Die ältesten noch lebenden deutschen Nationalspieler

  • Eigentlich muss es ja heißen, "mutmaßlich noch lebenden" deutschen Nationalspieler, denn man kann nicht immer sicher sein, ob einer der vielen "unbekannten" Trikotträger von einst nicht doch schon längst das Zeitliche gesegnet haben könnte. Ich verlasse mich da jetzt mal völlig auf einschlägige Artikel.


    Nachdem Anfang Mai 2024 Karl Ringel mit 91 Jahren gestorben ist (1 A-Länderspiel DFB, 2 A-Länderspiele Saar), kam ich auf den Gedanken, diese Liste zu erstellen. Von der ehemaligen Auswahl des Saarlandes lebt jetzt nur noch Werner Otto, der zugleich der älteste noch lebende deutsche Nationalspieler ist.


    Stand: 16. Mai 2024 (ohne Gewähr)


    1. Werner Otto, 95 Jahre alt. (2 Spiele für das Saarland). Geboren am 3. Januar 1929 in Saarbrücken, Zeit seines Lebens beim 1. FC Saarbrücken. 1952 beim Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfB Stuttgart dabei. Beide Länderspiele in der WM-Qualifikation gegen die Bundesrepublik (11. Oktober 1953 und 28. März 1954). Lebt heute in Saarbrücken und ist seinem 1. FCS verbunden. Letzte Meldungen anläßlich seines 95. Geburtstages (SFV gratuliert Werner Otto zum 95. Geburtstag)


    2. Rolf Fritzsche, 90 Jahre alt. (2 Spiele für die DDR). Geboren am 23. Oktober 1933 in Thüringen, in der DDR u. a. bei Chemie Rositz, DHfK Leipzig und Vorwärts Berlin aktiv, nach 1959 im Westen bei Tennis Borussia, Pirmasens, HSV und Hessen Kassel. Erstes Länderspiel für die DDR am 18. September 1955 in Bukarest gegen Rumänien, letztes Länderspiel am 20. November 1955 gegen Bulgarien. Hatte bei Sepp Herberger Einsätze für die DFB-Auswahl zur Kaderfindung zur WM 1962, die aber nicht als offizielle Länderspiele gezählt werden. Ein Meistertitel in der DDR. Letzte Meldungen zum 90. Geburtstag (Rolf Fritzsche wird 90!)


    3. Helmut Kapitulski, 89 Jahre alt. (1 Spiel für den DFB). Geboren am 29. September 1934 in Dortmund, spielte dort bei der Borussia, später Pirmasens und Kaiserslautern. Einziger Länderspieleinsatz am 19. November 1958 gegen Österreich. Zweimal Deutscher Meister mit Borussia Dortmund. Lebt in der Nähe von Pirmasens.


    4. Theo Klöckner, 89 Jahre alt. (2 Spiele für den DFB). Geboren am 19. Oktober 1934 in Mülheim/Ruhr, spielte beim Mülheimer SV und VfB Speldorf und startete beim ETB Schwarz-Weiß Essen durch. Bei Bundesligagründung bei Werder Bremen unter Vertrag, ging 1965 an den Uhlenkrug zurück und beendete seine Karriere beim VfB Speldorf. Erstes Länderspiel am 28. Dezember 1958 in Kairo gegen Ägypten, dem ersten Länderspiel Deutschlands außerhalb Europas. Zweites und letztes Spiel am 20. Mai 1959 in Hamburg gegen Polen. DFB-Pokalsieger mit Schwarz-Weiß Essen und Deutscher Meister mit Werder Bremen.


    5. Heinz Lemanczyk, 89 Jahre alt. (2 Spiele für die DDR). Geboren am 13. November 1934 in Anhalt. Aktiv größtenteils beim "Schalke des Ostens", Aktivist Brieske-Senftenberg, zuletzt bei Energie Cottbus. Debütierte am 18. September 1955 gegen Rumänien, spielte noch einmal am 14. September 1958 gegen die Rumänen.


    6. Helmut Benthaus, 88 Jahre alt. (8 Spiele für den DFB). Geboren am 5. Juni 1935 in Herne, kam als Spieler von Westfalia Herne am 21. Dezember 1958 in die Nationalmannschaft gegen Bulgarien zum Einsatz, letztes Länderspiel am 23. November 1960 in Sofia. Holte als Trainer siebenmal die Schweizer Meisterschaft, zweimal den Schweizer Pokal und einmal den Schweizer Ligapokal und 1984 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. War nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der Euro 84 als Bundestrainer im Gespräch. Lebt heute in der Schweiz. Letzte Meldung zum 88. Geburtstag (Alles Gute Helmut Benthaus!)


    7. Erwin Stein, 88 Jahre alt. (1 Spiel für den DFB). Geboren am 10. Juni 1935 in Frankfurt am Main, als Spieler von Griesheim 02 bereits in die Amateurnationalmannschaft berufen. Feierte seine größten Erfolge mit Eintracht Frankfurt und stand in Glasgow im Finale gegen Real Madrid. Seine einzige Berufung in die DFB-Elf hatte er am 13. Juni 1959 gegen Belgien, wo er auch ein Tor erzielte. Trotz seiner Topleistung wurde er nie wieder für die DFB-Elf nominiert, Sepp Herberger soll ihm verübelt haben, dass er die Amateurnationalmannschaft verlassen hatte. Deutscher Meister mit Eintracht Frankfurt 1959.


    8. Wolfgang Pfeifer, 88 Jahre alt. (2 Spiele für die DDR). Geboren am 3. Juli 1935 schnürte er zunächst seine Kickstiefel bei der SG Mickten, einem Dresdner Stadtteilverein, war dann bei Einheit bzw. Dynamo Dresden aktiv. Bestritt am 2. November 1958 gegen Norwegen sein erstes Länderspiel und war zum letztenmal am 11. Februar 1959 beim Spiel in Indonesien dabei. Gewann 1958 mit Einheit Dresden den FDGB-Pokal, wobei er im Endspiel ein Tor beisteuerte. Letzte Meldung 2020 zum 85. Geburtstag (Dynamo gratuliert Wolfgang Pfeifer zum 85. Geburtstag).


    9. Horst Kohle, 88 Jahre alt. (1 Spiel für die DDR). Geboren am 7. Oktober 1935, spielte zunächst in Schönebeck und kam über DHfK Leipzig zu Vorwärts Berlin. Mehrere Einsätze im Europapokal, in der Nationalelf nur am 25. Juni 1959 in der Europameisterschaftsqualifikation gegen Portugal am Start, wo er ein Tor erzielte. 3x DDR-Meister mit Vorwärts Berlin.


    10. Günter Jäger, 88 Jahre alt. (1 Spiel für den DFB). Geboren am 21. Dezember 1935 im Bergischen Land, spielte für 03 Hilden, VfB Benrath und schließlich Fortuna Düsseldorf, für die er am 24. September 1958 gegen Dänemark sein einziges A-Länderspiel bestritt. Erreichte mit dem Wuppertaler SV 1963 noch die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Letzte Meldung von 2020 zum 85. Geburtstag (Der Mittelläufer kickte im Estadio Bernabéu)


    Es folgen:

    11. Heinz Hergert, 1936, 1x DDR

    12. Willi Koslowski, 1937, 3x DFB (S04-Legende Willi Koslowski: „Der Schwatte“ ist jetzt 87 Jahre, 2024)

    13. Helmut Müller, 1937, 13x DDR

    14. Bernhard Steffen, 1937, 2x DFB (Fortuna-Legende „Berni“ Steffen wird 85, 2022)

    15. Manfred Walter, 1937, 16x DDR (Meisterspieler Walter und Slaby einig: Chemie Leipzig beim BAK in der Siegpflicht, 2024)

    16. Willi Giesemann, 1937, 14x DFB (Legenden- und Familientreff beim HSV, 2023)

    17. Heinz Hornig, 1937, 7x DFB (Der 1. FC Köln hat Abschied von Heinz Simmet genommen, 2024)

    18. Werner Olk, 1938, 1x DFB (Werner Olk: Adler in höchsten Sphären, 2023)

    19. Konrad Dorner, 1938, 2x DDR

    20. Ingo Porges, 1938, 1x DFB


    Anhang:

    Folgende Spieler sind in einschlägigen Internetverzeichnissen als "lebend" geführt und waren ursprünglich in dieser Liste, sind aber nach Hinweis aus dem Forum längst verstorben:


    Johannes Matzen (* 1925 / DDR)
    Alfred Reinhardt (* 1928 / DDR)
    Willi Sippel (* 1928 / Saar)

    Gerhard Marotzke (* 1929 / DDR)
    Walter Zastrau (* 1935 / DFB)


    Wäre in der Liste ("lebt" noch auf Wikipedia, DFB, Weltfussball etc.), ist aber im März 2024 verstorben: Martin Skaba, Jahrgang 1935 (Abschied: Der BFC trauert um seinen ehemaligen Kapitän Martin Skaba)

    „Meine Herren! Wie ich soeben höre, hat der Zug zwölf Minuten Verspätung!
    Zwölf kostbare Minuten! Ich bin sehr gespannt, was Sie nun mit diesem Geschenk anfangen!“

    Einmal editiert, zuletzt von Vexillum ()

  • Sehr interessante Liste, vielen Dank dafür!


    Ich habe ein wenig recherchiert und dabei ermittelt:


    Johannes Matzen

    Alfred Reinhardt

    Willi Sippel

    Gerhard Marotzke

    Walter Zastrau


    sind leider bereits verstorben.

    Wann, konnte ich nicht feststellen.


    Ältester noch lebender Nationalspieler ist demnach Werner Otto.

  • Danke für den Hinweis und die Recherchemühe. Habe schon befürchtet, dass da einige nicht mehr unter uns weilen.

    Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, wie kamst Du auf die Spur (hatte natürlich auch im Vorfeld das www durchstöbert, ein paar Traueranzeigen aufgestöbert, aber die entpuppten sich nur als Namensvettern).


    Ich werde morgen die Liste aktualisieren.

    „Meine Herren! Wie ich soeben höre, hat der Zug zwölf Minuten Verspätung!
    Zwölf kostbare Minuten! Ich bin sehr gespannt, was Sie nun mit diesem Geschenk anfangen!“

  • Ich habe die Möglichkeit bestimmte Daten einzusehen, die mit der Zeit nach

    dem Berufsleben zu tun haben, mehr möchte ich dazu nicht sagen.

    Nur soviel, der Datenschutz ist jederzeit gewährleistet gewesen.

  • Alles klar, Du musst es nicht vertiefen. Ich habe zumindest Gewissheit, nicht zu nachlässig recherchiert und zumindest die öffentlich zugänglichen Quellen ausgewertet zu haben. Danke Dir

    „Meine Herren! Wie ich soeben höre, hat der Zug zwölf Minuten Verspätung!
    Zwölf kostbare Minuten! Ich bin sehr gespannt, was Sie nun mit diesem Geschenk anfangen!“

  • Darauf kann man sich halt leider nicht verlassen.


    Dieser Herr hier z. B. (FC Singen 04, Viktoria Aschaffenburg) wird auch noch als lebend geführt, ist aber schon vor einigen Jahren gestorben (sein Sohn verscherbelte mal einige Erinnerungsstücke auf ebay, so kam ich in Kontakt und erfuhr vom Tod des ehemaligen Spielers)


    Und der Schiedsrichter mit dem griffigen Namen Bouillon wird nur deshalb als Tod geführt, weil er nach menschlichem Ermessen nicht mehr leben kann. Aber ein genaues Todesjahr habe ich über all' die Jahre nicht entdeckt.

    „Meine Herren! Wie ich soeben höre, hat der Zug zwölf Minuten Verspätung!
    Zwölf kostbare Minuten! Ich bin sehr gespannt, was Sie nun mit diesem Geschenk anfangen!“

  • ich bezweifele deine Quelle auch nicht, ich wundere mich nur. Neulich schaute ich wegen einer Bemerkung hier mal auf der Homepage eines Gelsenkirchener Kreisligavereins etwas nach und las so zufällig, dass ein Spieler von Eintracht Gelsenkirchen aus den End-60ern gestorben ist. Ich wundere mich halt nur, dass diese Nationalspieler offensichtlich so weit vom Fußball entfernt waren, dass nicht mal ihre Ex-Vereine vom Tod Kenntnis hatten.

    Ist das noch Fußball?

  • Ja, ehrlich gesagt war ich auch etwas verwundert.

    Viele Vereine legen ja eigentlich noch Wert auf ihre Tradition und

    ihre ehemaligen Spieler und schmücken sich gerne mit ihnen.

  • Ja, gerade bei den ersten beiden oben in der Liste. Matzen, immerhin im ersten DDR-Länderspiel dabei, und Reinhardt (Weißenfels dürfte nicht so viele Nationalspieler hervorgebracht haben), da wundert es mich auch, dass die so spurlos gegangen sind.

    Bei Sippel hatte ich sowas schon geahnt, da der Saarländische Verband zum 90. Geburtstag noch gratulierte, zum 95. Geburtstag aber nicht (bei Otto, ein paar Wochen davor, aber schon).

    „Meine Herren! Wie ich soeben höre, hat der Zug zwölf Minuten Verspätung!
    Zwölf kostbare Minuten! Ich bin sehr gespannt, was Sie nun mit diesem Geschenk anfangen!“

  • Ich kann es aus der Wessiperspektive nicht beurteilen, aber vielleicht gab es

    bei vielen Vereinen aus der ehem. DDR in der unmittelbaren Wendezeit doch

    einen deutlichen Bruch mit der eigenen Geschichte.

    Später hat man wahrscheinlich versucht das wieder zu kitten, aber manches

    war dann eben unwiederbringlich verloren.

  • Ja, ehrlich gesagt war ich auch etwas verwundert.

    Viele Vereine legen ja eigentlich noch Wert auf ihre Tradition und

    ihre ehemaligen Spieler und schmücken sich gerne mit ihnen.

    zumal Willi Sippel noch 2014 auf Ehrungen anlässlich des Spiels 54 gegen Deutschland auftauchte und wie beschrieben 2019 noch in den Medien war. Zumindest er war also nicht von Fußball entfernt lebend

    Ist das noch Fußball?

  • Ich könnt schwören, dass ich Theo Klöckner sogar noch ab und an in den letzten 5 Jahren unbewusst beim VfB Speldorf gesehen habe, zumindest wenn ich den Namen grad mal in die Google-Bildsuche eintipper. :denken:


    Müsst man eigetnlich mal Nachforschungen betreiben.

  • Ich habe die Liste mal aktualisiert, natürlich wieder mit dem gleichen Vorbehalt wie gestern. Dabei entdeckt, dass der ehemalige DDR-Nationalspieler Martin Skaba im März d. J. verstorben ist, bei den "üblichen Verdächtigen" aber noch lebt.

    „Meine Herren! Wie ich soeben höre, hat der Zug zwölf Minuten Verspätung!
    Zwölf kostbare Minuten! Ich bin sehr gespannt, was Sie nun mit diesem Geschenk anfangen!“