Beiträge von matz

    Platz 44. Hamm (179.916 Einwohner)


    1. Westfalia Rhynern (OL/5)


    2. Hammer SpVg (OL/5)


    3. Sport Gemeinschaft Bockum-Hövel 2013 (LL/6)


    4. TuS 1910 Wiescherhöfen (LL/6)


    5. SV Eintracht Heessen (BL/7)



    Die nächste Großstadt im Revier, Hamm, das östliche Tor zum Ruhrgebiet. Durch das Münster-Hamm-Gesetz 1975 wuchs Hamm erheblich um die Stadtteile Bockum-Hövel, Heessen, Pelkum, Rhynern und Uentrop. In der Region ist Hamm vor allem für seinen im wahrsten Wortsinn „zugigen“ Bahnhof bekannt, jedenfalls habe ich dort immer nur Wind erlebt. Er ist einer der größten Eisenbahnknotenpunkte und Umsteigebahnhöfe weit und breit. Fußballhistorisch ist Hamm Prototyp eines Oberliga-Standorts, vertreten in Form der Hammer Spielvereinigung 03/04.


    Doch zuvor ein Rückblick auf das große Spiel des Jahres 1975. Es geht um den Aufstieg. 3.800 Zuschauer sind vor Ort. Trainer Werner Lorant tigert an der Seitenlinie und vorne macht ein Europameister alles klar: Mit zwei Toren sichert Horst Hrubesch den Sieg. Klar, um welches Spiel es sich handelt: Der SC Westtünnen schlägt den SV Herbern 3-0 und steigt in die Landesliga auf. Während es für Horst Hrubesch noch ganz nach oben und zum großen HSV geht, ist für Westtünnen in der Landesliga Schluss. 2008 fusioniert man mit dem TSV Berge 09 zum heutigen Kreisligaverein Hammer SC 2008.


    Zurück zur Hammer SpVg. Die entsteht 1922 durch die Fusion des Fußballclub von 1903 und des Hammer Spielverein von 1904. Ersterer ein Verein von Realschülern, letzterer ursprünglich aus der Hammer Kaufmannschaft entsprungen. Obwohl zeitweilig der größte Club Westfalens reicht es vor dem Krieg aber nie zu einem Spitzenplatz. Nach dem Krieg pendelt der HSV zunächst zwischen dritter und vierter Liga. Ab 1957 sind die Hammer Stammgast in der Verbandsliga, bevor 1966 der Coup gelingt. Mit dem SSV Hagen, dem VfR Neuss und dem Bonner SC streiten die Roten um den Aufstieg in die Regionalliga West. Zum Entscheidungsspiel am Hertener Katzenbusch gegen Hagen reisen 2.500 Hammer Fans. Der Sieg erfolgt nicht auf dem Platz, sondern per Groschenwurf. Weil sich die anschließenden Verbandsstreitigkeiten hinziehen, zudem unnütz, weil am Ende alle vier Vereine aufsteigen werden, gehen die Hammer ohne große Neueinkäufe in das Abenteuer Regionalliga und steigen prompt wieder ab. Immerhin sehen 18.000 Fans in dieser Saison das Gastspiel der Arminia aus Bielefeld.


    In den Folgejahren kratzen die Hammer hin und wieder erfolglos am Aufstieg, In den 80ern spielt die Hammer SpVg konstant Oberliga. Danach wechselt der Verein aus dem Hammer Osten häufiger zwischen Ober- und Verbandsliga. In der kurzlebigen NRW-Liga darf die SpVg immerhin wieder über die Grenzen Westfalens hinaus reisen. Seit 2012 ist der Verein wieder am angestammten Platz in Westfalens Oberhaus.


    Das Schicksal will es, dass die Hammer SpVg immer wieder vor Ort durch einen Stadtteilclub herausgefordert wird. Ab 1976 etwa für zwei Jahre vom Spielverein Herringen, der seit einer Fusion 2003 mit Fortuna Herringen nun SV Fortuna Herringen heißt und heute in der Kreisliga A spielt.


    Viel ärger trifft die SpVg aber der Aufstieg des Sportclub Eintracht Hamm in den 1980er Jahren. 1970 fusioniert der VfR Heessen mit dem TuS 1945 Heessen zum SC Eintracht Heessen. Vorstand wird der Chef der Spar- und Darlehenskasse Heessen. 1975 wird Heessen nach Hamm eingemeindet, aus der Spar- und Darlehenskasse wird die Hammer Bank, die fortan höherklassige Spieler mit Anstellungsverträgen bei der Bank nach Hamm lockt. Dergestalt mit Finanzmitteln ausgestattet ist die Oberliga 1981 erreicht, die Hammer Derbies ziehen rund 7.000 Zuschauer an. 1983 steht die Eintracht schon in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. 1984 nennt sich der Verein folgerichtig nur noch Eintracht Hamm. 1985 spielt der SCE noch einmal erfolglos in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Allerdings gibt sich zu diesem Zeitpunkt beim Sponsor Hammer Bank die Staatsanwaltschaft schon die Klinke in die Hand. Die Genossenschaftsbank war nämlich schon 1975 eigentlich insolvent, aber war stattdessen durch gezielte Manipulationen zum größten Hammer Kreditinstitut aufgestiegen. Sonderprüfungen lassen 1984 schließlich die Blase platzen, Bankchef Schulte geht ins Gefängnis. Mit einer Million Mark Schulden stürzt die Eintracht in Folge der Bankenpleite bis in die Kreisliga und schrammt nur knapp an der Auflösung vorbei. 2006 fusioniert der SC Eintracht Hamm mit dem SV 26 Heessen zum Spielverein Eintracht 22/26 Heessen.


    Gegenwärtig ist Westfalia Rhynern die Nummer Eins in Hamm. Rhynern ist vielen Menschen im Revier eigentlich nur wegen der Tankstelle an der Autobahn A2 bekannt. Die steht da schon seit 1938, denn eigentlich war von hier aus mal die Autobahn Hamm-Kassel geplant, die aber nie gebaut wurde. Weil den Nazis modernistische Tankstellen im amerikanischen Stil verhasst waren, ordneten sie für Rhynern einen Bau im so genannten Heimatstil an, der an ein westfälisches Bauernhaus erinnern sollte. Der Bau steht noch heute da, wird mittlerweile als Autobahnkapelle genutzt. Die Hammer Geschichtsschreibung berichtet übrigens auch von reger Prostitution an der Rhyner Raststätte in den 50er Jahren, weshalb hier schon frühzeitig eine Autobahnmission eingerichtet wurde. Alles Serviceleistungen, die es heute an Autobahnraststätten nicht mehr gibt. :kicher:


    Die Westfalia aus Rhynern kommt da schon weit weniger historisch daher. Erstmals als TSV 1935 und neu 1946 als Westfalia gegründet. Eigentlich taucht sie erst 1997 mit dem Aufstieg in die damals fünftklassige Verbandsliga auf. 2010 ist Rhynern schon in der NRW-Liga dabei, seitdem konkurrieren die Rhyner, offensichtlich ganz gut mit Sponsoren ausgerüstet, mit der Hammer SpVg um die Vorherrschaft in der Stadt. 2017 spielt Westfalia Rhynern für ein Jahr in der Regionalliga West, nachdem zuvor schon einmal der Aufstieg an der fehlenden Lizenz gescheitert war. Wie immer in der Hammer Fußballgeschichte reicht es aber auch für Rhynern nicht zu einem dauerhaften Ausflug über die Grenzen Westfalens hinaus.


    Erwähnenswert sei noch der Fusionsverein SG Bockum-Hövel, in einem der Vorgängervereine, dem SV Bockum-Hövel, erlernte Bernhard Dietz das Fußballspielen.


    Wunsch: Die Hammer SpVg spielt mal wieder Regionalliga.

    Du hast vergessen, dass für den FSV Oggersheim das Südweststadion so halbwegs renoviert worden ist, damit die dort ihre Regionalligaspiele austragen können. Überhaupt hast du eines der größten deutschen Stadien vergessen zu erwähnen... Immerhin hat da ja Kaiserslautern einige Oberligaspiele und Waldhof 6 seiner 7 Saisons in der 1.Bundesliga gespielt. Oder hab ich das alles überlesen? :pikiert1:

    Das kommt dann bei: 81 deutsche Großstädte und ihre Top-Stadien :lachen:

    Bis dahin kannst du ja damit vorliebnehmen :kicher:


    Platz 45: Ludwigshafen (172.253 Einwohner)



    1. FC Arminia 03 Ludwigshafen (OL/5)


    2. SV 1925 Ruchheim (LL/7)


    3. SV Südwest Ludwigshafen (LL/7)


    4. Ludwigshafener SC (BL/8)


    5. BSC 1914 Oppau (BL/8)


    Die 100.000-Euro-Frage für Fußball-Nerds: Welche deutsche Stadt hatte neben Berlin und Hamburg nach dem Krieg in einer Saison vier Erstligisten? Wer käme da auf Anhieb auf Ludwigshafen? 1961 steigt der BSC Oppau in die Oberliga Südwest auf. Dort befindet sich schon das Trio TuRa Ludwigshafen, SV Phönix und der Ludwigshafener SC. Bei der Gründung der Regionalliga Südwest 1963 sind auch alle vier Vereine dabei. Ein Jahr später sind es nur noch drei. TuRa und Phoenix fusionieren zum SV Südwest.


    Nun stößt man Internet ja oft auf unschöne Dinge. Etwa, dass Ludwigshafen in den umliegenden Städten früher oft Lumpenhafen genannt wurde. Wegen des industriellen Stadtbilds und der Arbeiterschaft. Dem Fußball hat die Arbeitertradition aber wenig genutzt. Wobei es fast schon wieder eine interessante Frage wäre, warum manche Industrien den Fußball sehr gefördert haben, andere eher nicht.


    Der Reihe nach: Am Anfang stehen vor allem drei Clubs.


    1903 gründete ehemalige Mittelschüler den FC Pfalz 1903. Ein Jahr später entstand in der Südstadt der etwas volksnähere FC Phönix. 1936 zwangen die Nazis die Vereine zusammen mit Ringern, Stemmern, Kanuten und Turnern in den Großverein TSG 1861 Ludwigshafen. Nach dem Krieg machten sich die Fußballer wieder selbständig, diesmal als SV Phönix 03 Ludwigshafen. Von den „Pfälzern“, deren Stadion im Krieg zerbombt worden war, blieb nur das 03 im Vereinsnamen.


    In Norden der Stadt im Schatten des BASF-Werks schlossen sich 1938, allerdings freiwillig, die Ludwigshafener FG, der MTV 1882 Ludwigshafen und der SC Germania Ludwigshafen zu TuRa 1882 Ludwigshafen zusammen.


    In den 1950er Jahren wechselte die Vormachtstellung im Ludwigshafener Fußball regelmäßig. Kein Verein konnte sich aber eine Spitzenstellung im Südwesten erkämpfen. 1964, in Zuge der Bundesliga-Euphorie, sollte auch in Ludwigshafen Bundesligafußball möglich werden. TuRa und Phönix fusionierten zum SV Südwest 1882 Ludwigshafen mit dem Anker aus dem Ludwigshafener Stadtwappen im Emblem. Obwohl durchaus Geld vorhanden war, wurde aus der Fusion zweier durchschnittlicher Clubs ein mittelmäßiger Club. Zwischen 1969 und 1971 waren die Ludwigshafener immerhin als Dritte nah an der Aufstiegsrunde. Der Zuschauerschnitt stieg von rund 2.500 auf 4.500 Zuschauern. Danach erlosch das Interesse der Sponoren und Fans wieder. Südwest spielte zwar durchgehend in der Regionalliga, für die zweite Bundesliga reichte es aber nicht. Bis 1996 blieb man immerhin in den höchsten Südwest-Ligen und hatte in frühen 90ern noch mal Aufstiegshoffnungen. Danach ging es runter bis in die Bezirksliga.


    Im Schatten der Ludwigshafener Großvereine blieb stets der Ludwigshafener Sport Club 1925. Anfangs als Allgemeiner Sportverein Hochfeld in der Ludwigshafener Gartenstadt gegründet, war der LSC eine Fahrstuhlmannschaft in der Oberliga und später in der Regionalliga. Ab 1978 waren die Hochfelder nur noch in den unteren Amateurklassen zu finden. Zuletzt ging es innerhalb kurzer Zeit von der Verbandsliga in die Bezirksliga. Stolz sind die Hochfelder allerdings, sich den zahlreichen Fusionen im Ludwigshafener Fußball nie angeschlossen zu haben.


    Der vierte Club in jener Saison 1961/62 war der BSC Oppau. Beim Lesen fiel mir auf, dass mir Oppau erst jüngst untergekommen ist, allerdings nicht im Zusammenhang mit Fußball. Die traurige Erkenntnis: Als vor einem Jahr das Hafenviertel in Beirut durch eine Ammoniumnitrat-Explosion dem Erdboden gleichgemacht wurde, erinnerten Zeitungen an das Jahr 1921, als das Stickstoffwerk der BASF in Oppau explodierte, die größte Industriekatastrophe in der deutschen Geschichte. Es starben nicht nur rund 560 Menschen, selbst in nicht gerade nebenan liegenden Wormser Dom haute es die mittelalterlichen Fenster aus der Fassade. Für ein Jahr ruhte auch der Fußball in Oppau angesichts der immensen Schäden.


    Die BASF hatte aus dem damals noch selbständigen Bauerndorf Oppau einen weiteren Industriestandort in der Region gemacht. 1914 gründete sich in Oppau die „Fußballgesellschaft 1914". Der Name war ein Dank an die Geburtshelfer von der Ludwigshafener FG. Auch in Oppau wurden die Vereine im Dritten Reich unter das Dach eines Großvereins gezwängt. Erst 1950 enstand der Ball-Spiel-Club 1914 Oppau. Mit dem Aufstieg 1961 in die Oberliga spielte man fünf Jahre mit den großen Namen des Südwestens. Danach ging es in den 80ern bis in die Kreisliga. Heute spielt der BSC in der Bezirksliga, peilt aber immer mal wieder die Landesliga an.


    Eher eine skurrile Episode im Ludwigshafener Fußball war der kurzlebige Höhenflug des FSV Oggersheim. Oggersheim war in Deutschland lange Zeit nur als Wohnort von Helmut Kohl bekannt und wenn man dem Altkanzler fehlende Weltläufigkeit und dröge Provinzialität nachsagen wollten, hob man als Wohnort gern Oggersheim statt Ludwigshafen hervor. Auch der FSV war ein typischer Provinzverein, bevor ein kretischer Multimillionär das große Rad drehen wollte. 2005 stieß der FSV in die Oberliga vor und war plötzlich Nummer Eins in Ludwigshafen. 2007 war der hochgezüchtete Verein in der Regionalliga Süd angekommen. 2009 endete der Aufstieg und Fall der Oggersheimer mit der Insolvenz. Der Nachfolgeverein spielt in der B-Klasse.


    Die heutige Nummer Eins in der Industriestadt ist der Fußballclub Arminia 03, ursprünglich FC Arminia Rheingönheim. Lange Zeit im unterklassigen Fußball beheimatet ging es ab 2005 bergauf. 2011 gelang erstmals der Aufstieg in die Oberliga, wo man seit 2018 wieder beheimatet ist.


    Es gibt noch einige Namen mehr im Ludwigshafener Fußball, den VfR Friesenheim, der seine Blüte in den 50er Jahren hatte, den ehemaligen Gauligisten Mundenheimer Spielvereinigung, heute MSV Ludwigshafen und natürlich die gegenwärtige Nummer Zwei, den SV Ruchheim.


    Wunsch: LSC, Oppau und Südwest steigen wieder auf.

    Nein, gibt es nicht. VW hat kein Werk in Österreich. Keine Ahnung wie man in WOB ausgerechnet auf St. Pölten kommt.

    na, weil St. Pölten in Österreich die "Wölfe" genannt werden :lachen:

    St. Pölten hat einen international tätigen Spielerberater als externen Berater, der den Verein international vermarktet. Angeblich sind noch mehr Clubs auf die Idee angesprungen, aber Wolfsburg hat das beste Angebot gemacht. In St. Pölten hoffen sie nun, dass auch österreichische Talente nicht mehr nur nach Salzburg gehen, mit der Hoffnung über St. Pölten nach Wolfsburg in die Bundesliga zu kommen.

    Jetzt wird es schwer, die Absteiger vorherzusagen. Hertha und Köln dürften noch drei Punkte gegen Schalke holen. Dann fällt die Entscheidung im direkten Vergleich. Ebenso bei FCA vs Werder. Bielefeld muss unbedingt Hoffenheim schlagen.

    Interessant finde ich die Geschichte mit Kettwig, dass das quasi an Oberhausen, Essen und Mülheim aufgeteilt worden ist mehr oder weniger....

    Nur Essen und Mülheim.


    Auf meinen Ruhrpottwanderungen bin ich auch mal vom Oberhausener Gasometer am Kanal zur Ruhr und dann nach Mülheim gelaufen. Da kam ich auch am Ruhrstadion vorbei und ich kann sehr gut verstehen, dass man das als Mülheimer als völlig abgelegen empfindet. Im übrigen war das auch die unschönste Ecke von Mülheim, in der ich gewandert bin. Im Vergleich zu Saarn oder Mintard (bekannt auch wegen der monumentalen "Selbstmörder-Brücke" über die Ruhr), aber auch zum Umland des Flugplatzes Essen-Mülheim, die landschaftlich deutlich schöner sind.

    nach einiger Netzrecherche bezog sich das wohl auf eine Straßenbahnansage in den 60/70ern. Durch den Spruch und den gleichzeitigen Höhenflug der Styrumer war mir dieser Name in der Kindheit etwas überpräsent (im Vergleich zu seiner Bedeutung innerhalb des Ruhrgebiets)

    Platz 46: Mülheim an der Ruhr (170.632 Einwohner)


    1. DJK Blau-Weiß Mintard (LL/6)


    2. Mülheimer FC 1997 (LL/6)


    3. VfB Speldorf (LL/6)


    4. Mülheimer SV 07 (BL/7)


    5. Rot-Weiß Mülheim (BL/7)



    Mülheim an der Ruhr wurde durch eine offensive Eingemeindungspolitik schon 1908 Großstadt. Insbesondere die grünen Stadtteile links der Ruhr kamen so zu Mülheim.


    Fußballerisch lässt Mülheim mit drei Landesligisten immerhin die Revierstädte Moers, Bottrop und Recklinghausen hinter sich. Dazu gesellen sich zwei Spielzeiten in der 2. Bundesliga Nord. Diese gehen auf den 1. FC Mülheim-Styrum 1923 zurück. Die Styrumer Löwen spielten von 1974 bis 1976 in der Zweitklassigkeit (wenn ich als Kind träumend vor mich hin STIERTE, pflegte mein Vater mich mit „STYRUM, Endstation, alles aussteigen“ zu wecken. Styrum war zu jener Zeit wohl ein revierweit bekannter Umsteigebahnhof).


    Der 1. FC Mülheim-Styrum teilt seine Wurzeln mit Rot-Weiß Oberhausen. Der Styrumer Spielverein fusionierte 1923 mit dem Oberhausener SV 04 zur SpVgg Oberhausen und Styrum. Das kränkte den Lokalstolz einiger Styrumer, die mit Oberhausen nichts am Hut hatten. Sie spalteten den 1. FC Styrum ab. Aus dem restlichen Verein ging später RWO hervor. Hintergrund des Fusionsproblems war, dass Mülheim einst nur Teile von Styrum eingemeindete, die eher nicht so dicht besiedelt waren. Der Rest ging an Oberhausen.


    Mit dem Essener Antennenbau-Unternehmer Albert Becker als Trainer gelang den Styrumern innerhalb von drei Jahren der Aufstieg von der Landesliga in die 2. Bundesliga, auch wenn die Qualifikation nur gelang, weil im entscheidenden Jahr 1974 Tennis Borussia Berlin in die Bundesliga aufstieg und Blau-Weiß 90 auf den freigewordenen Berliner Qualifikationsplatz für die 2. Bundesliga Nord verzichtete. Ins Mülheimer Ruhrstadion kamen zu der Zeit auch schon mal an die 18.000 Zuschauer gegen Rot-Weiss Essen. In der Zeit fiel das Styrum im Namen auch öfter mal weg, der 1.FC fühlte sich als Nummer Eins und Repräsentanz-Verein der Stadt auch im Vergleich zum Lokalrivalen VfB Speldorf. Nach zwei Jahren ging es allerdings mit 1,6 Millionen Mark Schulden wieder in den Amateurfußball. Das Mülheimer Fußball-Wunder war Geschichte. Heute spielen die Löwen in der Kreisliga A.


    Einen Eindruck vom Fußball im Jahr 1974 in Mülheim bietet dieses Super 8-Filmchen vom Spiel Styrum gegen Wattenscheid 09.


    https://www.youtube.com/watch?v=iPrZxtsox-c


    Der eigentlich dauerhaft führende Verein der Stadt ist der VfB Speldorf. Er entstand 1919 aus dem SC Preußen Speldorf und dem BV Rheinland Speldorf. Der links der Ruhr gelegene Verein fuhr 1956 sogar zum Finale nach Berlin, auch wenn es nur das Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft war und gegen die Spvgg Neu-Isenburg verloren ging. Speldorf hat von der Bezirksliga in den 60ern bis zur Oberliga in den 80ern alle überkreislichen Ligen mitgenommen. 2004 waren die Speldorfer wieder in der Oberliga angekommen. 2008 schaffte es der VfB für drei Jahre sogar in die NRW-Liga. Nach deren Auflösung pendelten die Mülheimer zwischen Oberliga und Landesliga. Nachteilig wirkte sich für den stadtteilverbundenen Club der Verlust der Heimspielstätte am Blötter Weg aus, seither ist man mehrfach umgezogen.


    Der VfB Speldorf teilt seine Landesligazugehörigkeit zurzeit mit dem türkisch geprägten Mülheimer FC 97 und dem DJK Blau-Weiß Mintard. Mintard gehörte bis in die 70er Jahre zur selbständigen Stadt Kettwig. Als die Essen zugeschlagen wurde, kamen die Mintarder eher unfreiwillig zu Mülheim. Blau-Weiß wurde 1950 gegründet, als einige Sportsmänner das Geld für eine Tischtennisplatte beisammen hatten. Fußball wurde dort erst später gespielt. Vielleicht nicht ganz untypisch für die eher unterentwickelte Fußballgeschichte der Stadt, in der aber immerhin erstklassig Hockey und Schach gespielt wurde.


    Wunsch: Der VfB Speldorf kehrt in die Oberliga zurück.

    Platz 47: Oldenburg (169.077 Einwohner)


    1. VfB von 1897 Oldenburg (RL/4)


    2. VfL Oldenburg (OL/5)


    3. Glück auf-Victoria-OTI Oldenburg (BL/7)


    4. Sportverein Blau-Weiss Bümmerstede (BL/7)


    5. SV Eintracht Oldenburg (KL/8)


    Oldenburg ist die drittgrößte Stadt Niedersachsens. Das hat man nicht unbedingt auf dem Schirm, zeigt aber auch, dass Niedersachsen eher arm an Ballungsräumen ist. Oldenburg ist seit 1946 Großstadt, auch durch den Zuzug von Flüchtlingen. Als ehemalige Residenzstadt ist Oldenburg von jeher Sitz von Verwaltung, Militär und Justiz. Daher auch der Ruf als Beamtenstadt mit einer hohen Zahl von Beschäftigten im öffentlichen Dienst.


    Vielleicht ist das der Grund, warum im Gegensatz zur verwirrenden Fusionsgeschichte in Städten mit höherer Arbeitertradition die Situation in Oldenburg recht übersichtlich daherkommt. Es gibt den VfB Oldenburg, den VfL Oldenburg und es gab Victoria Oldenburg.


    Der VfB Oldenburg wurde 1897 als F.C. Oldenburg von Oberrealschülern gegründet. Der Fußball Verein Germania von 1903 wurde von Absolventen des Lehrerseminars aus der Taufe gehoben. 1919 fusionierten beide Clubs zum VfB. Auch wenn man den VfB als ehemaligen Zweitbundesligisten wahrnimmt, waren die Erfolge eher übersichtlich. Zwischen 1947 und 1963 gelang es dem VfB nie, sich länger als drei Spielzeiten in der Oberliga zu etablieren. Ab 1963 spielte der VfB bis auf ein Jahr zwar in der Regionalliga Nord, allerdings meist im Tabellenkeller. So reichte es auch nicht zur Qualifikation für die 2. Bundesliga Nord. Bis auf einen einmaligen Ausflug in die 2. Bundesliga blieb der VfB bis 1990 in der Oberliga. Das große Jahr des VfB kam 1991/92, als die Huntestädter knapp am Aufstieg in die Bundesliga scheiterten.


    Die sehenswerte Doku zu dieser Saison


    Danach ging es für den VfB zeitweilig bis in die Fünftklassigkeit. Das letzte Oldenburger Derby wurde in der Saison 2018/19 gespielt, als der kleine Nachbar VfL Oldenburg es einmal kurz in die Regionalliga schaffte. Ansonsten blieb der VfL meist immer im Schatten des VfB. Im VfL Oldenburg stecken der 1894 gegründete TV Jahn Oldenburg, der SV Frisia Oldenburg und der SV Oldenburg. Als VfL tritt der Club seit 1934 an. 1963/1964 gehörten die Grünen überraschend zu den Gründungsmitgliedern der Regionalliga Nord, traten vor 20.000 zum Derby gegen die Blauen an, stiegen aber nicht nur zum Ende der Saison ab, sondern verloren auch noch zahlreiche Spieler an den VfB. Die Folgejahre verbrachte der VfL meist in der Fünft- oder Sechstklassigkeit.


    In der Nachkriegszeit stand der VfL auch im Schatten von Victoria Oldenburg. Die Victoria entstammt dem Oldenburger Industrieviertel Osternburg. 1947 gründeten Kaufleute eine Interessengemeinschaft Kickers Oldenburg mit dem Ziel, einen Oldenburger Top-Clubs zu finanzieren. Als SuS Kickers-Victoria Oldenburg sorgte der Verein bis zur Pleite 1950 auch für Furore. Der Nachfolgeverein SSV Victoria durfte in der Amateuroberliga Niedersachsen weiterspielen. So waren in der damals zweiten Liga zeitweilig alle drei Oldenburger Vereine ansässig, wobei die Victoria den VfL meist hinter sich ließ. In der Saison 57/58 qualifizierten sich sogar VfB und Victoria für die Aufstiegsspiele zur Oberliga Nord. Damit war der Zenit bei der Victoria überschritten. In der Folgezeit ging es bis in die Kreisliga herunter. 1995 hatten die Victoria ebenso wie der TV Glück auf Oldenburg und die Oldenburger Tennisinitiative Probleme mit ihrern Spielstätten. Gemeinsam zog man in den neuen Sportpark Osternburg und fusionierte zum heutigen GVO Oldenburg (womit man sich bei Google hinter einer gleichnamigen Versicherung einreihen muss).


    Wunsch: Eigentlich ist der VfB auf norddeutscher Ebene gut aufgehoben, da es aber im Norden an Standorten mit Zuschauerpotenzial mangelt, hätte ich gegen einen Aufstieg nichts einzuwenden.

    Die Wirtschaftsprüfer haben im letzten Abschlussbericht eindeutig geschrieben

    Zitat


    Dies deutet auf das Bestehen einer wesentlichen Unsicherheit hin, die bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Vereins zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen kann und die ein bestandsgefährdendes Risiko im Sinne des § 322 Abs. 2 Satz 3 HGB darstellt.“

    Die Trennung von den Großverdienern und die Erzielung von Transfererlösen ist unumgänglich. Im Grunde müssen die Kaderkosten auf ein Drittel reduziert werden. ich glaube nicht, dass man da mit Gehältern hausieren geht, die über denen des HSV liegen, der ja schon Ligaspitze ist.