Ich habe überhaupt nichts gegen Herbst, im Gegenteil. Wünsche ihm gutes Gelingen und bin sehr froh, dass man wenigstens nicht wieder eine bequeme interne Lösung aus dem Hut gezaubert hat. Die Aufgabe in Reutlingen wird allerdings auch eine ganz andere als in Pforzheim sein. Erstmal erwartet ihn hier knallharter Abstiegskampf, was er seinem Werdegang nach bisher so wohl auch eher nicht kennt. Das ist dann schon ein anderer Druck als in Pforzheim, wo die Frage eher war, ob man am Ende Dritter oder Fünfter wird. Außerdem ein äußerst volatiles Umfeld, wo die Ersten nach drei Spielen ohne Niederlage anfangen, vom Durchmarsch in die 3. Liga zu träumen und nach drei Spielen ohne Sieg seinen Kopf fordern. Seine Vorgesetzten (sowie weite Teile der Lokalpresse) sind außerdem der festen Überzeugung, einen Bombenkader hingestellt zu haben. Der bisher leider so gar nicht performt. Da bin ich mal gespannt, was Herbst aus dieser Supertruppe herauszuholen in der Lage ist. Viel Glück, seine Vorgänger sind allesamt daran gescheitert, diese vermeintliche Extraklasse konstant auf den Platz zu bringen.
Am Ende des Tages ist der Einfluss des Cheftrainers eben auch begrenzt. Strehmel ist letztlich auch daran gescheitert, dass der in seiner Anfangszeit ja durchaus vorhandenen Aufbruchstimmung recht schnell brutal der Wind aus den Segeln genommen wurde. Im Sommer ist da im Binnenverhältnis irgendwas richtig kaputt gegangen. Der Mann war ja plötzlich ein ganz anderer Mensch. Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass das bei Herbst anders wird. Ich weiß nur nicht so genau, warum das so sein sollte. Die handelnden Personen sind abgesehen vom Trainer ja immer noch die selben...