Beiträge von linkinkev

    Der MSV ist im breiten Mittelfeld durch einen dreckigen Kampfsieg. Letzte Woche Stimmung komplett depri, jetzt ist der Relegationsplatz 3 Punkte weg. Nene, diese Tabelle ist auch nach 10 Spieltagen noch nicht so richtig aussagekräftig.


    9. Platz im Winter, das wäre wünschenswert.

    Das Problem ist, dass Carlsen sich in keiner Weise äußert. Er verweigert aktuell alle Interviews - vermutlich weil eventuelle Anschuldigungen ohne Beweise kämen und damit rechtlich problematisch wären. Und bis dahin wird es auch keine Auflösung geben ob vielleicht mehr als nur Cheating im Raum steht oder was noch vorgefallen ist.

    Das Statement von Carlsen kam nun:


    Schachweltmeister Magnus Carlsen wirft Hans Niemann erstmals konkret Betrug vor
    Nach einem Zug beendete er eine Onlinepartie gegen den Amerikaner Hans Niemann. Jetzt sagte Schachweltmeister Magnus Carlsen auf Twitter, warum: Weil sein…
    www.spiegel.de

    Achtelfinale:


    ASV Mettmann - SSVg Velbert
    Mülheimer FC 97 - Wuppertaler SV
    1. FC Kleve - SV Sonsbeck
    SpVg Schonnebeck - Germania Ratingen 04/19
    TuRU Düsseldorf - 1. FC Bocholt
    TSV Meerbusch - Sportfreunde Hamborn 07
    ETB Schwarz-Weiß Essen - Rot-Weiss Essen
    KFC Uerdingen - MSV Duisburg / Rot-Weiß Oberhausen

    Sinquefield-Cup war eine Realschachpartie mit langer Bedenkzeit (umgerechnet ca. 3 Stunden pro Spieler).


    Die Partie, die er nach einem Zug aufgegeben hat war eine Online-Partie.

    Ich versuche das mal für euch einzuordnen.


    Hans Niemann ist ein 19-Jähriger Großmeister, der es während und nach der Corona-Krise in die Weltspitze geschafft hat.


    pasted-from-clipboard.png


    Die Rating-Entwicklung ist wirklich bemerkenswert, in 2 Jahren ging es von 2450 (beachtliche Spielstärke zum Rest der Welt, in der Spitze aber eher ein schwacher Großmeister) bis auf ca. 2700, die Schallmauer ab der man heutzutage zu den Top 40 der Welt gehört und damit im "Inner Circle" der Turnierszene erscheinen wird.


    Zu betonen ist: Niemann ist hier kein Einzelfall. In den 2 Corona-Jahren haben wenig echte Turniere stattgefunden während Jugendliche aber viel trainiert haben, online gespielt haben und so die Spielstärke gestiegen ist. Das Rating kommt nun also mit Verspätung. Man muss sich nur mal die Erfolge der Jugendmannschaften aus Usbekistan und Indien bei der zuletzt stattfindenden Schacholympiade angucken und man sieht: Die Jugend ist in 2 Jahren sehr stark geworden und rückt der alten Garde (und damit meine ich die Jahrgänge 85-95) ziemlich auf den Pelz.


    Allgemein ist beim Schach das Computer"doping" ein großes Problem. Jeder Computer ist stärker als selbst der beste Schachspieler aufgrund von Ausdauer, Rechentiefe, Komplexität und Datenbankwissen. Ein Amateur, der sich in kritischen Stellungen Hilfe holt, wird jede Partie gewinnen. Nur brauchen Amateure halt jeden Zug Hilfe. Oder bei forcierten Varianten vielleicht jeden 3. Zug.


    Bei Großmeistern auf Toplevel reicht es wahrscheinlich an einer kritischen Stelle auf die Engine zu gucken. Es geht hier nur darum, eine Idee zu bekommen, einen Anhaltspunkt, die Berechnung schaffen die Topleute selber. Die reine Info "an dieser Stelle gewinnt Weiß" wird bei diesen Leuten schon reichen, dass sie dann den entscheidenden Zug auch finden.


    Jetzt ist es aber so, dass Enginezüge in vielen Stellungen recht offensichtlich "nicht menschlich" sind. Was ich damit meine ist: Ein Mensch folgt einem logischen Plan, er stellt Drohungen auf, versucht Disbalancen zu erstellen, berechnet konkrete Zugfolgen, die aber idR auf ein klares Ziel hinauslaufen. Ein Computer bewertet jede Stellung aufs neue, es findet keine emotionale Abwägung statt. So kann der Computer öfter mal "unmenschliche" Züge und Zugwiederholungen vorschlagen, welche dann offensichtlich auf Cheating hinweisen.


    Außerdem kann man Cheating erkennen, wenn die Übereinstimmung mit dem Besten bzw. idR den besten 3 Computer-Zügen zu hoch ist. Selbst Top-Großmeister schaffen über eine Turnierpartie hinweg kaum mehr als 70 % Übereinstimmung. Wenn also grade bei einer Online-Blitzpartie (3 Minuten statt 3 Stunden für eine Partie) die Übereinstimmung bei 90% und mehr liegt, dann deutet das in den meisten Fällen auf Cheating hin.


    Während Corona haben z.B. über chess.com große Blitzturniere stattgefunden. Erstmals (zumindest wie es mir bekannt ist) auch um Geld. Hier haben sich viele Profis etwas dazuverdient, grade wo das normale Einkommen durch Realpartien weggefallen ist. Beim Online-Schach ist Betrug noch simpler als real. Während man bei einer echten Partie sein Handy auf dem Klo verstecken müsste oder noch komplexer, über Funk mit jemand anderem verbunden sein müsste, reicht es online ja schon, in einem anderen Tab die Engine laufen zu lassen. (Das hat übrigens in den letzten 30 Jahren schon das Fernschach, früher Betätigung per Postkarte, ziemlich platt gemacht, das wird kaum mehr gespielt bzw. hier ist Engineunterstützung erlaubt)


    Bei diesen Online-Turnieren wurde von den Spielern verlangt mit 2 eingeschalteten Kameras zu spielen: Eine aufs Gesicht und eine auf den Bildschirm gerichtet. Damit sollte Betrug verhindert werden.


    Dennoch hat Hans Niemann online schon betrogen, laut eigener Aussage aber als Kind mit 12 bzw. 16 Jahren. (chess.com hat nach dem Interview bekannt gegeben, dass die Darstellung von Niemann so nicht stimmt. Es deutet also darauf hin, dass er öfter online betrogen hat)


    Wir spulen vor zum Sinquefield-Cup in St. Louis. Das Teilnehmerfeld ist exquisit und Hans Niemann ist als junger Aufsteiger zum meines Wissens ersten Mal bei so einem großen Turnier dabei, als Amerikaner mit dieser steilen Kurve wurde er eingeladen.


    In der dritten Runde gab es dann die Paarung Carlsen vs. Niemann - und Niemann konnte mit Schwarz gegen Carlsen gewinnen. Zu betonen ist: Die Partie ist, wenn man sich die Züge und Bewertungen anguckt, absolut unverdächtig! Carlsen machte Fehler, gerade in seiner Paradedisziplin, der Übergang ins Endspiel bzw. vorher im Mittelspiel und Niemann konnte diese Fehler ausnutzen.


    Am folgenden Tag spielte Hans Niemann seine Partie gegen Alireza Firouzja und sorgte mit einem verrückten Figurenopfer für Aufsehen. Aufsehen erregte das Interview nach dem Spiel, in dem er seltsame Varianten zeigte, seine Ideen nicht wirklich erklären konnte und generell unsicher auftrat. Das hörte sich nicht nach einem Top-GM an, worauf sich dann viele andere Spieler und Kommentatoren gestürzt haben.

    Gleichzeitig trat Carlsen mit dem inzwischen berühmten Tweet vom Turnier zurück, ein noch nie dagewesener Moment. Carlsen hatte selbst bei schwächeren Auftritten das Turnier immer zu Ende gespielt.


    Daraufhin ging der große Shitstorm los, aber wie gesagt: die Partie an sich war unverdächtig meiner Meinung nach. Den viralen Vorschlag, dass Hans Niemann über einen analen Vibrator gecheatet haben konnte, war übrigens eigentlich nur ein Scherz eines Twitch-Users im Chat von Großmeister Eric Hansen. Dieser Scherz hat dann ein Eigenleben entwickelt - schöne neue Internetwelt im 21. Jahrhundert...


    Jetzt ist die Schachwelt vergleichsweise klein, die Weltspitze noch viel kleiner - daher war es nur eine Frage der Zeit, dass Carlsen und Niemann wieder aufeinandertreffen.


    Beim Julius Baer Generations Cup - ein weiteres Onlineturnier - kam es nun zum nächsten Eklat. Carlsen verweigerte eine Partie indem er einfach aufgab - eine Nicht-Teilnahme war nicht möglich, das Turnier wird von der PlayMagnus-Firma ausgerichtet, also Carlsens eigene Firma.


    Insgesamt ist die Beweislage für Betrug im Realschach sehr dünn, im Prinzip gar nicht vorhanden. Alles stützt sich nur auf diesem schwachen Nachspielinterview und auf die Vergangenheit mit Cheating im Onlineschach.


    Das Problem ist, dass Carlsen sich in keiner Weise äußert. Er verweigert aktuell alle Interviews - vermutlich weil eventuelle Anschuldigungen ohne Beweise kämen und damit rechtlich problematisch wären. Und bis dahin wird es auch keine Auflösung geben ob vielleicht mehr als nur Cheating im Raum steht oder was noch vorgefallen ist.


    Für die Klickzahlen der Schachseiten und -streamer ist das ganze Drama auf jeden Fall super - there is no bad press.

    Ich hatte in meinem Bericht aus Brügge ja anklingen lassen, wie bescheuert ich die überbordende Polizeipräsenz beim Fussballspiel empfunden habe.


    Mit den Bildern aus Nizza und Marseille (Frankfurt-Fans die wild den Hitlergruß präsentieren, Marseille-Fans die Raketten in den Frankfurt-Block schießen, wodurch ein Frankfurt-Fan um sein Leben kämpft da er am Hals getroffen wurde) muss ich das relativieren.


    Bei vielen Fanszenen Europas scheint sich ganz viel Frust angestaut zu haben (vermutlich vermischt mit dem großen Druck durch Coronaauflagen der letzten 2 Jahre, plus Stresssituation durch Inflation und allgemein "die heutige Lage) der sich unter anderem beim Fussball kanalisiert und wirklich JEDES Maß an Verrücktheit sprengt.


    Und da hat dann der Staat wohl doch nur die eine Option: Aufrüsten gegen diese Spinner.