadt in dieser Liste, in der keiner der Top 5 Vereine den Namen der Stadt im Rufnamen trägt. Das liegt natürlich auch daran, dass der Potsdamer Fußball vor allem in Babelsberg beheimatet ist. Babelsberg kam 1939 zu Potsdam. Im Gegensatz zu anderen Eingemeindungen aus dem Jahr, die die DDR 1952 rückgängig machte, blieb Babelsberg Teil von Potsdam.


    1919 fusionieren die Ringer, Kraftsportler und Gewichtheber des SC Jugendkraft 03 mit den Fußballern des Arbeitervereins FC Fortuna 05 zum SC Nowaves 05. Nowaves hieß der Vorläufer Babelsbergs.1751 hatte der preußische König vor den Toren Potsdams eine Kolonie für böhmische Weber errichtet. Die Weber nennen die Siedlung auf Slawisch Nowawes (für Neues Dorf), ähnlich dem Nachbarort Neuendorf. Später entsteht hier auch noch die Villensiedlung Neubabelsberg, benannt nach dem nahen Schloss Babelsberg.


    Aus dem Weberdorf wächst ein Industriestandort. Weil die Arbeiter sich gegen die sozialen Missstände wehren, geraten die Einwohner Nowawes aus staatlicher Sicht in den Ruf, zu Unruhe und Kriminalität zu neigen. Die Stadt bekommt den Spitznamen „Rotes Nowawes“. Den Nazis ist sowohl der slawische Name als auch die rote Vergangenheit ein Dorn im Auge. So benennen sie die Stadt in Babelsberg um. Folglich heißen auch die Kicker von Nowawes nun SV Babelsberg 03. Ein Jahr später wird Nowawes zu Potsdam eingemeindet. Der Club heißt nun, fusioniert mit den Sportfreunden Potsdam, SV Potsdam 03. Weniger gut ergeht es dem Arbeitersportverein Concordia Nowawes 06, der aufgelöst wird und sich als Eintracht 06 neu findet.


    Nach dem Krieg schließen sich Nulldreier und Eintrachtler in der SG Babelsberg zusammen. Die wird kurz drauf 1949 zur BSG „Märkische Volksstimme“ Babelsberg und dann 1950 zur BSG Rotation Babelsberg, der neue Name der Vereine im Verlags- und Druckwesen. Von 1949 bis 1958 spielen die Babelsberger unter dem Namen „Rotation“ in der DDR-Oberliga. 1961 werden die besten Fußballer zum neuen Großverein SC Potsdam delegiert. Sehr zum Ärger der BSG Rotation. Als die Fußballer 1966 wieder aus dem SC ausgegliedert werden, kommt es zum Streit über die Rückkehr zur BSG Rotation. Stattdessen tritt die Mannschaft nun für Motor Babelsberg an und schafft es auf 20 Spielzeiten in der DDR-Liga. Rotation wird dagegen als DEFA Babelsberg noch unbedeutender im DDR-Fußball.


    Das letzte Spiel als Motor Babelsberg wird am 7.12.1991 bestritten, danach heißt der Verein wieder SV Babelsberg 03. Die DEFA-Fußballer hingegen greifen nach der Wende den historischen Namen Fortuna auf. Und auch Concordia Nowawes 06 lebt seit 2006 wieder vor allem als Kinder- und Jugendverein.


    Der SV Babelsberg kämpft sich 1997 in die Regionalliga vor. 2001 schaffen es die Babelsberger sogar in die 2.Bundesliga, häufen jede Menge Schulden an und melden 2003 Insolvenz an. 2010 schafft es 03 noch einmal für drei Spielzeiten in die 3. Liga. Seither spielt der Verein in der Regionalliga.


    Die Fortuna kommt hingegen über die Verbandsliga nicht hinaus und tritt heute in der Landesliga gegen den FSV an, der sich 1974 als Sektion Fußball innerhalb der Hochschulsportgemeinschaft HSG Wissenschaft Babelsberg bildete. Im Norden Brandenburgs ist die SG Bornim beheimatet, die zu DDR-Zeiten ohne Trägerbetrieb auskam.


    Natürlich gibt es auch einen berühmten Verein mit Potsdam im Namen: Turbine. Deren Fußballer waren Mitte der 70er Jahre äußerst schlecht, verbaten sich aber Kritik der Arbeitskolleginnen, worauf diese eine Frauenfußballabteilung gründeten, die nach der Wende zu einem der besten Vereine im Frauenfußball werden sollten.


    Wunsch: Keiner. 03 ist in der Regionalliga eigentlich gut aufgehoben.

  • Platz 42: Saarbrücken (180.374 Einwohner)


    1. 1. FC Saarbrücken (3. LIGA/3)


    2. SC Halberg-Brebach (SL/6)


    3. TuS Herrensohr (SL/6)


    4. Saar 05 Saarbrücken (SL/6)


    5. FV 09 Bischmisheim (SL/6)


    Saarbrücken ist wohl die einzige deutsche Großstadt, deren Top-Verein für eine Saison unter anderem Namen in einer ausländischen Liga spielte. Oder in einem Finale um die deutsche Meisterschaft auflief, ohne dem DFB anzugehören. Oder am Europapokal der Landesmeister teilnahm, ohne deutscher Meister (oder der DDR) gewesen zu sein. Diese Kuriositäten sind natürlich der Sonderstellung des Saarlands nach dem Krieg bis zum Beitritt des Saarlands zur Bundesrepublik im Jahr 1957 geschuldet.


    Ursprünglich gab es verschiedene Keimzellen des Saarbrücker Fußballs. Die Stadt Saarbrücken entstand 1909 aus Saarbrücken, St. Johann an der Saar und Malstatt-Burbach. Beim TV Malstatt formierte sich 1903 eine Fußballabteilung, die sich 1907 als FV Malstatt-Burbach und ab 1909 als FV Saarbrücken abspaltete (der heutige 1. FC Saarbrücken). In den 30er Jahren wurde der FV bereits eine führende Kraft in der Stadt und erreichte 1943 sogar das Finale um die deutsche Meisterschaft (kurzfristig kam es auch kriegsbedingt zu einer Spielgemeinschaft mit dem SC 07 Altenkessel, der heute in der Landesliga spielt).


    In St. Johann entstand 1905 der bürgerliche SV Saar 05 Saarbrücken, der in den 20er Jahren den Fußball in Saarbrücken bestimmte, dann aber zurückfiel. In Burbach gingen aus dem TV 1876 Burbach 1924 die proletarisch geprägten Sportfreunde 05 Saarbrücken hervor. Auch die Sportfreunde konnten die lokale Konkurrenz vor dem Krieg zeitweilig hinter sich lassen.


    Nach 1945 wurde die Lage hingegen kompliziert. Zunächst wurden alle Vereine aufgelöst und neu gegründet. In der neu gegründeten Oberliga Südwest 1945/46 errang der 1. FC Saarbrücken (ehemals FV) gleich den Sieg in der Nordzonenliga. Damals als „Sachbearbeiter für Presse“ dabei: Hermann Neuberger, späterer DFB-Präsident.


    47/48 stieß auch Saar 05 in die „Zonenliga“ vor. 1947 wurde das Saarland aber von der französischen Regierung aus der französischen Besatzungszone im Südwesten Deutschlands herausgetrennt, erhielt den Franc als Währung und eine Zollgrenze. Für den Fußball des Saarlands mit den Vereinen des Südwestens schuf dies eine unüberwindbare Hürde. Schließlich wurde der Spielbetrieb im Südwesten den saarländischen Vereinen untersagt. Sie fanden sich nun in dem neuen Saar-Staat in der „Ehrenliga“ (schöner Name) wieder. Mittlerweile hatte Hermann Neuberger als treibende Kraft auch den Saarländischen Fußballbund (SFB) gegründet.


    Die Ehrenliga kam auf insgesamt drei Spielzeiten. Der 1. FC Saarbrücken fühlte sich aber als europäischer Spitzenclub und zu stark für die Ehrenliga. Er trat dort nur mit der zweiten Mannschaft an. Die erste Mannschaft übernahm außer Konkurrenz als FC Sarrebruck (und als Profiverein) einen kurzfristig frei gewordenen Startplatz in der 2. Liga in Frankreich ein, wurde dort Meister, durfte aber nicht aufsteigen. Der Antrag der Blau-Schwarzen, offiziell im französischen Fußball zu spielen, führte stattdessen zu heftigen Konflikten im französischen Fußballverband. Der Plan wurde deshalb aufgegeben.


    Stattdessen erfanden die Saarbücker den Internationalen Saarlandpokal. Von der Industrie gab es dafür zwei Millionen Franc und von der Stadt Saarbrücken die Pokale. Auch sonst verdingte sich der 1.FC Saarbrücken als internationale Testspielmannschaft. Es gab internationale Freundschaftsspiele etwa gegen Liverpool und Turnierteilnahmen in Spanien und England. Allerdings wurde ohne Ligabetrieb zunehmend das Geld knapp.


    Der Antrag, von der saarländischen Politik gewollt, den Saarländischen Fußballbund in den französischen Verband einzugliedern, lehnten die Mitglieder des SFB 1949 mit Zwei-Drittel-Mehrheit ab (genau Zwei-Drittel lehnten auch bei der Volksabstimmung 1955 die Europäisierung des Saarlands ab, was der Auslöser der späteren Eingliederung des Saarlands in die Bundesrepublik war). Der Versuch, eine gemeinsame Meisterschaft der Verbände Luxemburgs, Belgiens und des Saarlandes zu etablieren, scheiterte an der Absage der Belgier. In der Ehrenliga unterdessen holten sich Borussia Neunkirchen, die Sportfreunde Saarbrücken und gar die 2. Mannschaft des FCS die Titel.


    Durch geschicktes Strippenziehen stellte Hermann Neuberger, mittlerweile Präsident des SFB, schließlich die Politik vor vollendete Tatsachen und führte den 1.FC Saarbrücken und Borussia Neunkirchen in der Saison 1951/52 in die Oberliga Südwest zurück. So kam es 1952 zum Finale des 1 FC Saarbrücken um die Deutsche Meisterschaft (2-3 gegen den VfB Stuttgart), ohne dass der FCS dem DFB angehörte. Bis 1956 unterhielt das Saarland auch noch eine eigene Nationalmannschaft, die in der WM-Qualifikation gegen Deutschland zur WM 1954 spielte. 1956 wurde der SFB dann Mitglied des DFB. Zuvor durfte der 1. FC Saarbrücken als Saarland-Vertreter aber auch noch an der Premiere des Europapokals der Landesmeister teilnehmen (ohne Meister zu sein). Auch Saar 05 und die Sportfreunde etablierten sich in den späteren Jahren in der Oberliga Südwest.


    Dass Hermann Neuberger mittlerweile beim DFB Karriere machte, kam dem 1. FC Saarbrücken noch zwei Mal zugute. Der Verein war Gründungsmitglied der Bundesliga (und stieg sofort wieder ab) und der 2. Bundesliga (auf Kosten des Dorfvereins SV Alsenborn). Die große Zeit des Saarbrücker Fußballs war aber längst vorbei. 1976 kamen die Blau-Schwarzen noch für zwei Spielzeiten in die Bundesliga mit dem Glanzpunkt eines 6-1 gegen die Bayern, 1985 und 1992 blieb es bei einer Stippvisite für eine Saison. Danach wechselten Zweit-und Drittklassigkeit ab, ab 2006 dann sogar nur noch Dritt- und Viertklassigkeit für den einst ruhmreichen 1. FC Saarbrücken. So kam es in der Saison 2015/16 noch mal in der Regionalliga zu einem Derby gegen die eigentlich seit Jahrzehnten längst abgehängten Saar 05er.


    Für die 05er war es nach dem Abstieg aus der Regionalliga Südwest 1971 stetig bergab gegangen. Nach zwischenzeitlicher Abmeldung der Fußballer sogar bis in die Kreisliga B. Dem zwischenzeitlichen Höhenflug bis in die Regionalliga 2015 folgte wieder ein Abstieg in die Saarlandliga. Noch schlimmer erwischte es die Sportfreunde. Nach dem finanziell bedingten Rückzug aus der Regionalliga 1965 konnten sie sich bis 1975 noch auf dritter Ebene halten, dann ging es die Niederungen bis gegenwärtig in die Bezirksliga.


    Mittlerweile haben andere Vereine in Saarbrücken immer wieder mal bessere Positionen eingenommen. Der SC Halberg Brebach 1907 aus dem eingemeindeten Brebach-Fechingen, der es ab 1998 mehrfach in die Oberliga schaffte, den gegenwärtigen Höhenfliegern der Rehböcke vom FV 09 Bischmisheim, die es jüngst in die Saarlandliga geschafft haben. Auch der ASC Dudweiler hatte in den 80er Jahren einige Spielzeiten in der Amateuroberliga Südwest vorzuweisen.


    Wunsch: Saar 05 und Sportfreunde steigen eine Klasse höher auf.


    Die Zeit der Saar-Nationalelf und das 6-1 gegen die Bayern

  • Sehr informativer Einblick in die Zeit, wo das Saarland zu Frankreich gehörte.

    "Die großen Trainer haben schließlich alle gesoffen: Weisweiler, Happel, Zebec.
    Und ich gehöre ja auch zu den Großen." (Udo Lattek)