Beiträge von Fussballromantiker

    Ludwigshafen wird regelmäßig in die Top-20 der hässlichsten Städte Deutschlands gewählt. Der Grund hierfür liegt in der Zerstörung der Stadt während des Zweiten Weltkriegs, denn die wichtigen Industriestädte Ludwigshafen und Mannheim wurden deutschlandweit mit am meisten bombardiert. Fast täglich wurden Bomben auf die Stadt abgeworfen, auch die Atombombe war für diese Region geplant. Neben der Zerstörung im Krieg tat aber auch der auf Funktionalität ausgerichtete Wiederaufbau sowie der soziale Wohnungsbau in den 70ern sein übriges, worunter die Architektur der Stadt enorm litt. Entsprechend wirkt Ludwigshafen heute ziemlich grau und betonlastig, während man grüne Flächen in weiten Teilen der Stadt vergebens sucht.
    Die Bezeichnung "Lumpenhafen" kommt zum einen eben durch diese "hässliche" Architektur, zum anderen ist Ludwigshafen aber auch die vorderpfälzische Antwort auf Mannheim - sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich. Was in Mannheim z.B. Daimler-Benz ist, ist in Ludwigshafen die BASF. Was in Mannheim die Benz-Baracken sind, ist in Ludwigshafen die Bayreuther Straße.
    Obwohl Ludwigshafen die größte Stadt der Vorderpfalz ist, bildet Speyer nach wie vor das kulturelle und historische Zentrum der Region.


    Irgendwie spiegeln sich diese Rahmenbedingungen auch im Fußball wieder. Man hat ein großes Stadion, das fußballhistorisch in der Region eine große Bedeutung hat. Hier fand das Meisterschaftsendspiel zwischen Stuttgart und Saarbrücken im Jahr 1952 statt, das DFB-Pokalfinale 1954 und 1968 sowie vier Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft. Außerdem trug der 1.FC Kaiserslautern einige seiner Endrundenspiele um die deutsche Meisterschaft aus und der SV Waldhof zog hierhin nach seinem Aufstieg in die Bundesliga um.
    Bei den großen Spielen kamen in der Regel über 60.000 Zuschauer ins Südweststadion.
    Nur: Es war halt nie ein Ludwigshafener Verein, der die großen Spiele in diesem Stadion austrug.
    NIchtsdestotrotz ist Ludwigshafen für mich eine Stadt mit Fußballtradition und in einer gerechten Welt :lachen: wäre Ludwigshafen neben Worms, Pirmasens, Koblenz und Trier ein Regionalligastandort in Rheinland-Pfalz.
    Mein Wunsch wäre daher, dass Arminia und Südwest Ludwigshafen beide mindestens Oberliga spielen (Arminia tut das bereits) und irgendwann einer von beiden mal Regionalligaluft schnuppert.

    Ich kann an dem Abstieg von Schalke 04 (noch) nichts Gutes erkennen, außer vielleicht, dass dadurch die 2. Bundesliga um eine Attraktion reicher wird. Die Bundesliga verliert dagegen einen weiteren großen Traditionsverein.


    Ich kann mich noch an die Kommentare erinnern, als der HSV vor fast drei Jahren abstieg. Da waren viele der Meinung, dass der Abstieg hochverdient war. Wenn man das Ganze aus sportlichen und wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, muss man dem zustimmen. Für Schalke gilt das genauso. Ebenso für Kaiserslautern in Liga 3. Diese drei Vereine waren in den letzten Jahren vermutlich die größten Geldvernichtungsanlagen Deutschlands. Was dort Gehälter und Ablösen für Spieler bezahlt wurden, die schlechte Leistung brachten, stand in keinem gesunden Verhältnis zueinander.
    Deshalb ist klar: Der Abstieg von Schalke ist rein sportlich und wirtschaftlich betrachtet sowas von verdient. Auch ein Abstieg von Kaiserslautern in die Regionalliga und somit deren Abschied aus dem Profifußball wäre prinzipiell die gerechte Strafe. Allein schon dafür, dass man Schulden bei anderen Vereinen hat(te), die Konkurrenten waren bzw. sind, durch die Insolvenz nun aber auf ihren Kosten sitzen bleiben müssen. Ein Skandal! Eine Frechheit! Eine Ungerechtigkeit den anderen Klubs gegenüber!
    Nun ist Fußball aber auch immer verbunden mit Emotionen und Nostalgie. Ich zum Beispiel habe heute noch die Szene im Kopf, als Francis Kioyo den Elfmeter verschoss und der Abstieg des TSV 1860 München besiegelt war. Noch heute empfinde ich Mitleid. Noch heute spüre ich, wie ich damals mit den Sechzigern mitfieberte. Erklären kann ich mir das nicht, denn ich habe eigentlich mit 1860 überhaupt nichts am Hut, sieht man mal von den üblichen Sympathien für Traditionsvereine ab. Für mich als jemand, der Mitte/Ende der 90er mit dem Fußball-Virus infiziert wurde, war das eine Zäsur, denn eine 1. Bundesliga ohne 1860 München – ohne Münchner Stadtderby – kannte ich bis dahin nicht. Als im Jahr 2017 der VfB Stuttgart und 2018 der HSV ebenfalls den Gang in Liga 2 antreten mussten, waren das für mich ähnliche Gefühle. Auch in diesen beiden Fällen hatte ich nichts mit den Vereinen am Hut, trotzdem hatte ich das Gefühl, hier geht erneut ein wichtiges Stück (von meiner) Bundesligageschichte verloren. Zwischen den Abstiegen der Sechziger und der Schwaben bzw. Hanseaten ist aber noch mehr passiert: Mit dem Dorf bei Sinsheim kam seit der Einführung der Bundesliga erstmals ein Dorfverein ins deutsche Oberhaus, dazu noch ein Verein, der (zum damaligen Zeitpunkt) komplett am Tropf eines Mäzens hing. Wem das noch nicht schlimm genug war, der musste gar nicht so lange warten, bis mit dem Nicht-Verein aus dem Dosenimperium etwas nach oben kam, das all jene negativen Aspekte vereint, die der moderne Fußball zu bieten hat.


    Und nun, im Jahr 2021, eben Schalke 04. Die Bundesliga verliert einen Verein mit deutschlandweiter Strahlkraft, der zwar in den letzten Jahren seine einstige Kumpel- und Malocher-Mentalität oft genug mit Füßen trat, der aber dennoch tief verwurzelt im Ruhrgebiet und für immer verbunden ist mit der Geschichte des Kohle- und Bergbaus. Ein Verein, dessen Fans für ihre Reisefreudigkeit bekannt sind, die deutschlandweit in Scharen bei den Erstligastandorten einfielen. Die 1.Bundesliga verliert also eine weitere Attraktion, eine Liga, die durch die Serienmeisterschaften der Bayern aus München ohnehin schon gähnend langweilig geworden ist.

    Ich kann an dem Abstieg von Schalke 04 (noch) nichts Gutes erkennen, außer vielleicht, dass dadurch die 2. Bundesliga um eine Attraktion reicher wird. Die Bundesliga verliert dagegen einen weiteren großen Traditionsverein.


    Ich kann mich noch an die Kommentare erinnern, als der HSV vor fast drei Jahren abstieg. Da waren viele der Meinung, dass der Abstieg hochverdient war. Wenn man das Ganze aus sportlichen und wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, muss man dem zustimmen. Für Schalke gilt das genauso. Ebenso für Kaiserslautern in Liga 3. Diese drei Vereine waren in den letzten Jahren vermutlich die größten Geldvernichtungsanlagen Deutschlands. Was dort Gehälter und Ablösen für Spieler bezahlt wurden, die schlechte Leistung brachten, stand in keinem gesunden Verhältnis zueinander.
    Deshalb ist klar: Der Abstieg von Schalke ist rein sportlich und wirtschaftlich betrachtet sowas von verdient. Auch ein Abstieg von Kaiserslautern in die Regionalliga und somit deren Abschied aus dem Profifußball wäre prinzipiell die gerechte Strafe. Allein schon dafür, dass man Schulden bei anderen Vereinen hat(te), die Konkurrenten waren bzw. sind, durch die Insolvenz nun aber auf ihren Kosten sitzen bleiben müssen. Ein Skandal! Eine Frechheit! Eine Ungerechtigkeit den anderen Klubs gegenüber!
    Nun ist Fußball aber auch immer verbunden mit Emotionen und Nostalgie. Ich zum Beispiel habe heute noch die Szene im Kopf, als Francis Kioyo den Elfmeter verschoss und der Abstieg des TSV 1860 München besiegelt war. Noch heute empfinde ich Mitleid. Noch heute spüre ich, wie ich damals mit den Sechzigern mitfieberte. Erklären kann ich mir das nicht, denn ich habe eigentlich mit 1860 überhaupt nichts am Hut, sieht man mal von den üblichen Sympathien für Traditionsvereine ab. Für mich als jemand, der Mitte/Ende der 90er mit dem Fußball-Virus infiziert wurde, war das eine Zäsur, denn eine 1. Bundesliga ohne 1860 München – ohne Münchner Stadtderby – kannte ich bis dahin nicht. Als im Jahr 2017 der VfB Stuttgart und 2018 der HSV ebenfalls den Gang in Liga 2 antreten mussten, waren das für mich ähnliche Gefühle. Auch in diesen beiden Fällen hatte ich nichts mit den Vereinen am Hut, trotzdem hatte ich das Gefühl, hier geht erneut ein wichtiges Stück (von meiner) Bundesligageschichte verloren. Zwischen den Abstiegen der Sechziger und der Schwaben bzw. Hanseaten ist aber noch mehr passiert: Mit dem Dorf bei Sinsheim kam seit der Einführung der Bundesliga erstmals ein Dorfverein ins deutsche Oberhaus, dazu noch ein Verein, der (zum damaligen Zeitpunkt) komplett am Tropf eines Mäzens hing. Wem das noch nicht schlimm genug war, der musste gar nicht so lange warten, bis mit dem Nicht-Verein aus dem Dosenimperium etwas nach oben kam, das all jene negativen Aspekte vereint, die der moderne Fußball zu bieten hat.


    Und nun, im Jahr 2021, eben Schalke 04. Die Bundesliga verliert einen Verein mit deutschlandweiter Strahlkraft, der zwar in den letzten Jahren seine einstige Kumpel- und Malocher-Mentalität oft genug mit Füßen trat, der aber dennoch tief verwurzelt im Ruhrgebiet und für immer verbunden ist mit der Geschichte des Kohle- und Bergbaus. Ein Verein, dessen Fans für ihre Reisefreudigkeit bekannt sind, die deutschlandweit in Scharen bei den Erstligastandorten einfielen. Die 1.Bundesliga verliert also eine weitere Attraktion, eine Liga, die durch die Serienmeisterschaften der Bayern aus München ohnehin schon gähnend langweilig geworden ist.

    Der Aufstieg der Lilien in die 2. Liga sowie das kurze Intermezzo in der 1. Bundesliga war für das Entschärfen der Machtverhältnisse in Hessen ganz wichtig. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da spielten die Lilien vor knapp 2.000 Zuschauer in der Regionalliga und an Heimspieltagen der Frankfurter Eintracht war der Darmstädter Hauptbahnhof voll mit Adlerträgern aus dem Umland, die in DA umsteigen mussten, um den Zug nach Frankfurt zu nehmen. Mittlerweile ist zumindest das direkte Umland des SVD (Griesheim, Pfungstadt, Alsbach, Bickenbach sowie Dieburg und der Darmstädter Odenwaldraum mit Roßdorf etc.) wieder überwiegend pro Lilien.
    Generell muss ich sagen, dass Hessen in Liga 1 und 2 unterrepräsentiert ist. Neben den Darmstädtern dürften - wenn es nach mir geht - gerne auch die Offenbacher und selbst Kassel in die 2. Bundesliga :zwinker:


    Die anderen Darmstädter Vereine leiden dagegen wie viele andere Stadtteilvereine in anderen Großstädten unter dem Erfolg der Lilien und der Fokussierung auf den Profifußball. Beim 1.FCA, bei Rot Weiss sowie bei Germania Eberstadt finden sich selten mehr als 100 Zuschauer ein. Selbst Viktoria Griesheim (was gefühlt zu Darmstadt gehört, Eingemeindungsphanatasien olé :kicher: ) gehört in der Hessenliga zu den Vereinen mit den niedrigsten Zuschauerschnitten.

    Während ganz Fußball-Europa über diese "Superliga" diskutiert, beschließt die UEFA eine Reform der Champions League, durch welche die großen Ligen bzw. deren Vereine wieder einmal bevorzugt werden. Die Aufregung bzw. Proteste darüber halten sich auch angesichts der Spiele vor leeren Rängen in Grenzen, sicherlich aber auch, weil die "Superliga" für noch größere Aufregung sorgt. DIe Meinungen zu dieser sind sowohl bei den Fans der beteiligten Klubs als auch bei vielen anderen Fans ziemlich eindeutig - nämlich ablehnend. Trotzdem würden sich bestimmt auch genügend "Kunden" finden, die sich diesen Rotz angucken. Und selbst wenn diese "Superliga" nicht kommt: Die aktuelle Champions League mit den Auswirkungen auf die nationalen Ligen (kaum noch Spannung, weil Champions-League-Teilnehmer zu viel Geld ausgeben können) als Grundübel bleibt so oder so bestehen!

    Könntest du das etwas ausführen? Denn in beiden Fällen ist nicht nur der Name gleich, sondern auch Vereinsfarben und Wappen dem Vorgängerverein ziemlich ähnlich bzw. gleich.

    Steht doch eigentlich in meinem Text auch schon. Oder meinst du Leipzig?

    In deinem Text schreibst du ziemlich neutral vom "Solinger Erbfolgekrieg". Rizzo bezieht aber Stellung und spricht dem heutigen BSC Union Solingen die Legitimität als Nachfolgeverein ab, genau wie er das auch für Chemie Leipzig sagt. Hier würden mich mal seine Argumente interessieren, da ich durchaus Gemeinsamkeiten dieser Vereine zu ihren Vorgängern sehe :zwinker:

    Fusionen sind ein heikles Thema, zumindest wenn sie nach den 1970er Jahren zustande kamen. Bei vielen Vereinen gab oder gibt es Diskussionen um eine Fusion, denn die Argumente für eine solche liegen auf der Hand: Man kann Kräfte bündeln, um in einer Stadt bspw. höherklassigen Fußball anzubieten. Oft ist es ja so, dass ein Verein – meist der Traditionsverein – ein großes Stadion, den bekannten Namen und ggf. eine aktive Fanszene hat, während der andere Verein – meist der neureiche Klub aus dem Vorort – einen Geldgeber hat. Oder Vereine schließen sich zusammen, weil nur Gemeinsam eine Mannschaft ins Feld geschickt werden kann. Dies ist vor allem auf dem Land der Fall, hier sind es aber oft keine klassischen Fusionen, sondern Spielgemeinschaften.

    Werden dann Gespräche bzgl. einer Fusion geführt, müssen schnell die „wichtigsten“ Fragen geklärt werden, denn im Fußball geht es neben dem Spiel an sich vor allem um Identität und somit Identifikation mit einem Verein. Für die Identität eines Vereins sind drei Dinge ganz wichtig:

    1.Vereinsname

    2.Vereinsfarben

    3.Vereinswappen


    Ebenfalls nicht unbedeutend ist der Standort, also wo das Stadion bzw. der Sportplatz des Klubs ist. Allerdings hat sich der Standort bei fast allen deutschen Vereinen seit der Vereinsgründung (mehrmals) geändert und so lange sich dieser im Stadtgebiet befindet, würden sicherlich die Wenigsten einen Standortwechsel als Verlust der Vereinsidentität bezeichnen. Gerade in den letzten 10-15 Jahren gab es ja auch etliche Stadionneubauten, die aber weitestgehend von den Anhängern der Vereine akzeptiert wurden. Insofern kann man den Standort für die weitere Betrachtung ausklammern.


    Als Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts ein Großteil der heute als „Traditionsvereine“ bezeichneten Vereine gegründet wurden, steckte der Fußball hierzulande noch in den Kinderschuhen. Fußballspiele waren bei weitem noch kein Massenereignis, sieht man mal von lokalen Derbys oder Meisterschaftsendspielen ab, die auch damals schon mehrere tausend Zuschauer anlockten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs sowie der anschließenden Revolution und den bürgerkriegsähnlichen Zuständen erlag das Fußballspielen weitestgehend.

    Doch schon in den 1920er Jahren kam es zu einem rasanten Aufstieg des Fußballs, bei dem Spiele vor mehr als 10.000 Zuschauern möglich waren. In diesen Jahren wurden folglich viele der ersten großen Stadien gebaut und auch Fußballanhänger (heute neudeutsch „Fans“ schlossen sich den Vereinen an. Bereits in den 20er Jahren gab es Anfeuerungen, Einsatz von Fahnen, aber auch Ausschreitungen.

    Um maximalen Erfolg zu haben, gab es viele Fusionen. Der Erfolg vieler Vereine in den 1920er Jahren geht daher häufig auf eine Fusion zurück, bei der Kräfte in einer Stadt gebündelt wurden und so ein „Großverein“ entstand, der in der Lage war, überregional mitzuhalten.

    Ähnliches konnte man auch in den 1930er Jahren beobachten, wobei hier Zusammenschlüsse oftmals von den Nationalsozialisten vorgeschrieben wurden. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs konnte ein geregelter Saisonverlauf meist nicht mehr gewährleistet werden konnte.

    Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes wurden die Vereine von den alliierten Besatzungsmächten erst einmal aufgelöst, wurden dann aber schnell wieder ins Leben gerufen. Auch in dieser Zeit kam es wieder vermehrt zu Fusionen (ein bekannter Fusionsverein aus diesen Jahren ist z.B. der 1 .FC Köln), aber auch zu generellen Vereinsneugründungen.

    Bis in die 1970er Jahre etablierten sich dann viele der „großen“ Traditionsvereine“ und mit der Einführung der Bundesliga 1963 setzte sich dann in den folgenden Jahren in den meisten Städte ein Repräsentant durch (Bsp. Duisburg à MSV).

    Für die Entstehung von organisierten Fanszenen sind vor allem die 1970er Jahre von großer Bedeutung, denn in dieser Zeit entstanden viele Fanclubs, Auswärtsfahrerzahlen nahmen zu und „Allesfahrer“ kristallisierten sich heraus. Zudem waren Fangesänge, Fahnen und akustische Hilfsmittel völlig normal, wurden aber sparsamer eingesetzt als die heutigen Ultras das tun. Für die Vereinsidentifikation waren diese Jahre enorm wichtig. Für spätere Fusionen bedeutete dies aber auch, dass sie immer seltener akzeptiert wurden. Verschärft wurde dieses Akzeptanzproblem mit den Gründungen der Ultragruppen in Deutschland Ende der 90er sowie Anfang des Jahrtausends.

    Denn die Identität mit einem Verein war für viele mittlerweile soweit fortgeschritten, dass eine Änderung des Namens, der Farben oder des Wappens grundsätzlich abgelehnt wurde. Bei Fusionen kommt man jedoch ohne dies meist nicht herum.


    Deswegen ist es die Aufgabe von klugen Vereinsvorständen, hier akzeptable Kompromisslösungen zu finden, unter Einbezug der Fans. Dass in jüngerer Vergangenheit diese Klugheit scheinbar vermisst blieb, zeigen Abspaltungen oder Neugründungen, wie z.B. in Heilbronn oder Fulda.

    Gerade bei Fulda, aber auch in Gießen, hätte es gute Chancen gegeben, einen Fusionsverein zu bilden, bei dem die Identität des Traditionsvereins gewahrt worden wäre und ebenso die Prägung durch den kleinen Verein sichtbar hätte werden können. Leider hat man das sowohl in Fulda als auch in Gießen nicht geschafft, wobei mir in Gießen bislang noch keine Abspaltung oder Neugründung bekannt ist, in Fulda gehen die alten Borussen dagegen zum SC Borussia Fulda (die Parallele zur Situation in Heilbronn ist denke ich erkennbar).


    Ich persönlich bin kein grundsätzlicher Gegner von Fusionen, im Gegenteil, wenn sie gut gemacht sind, die Fans und Mitglieder der jeweiligen Vereine mit ins Boot geholt werden sowie die Identitäten der „alten“ Vereine weiterhin sichtbar sind, kann ich Fusionen durchaus nachvollziehen. Leider zeigen Beispiele aus den letzten Jahren, dass genau dies nicht umgesetzt wird und ein Großteil der Identität verloren geht. Die Folge: Fans und Mitglieder wenden sich ab!

    Wie schon oft geschrieben, der BSC Union Solingen hat nix mit der alten Union zu tun und nur den Namen... Ähnlich wie die BSG Chemie Lepzig....

    Da es das Stadion am Hermann Löns Weg nicht mehr gibt, bleibt immerhin noch das Walder Stadion, auch Jahnkampfbahn bzw. Jahnstadion, wo ein Solinger Verein drin spielen könnte in höheren Ligen... Wunsch wäre, dass der 1.FC Solingen es mindestens bis zur Oberliga schafft und dort wieder die Derbies gegen den FC Remscheid hat....

    Könntest du das etwas ausführen? Denn in beiden Fällen ist nicht nur der Name gleich, sondern auch Vereinsfarben und Wappen dem Vorgängerverein ziemlich ähnlich bzw. gleich.

    So ein ähnlicher Gedanke kam mir neulich auch schon mal. Dass "Nationalspieler" ein echtes Prädikat war. Aber heute darf sich ja schon jeder Nationalspieler nennen, der nach zwei Dutzend "verletzungsbedingter" Absagen als Erster ans Handy gegangen ist, weil Jogi Löw verzweifelt nach 11 Mann für ein Sinnlos-Freundschaftsspiel gegen Bolivien hinterher telefoniert hat...

    Es war aber auch eine andere Zeit: Es gab damals 78 Mannschaften in den erstklassigen Oberligen und diese bestanden vermutlich ausschließlich aus deutschen Spielern. Aktuell haben wir in der Bundesliga einen Ausländeranteil von 56% (https://de.statista.com/statis…er-1-fussball-bundesliga/). Auch in den Jahren zuvor hatte etwa jeder zweite Spieler in der Bundesliga keinen deutschen Pass. Hinzu kommen Spieler mit doppelter Staatsbürgerschaft, die nicht für Deutschland spielen, wie z.B. Choupo-Moting von Bayern München. Die Auswahl an deutschen Nationalspielern ist also heutzutage deutlich geringer, zumal die Anzahl der deutschen Legionäre im Ausland auch nicht so groß ist.

    Wieso ist die 2.Bundesliga passend für Paderborn? Klingt nach der Historie eher nach Oberliga.... :keineahnung2:

    Bei meinen Wünschen orientiere ich mich (fast) immer nur an der Frage, ob eine Stadt/ein Verein höher vertreten sein sollte.

    Bisher war ich mit deinen Wünschen einer Meinung, aber hier muss ich ebenfalls widersprechen. :zwinker: Angesichts der Tatsache, dass es nur 36 Plätze in Liga 1+2 gibt und nur 20 weitere auf Ebene 3, wüsste ich jetzt nicht, weshalb ausgerechnet Paderborn einen dieser begehrten Plätze haben sollte. Vor allem welche anderen Großstädte wären denn dann raus aus Liga 1+2?

    Ich hatte bereits letztes Jahr die Hoffnung, dass durch Corona endlich umfassende Reformen auf den Weg gebracht werden, die den Profifußball, aber vor allem den gehobenen Amateurfußball in wirtschaftlich stabile Fahrbahnen leiten. Dass man letztes Jahr den Abstieg zumindest unterhalb von Liga 3 aussetzte, aber Aufsteiger zuließ, war in Anbetracht der Lage in Ordnung. Leider spielten die DFL-geführten Ligen und die 3. Liga nicht ganz mit, "mussten" ja unbedingt ihre Saison sportlich abschließen. Dabei wäre eine Aufstockung der ersten beiden Ligen auf 20 Mannschaften längst überfällig (gewesen).

    Schon im letzten Jahr zeigte sich, dass Solidarität im Profifußball und wohl leider auch im gehobenen Amateurfußball ein Fremdwort ist, stattdessen ist sich jeder selbst am Nächsten.
    Warum müssen die Regionalliga Südwest + West unbedingt weiterspielen, während die anderen Regionalligen pausieren (müssen)? War das Weiterspielen wirklich finanziell so wichtig und somit die richtige Entscheidung?


    Wenn ich lese, dass sogar DFL-Vereine wie Dortmund und Köln das letzte Geschäftsjahr, dass zum Teil von Corona beeinträchtigt wurde, mit einem dicken Minus abschlossen, dann will ich gar nicht wissen, wie es Vereinen geht, die notfalls keinen Millionenspieler abgeben können. Und: Die finanziellen Zahlen für das aktuelle Geschäftsjahr, das komplett unter Pandemiebedingungen durchgeführt wird, kommen ja erst noch.
    In den Jahren vor Corona waren es ja vor allem die Drittligisten und Regionalligisten, die finanziell große Probleme hatten. Das wird sich noch verschärfen. Deshalb wäre jetzt ein ZUSAMMEN wichtiger denn je.


    Daneben hat die späte Einführung der Bundesliga das Prinzip eines Vereins pro Region auch offiziell etabliert. Durch zahlreiche Ligenreformen sind zudem lokale Konkurrenten immer weiter nach unten gedrückt worden. Und nicht zuletzt wurden die jeweiligen Repräsentanzvereine auch massiv von den Kommunen oder sogar vom Land finanziell und infrastrukturell unterstützt.

    Für mich die entscheidenden Punkte!


    Klein- und Mittelstädte mit Profivereinen in Deutschland sind übrigens Sinsheim (35.399 Einwohner), Aue (20.353), Heidenheim (49.573), Sandhausen (15.242), Verl (25.318), Zwickau (88.690), Meppen (35.313) und Unterhaching (25.285)

    Welcher Sinsheimer Verein soll das sein? :kicher:

    Die zweigleisige 2.Buli wurde für einige Vereine zum finanziellen Ruin.

    Mülheim-Styrum - auch so ein fast vergessener Verein. OSV Hannover, RW Lüdenscheid, FV 04 Würzburg, VfR Bürstadt...

    Um den VfR Bürstadt sieht es sportlich gar nicht gut aus. Nachdem Manfred Hönig mit seinen Betrügereien aufflog, konnte vor einigen Jahren der Aufstieg in die Hessenliga nicht wahrgenommen werden. Seitdem spielt man in der Kreisoberliga (8. Liga) Jahr für Jahr um den Klassenerhalt. In Bürstadt ist mittlerweile die Eintracht die Nr.1 sowie der Vorortverein FSG Riedrode (Fusion der beiden Klubs aus dem Bürstädter Stadtteil "Riedrode").
    Die Tribüne des legendären Robert-Kölsch-Stadion wurde mittlerweile abgerissen und der Naturrasen durch einen Kunstrasen ersetzt. Kurzum: Beim VfR Bürstadt war es das mit höherklassigen Fußball. Aktuell ist Kreisoberliga das Maximum, eventuell ist in ein paar Jahren Gruppenliga möglich. Doch ohne finanzielle Unterstützung ist das nicht realisierbar. Zumal aus der Jugend auch nicht mehr so viele talentierte Spieler rauskommen wie früher, denn der VfR merkt hier - wie viele andere Vereine - die Folgen des demografischen Wandels und eines veränderten Freizeitverhalten bei den heutigen Jugendlichen.