Beiträge von Koebes van Burgh

    Quizfrage: Wann hatte Schalke 04 zuletzt Am Hünting ein Pflichtspiel? Richtig, es war am 01.09.1984 in der 1. Runde des DFB Pokals. Gegner war damals jedoch der Club von der anderen Seite des Zauns, der FC Olympia. Vor 8.000 Zuschauern waren die Grünen zwar Stolz wie Bolle, aber genützt hat es nichts. Das Spiel ging 1 : 3 verloren.


    38 Jahre später kommt es jetzt erneut zu einem Pflichtspiel, diesmal jedoch gegen die U23 aus der Knappenschmiede. Die U23 des S04 gehört seit der Saison 2008/09 der RL West an, ist also Gründungsmitglied der 4.-klassigen RL. Lediglich in den beiden Spielzeiten 2017/18 und 2018/19 gastierte man in der 5. Liga, der OL Westfalen. Die letzten drei Spielzeiten beendete man jeweils mit guten Platzierungen im Tabellenmittelfeld. Wollte man an dieser Stelle alle namhaften Spieler aufzählen, die die ausgezeichnete Knappenschmiede hervorgebracht hat, würde dies wohl den Rahmen sprengen. Einer soll jedoch erwähnt werden: Mika Hanraths, der zwar nicht die komplette Jugend von S04 durchlief, jedoch in den letzten zwei Spielzeiten seinen Feinschliff in der U23 erhielt.


    Bei der U23 des S04 treffen die Schwatten auch auf die vierte und letzte Zweitvertretung eines höherklassigen Proficlubs. Die Jungknappen präsentierten sich im Verlauf der bisherigen Saison etwas unbeständig. Auf eine Serie von vier Siegen in Folge mit 15 : 5 Toren folgten drei sieglose Spiele, darunter eine Niederlage gegen die SG Wattenscheid. Das jüngste 1 : 1 gegen den SC Wiedenbrück darf jedoch nicht über die tatsächlichen Stärken hinwegtäuschen, denn das Resultat war für den SCW mehr als schmeichelhaft. Die Knappen bestimmten über weite Strecken das Spiel und präsentierten sich technisch versiert und kombinationsstark. Vier mal traf man nur das Aluminium. Zudem fehlten drei Leistungsträger der U23, die in den BL Kader hochgezogen wurden. Das Letztere dürfte einmal mehr die Dauerdiskussion um vermeintliche Wettbewerbsverzerrung durch die Zweitvertretungen befeuern.


    Um gegen die U23 des S04 zu bestehen ist zunächst einmal zu hoffen, dass das eine oder andere Kaltgetränk, das MJ nach dem Sieg gegen den SV Rödinghausen der Mannschaft erlaubt hatte, dieser nicht zu Kopf gestiegen ist. Mit anderen Worten: Die Schwatten spielen noch immer gegen den Abstieg, nicht mehr und nicht weniger. Des Weiteren wird es wichtig sein, S04 früh in ihren Aktionen zu stören und sie erst gar nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Fraglich ist, wen MJ als Ersatz für TW in der IV aufstellen wird. Entscheidend für den Erfolg wird es jedoch sein, in der Offensive wieder etwas effizienter zu agieren um mehr zählbares aus den Ballbesitzphasen herauszuholen. Vielleicht endet das erste Pflichtspiel gegen S04 nach 38 Jahren ja wieder 3 : 1, diesmal jedoch mit einem Sieg für die Bocholter Mannschaft. Ich hätte nichts dagegen und halte ihn für möglich, denn das Momentum ist auf Seite der Schwatten.

    Die Bekanntgabe des 1. FC Bocholt, dass man auf die Erweiterung des Clubheimes um einen Kabinentrakt verzichten wolle, und die zeitgleiche Meldung, dass man bis Mitte 2023 eine Spielbetriebs-GmbH gründen möchte, beschäftigt mich zugegebenermassen immer noch. Aus den beiden Artikeln des BBV hierzu erfährt der geneigte Leser leider nicht allzu viel über die Hintergründe dieser Entscheidungen. Insbesondere halte ich den Artikel über die Spielbetriebs- GmbH nicht nur für oberflächlich sondern auch schlecht recherchiert. Ich denke, dass es sich bei diesen Entscheidungen um zwei Seiten der gleichen Medaille handelt und dass insbesondere die beabsichtigte Gründung der Spielbetriebs- GmbH ein Paradigmenwechsel darstellt.

    Das man Fördergelder in sechsstelliger Höhe für den Kabinenbau verfallen lässt, erzeugte auch bei mir zunächst ein Störgefühl. Das hier Handlungsbedarf besteht sieht man daran, dass man im ungünstigsten Fall sogar auf die Räumlichkeiten des FC Olympia angewiesen ist, oder auch daran, dass man die Vereinsgaststätte nicht nutzen kann, weil die Gästekabinen nicht separiert sind. Aber wie passt das alles zur immer wieder betonten Professionalisierung des 1. FC Bocholt?

    Professionalisierung – was heisst das eigentlich? Vor allem bedeutet das, dass wirtschaftliche Strukturen entwickelt werden, unter denen ein Betrieb mit einem Etat in mutmasslich siebenstelliger Höhe geführt und finanziert werden kann. Mit anderen Worten: Der Verein muss wie ein Unternehmen geführt werden, und das ist der eigentliche Zweck einer Spielbetriebs- GmbH. Dazu gehören

    1. klare Entscheidungs- und Kontrollstrukturen, die nicht vom Votum einer Jahreshauptversammlung abhängen (ein Aufsichtsrat ist übrigens nicht verpflichtend, wie der BBV Artikel suggeriert, allerdings eignet sich dieser, um Kooperationspartner/Mitgesellschafter stärker einzubinden und von deren Expertise und Netzwerk zu partizipieren).
    2. die Minimierung des Risikos für den Hauptverein, also für den 1. FC Bocholt e. V. für den Fall, dass die GmbH in Schieflage gerät.
    3. vor allem aber – und das dürfte das primäre Ziel einer GmbH sein – die Kapitalbeschaffung. Die Spielbetriebs- GmbH bietet trotz der sogenannten 50 plus 1 Regelung die Möglichkeit, aus Sponsoren Gesellschafter zu machen. Finanzmittel fliessen dann nicht mehr nur aus Erlösen aus der Rechtevermarktung sondern es besteht die Chance, Eigenkapital zu bilden. Dieses Kapital sollte dann vorzugsweise in langlebige Wirtschaftsgüter, sprich: Infrastruktur, investiert werden, jedoch nicht für laufende Kosten verwendet werden, wie z. B. Spielergehälter.

    Und warum lässt man die Fördergelder verfallen? Meine Vermutung ist, dass dies einfach nicht kompatibel mit einer Spielbetriebs- GmbH ist, da das Förderprogramm „Moderne Sportstätten 2022“ zwingend Gemeinnützigkeit verlangt und eine GmbH diesen Status nicht hat.

    Eine besondere Herausforderung bei dieser Entwicklung besteht darin sicherzustellen, dass der Club weiterhin nah an den Menschen bleibt. Das ist bedeutend, nicht nur um eine hohe Identifikation mit dem 1. FC Bocholt zu bewahren, sondern auch, weil man weiterhin in grossem Umfang auf das Ehrenamt angewiesen ist. Weder bin Ich nahe genug am Verein um über interne Informationen zu verfügen (die würden sicherlich auch nicht hierher gehören), noch liegen mir Informationen vom Netzwerkabend im September vor, aber in Summe ergibt sich für mich ein stimmiges Bild. Ich denke, dass hier wichtige wirtschaftliche Weichenstellungen vorgenommen werden, mit dem Ziel, höherklassigen Fussball langfristig in Bocholt zu entwickeln und zu etablieren. Und das finde ich positiv, auch wenn Fussball-Nostalgiker mitunter zu einer anderen Meinung neigen.

    Tim Winking hat sich vor allem mit und durch Mika Hanraths an seiner Seite wieder stabilisiert. Ich halte Mika Hanraths für einen absoluten Führungs- und Schlüsselspieler. Ein echter Schnapp und es ist mir schleierhaft, warum der Sportsfreund noch bis September vereinslos war. Es wird sehr schwer werden, ihn über die Saison hinaus zu halten. Aber gestern ist ja auch schon Unmögliches gelungen...

    Wer nicht kämpft, hat schon verloren - wer kämpft, kann aber auch gewinnen. Diese 3 Punkte waren so nicht eingeplant und vor dem Spiel wäre ich auch mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Jetzt ist es ein Sieg geworden und der Mannschaft gebührt Dank und Respekt.


    Es sind gleich mehrere Dinge, die diesen Sieg so unheimlich wertvoll machen:


    1. Nach der verdienten Niederlage gegen den SV Lippstadt stellte sich die Frage, ob die Schwatten wieder in die Spur finden. Das ist offensichtlich gelungen. Man agierte gegen den SV Rödinghausen über weite Strecken kontrolliert und engagiert. Die frühe Platzverweis spielte den Schwatten natürlich in die Karten.


    2. Eine weitere Niederlage hätte möglicherweise wieder Unruhe aufkommen lassen. Diese Gefahr konnte definitiv abgewendet werden. Das Momentum ist weiterhin auf unserer Seite.


    3. Die kommenden Spiele werden nicht einfacher. Der Dreier gegen den SV Rödinghausen geben das nötige Selbstvertrauen, das man braucht, um auch den Spitzenteams der Liga die Stirn zu bieten.


    4. Die Null steht. Mit Hanraths und Winking (hoffentlich nicht ernsthaft verletzt) in der IV kehrte die Sicherheit zurück. Ribeiro vor der Abwehr entwickelt sich mehr und mehr zum Schlüsselspieler.


    5. Mit nun 18 Punkten hat man erneut die Abstiegsränge verlassen. Die Liga ist unheimlich eng und wenige Punkte liegen zwischen Gut und Böse. Und plötzlich liegt man sogar vor Düren, die so fulminant gestartet sind und wo man zum Auftakt noch verloren hat.


    Alles in Allem: Drei Bigpoints für den Klassenerhalt.

    Beim SV Rödinghausen geht es gegen einen Verein, der im sechsten Jahr der Zugehörigkeit zur RL West jetzt Ernst zu machen scheint und mit aller Kraft in die 3. Liga drängt. Schon im Seuchenjahr 2019/20 wurde man nach der abgebrochenen Saison Meister, verzichtete jedoch auf den Aufstieg, weil die Infrastruktur dies (noch) nicht erlaubte. Der SV Rödinghausen verfügt wohl über das schönste halbe Stadion der Liga, dass dem Verein von einem örtlichen Küchentischler auf die grüne Wiese gesetzt wurde. Mit einem Fassungsvermögen von gut 3.000 Zuschauern erfüllt es jedoch noch nicht die Anforderungen für die 3. Liga. Aber das soll sich jetzt ändern und man gab jüngst bekannt, dass der weitere Ausbau in Kürze in Angriff genommen werden soll. Auch sportlich läuft es derzeit gut für den SV Rödinghausen. Der aktuelle Tabellenführer aus dem Wiehengebirge stellt derzeit nicht nur den stärksten Sturm sondern auch die beste Abwehr der Liga (zwei der bisherigen 10 Gegentore konnte ausgerechnet der SV Lippstadt erzielen).


    Quo vadis, 1. FC Bocholt? Nachdem die Schwatten nach der verdienten Niederlage gegen den SV Lippstadt wieder auf den Boden der Tatsachen angekommen sind, stellen sich zwar einige Fragen, aber man muss dennoch nicht gleich alles in Frage stellen. Woran hat es gelegen? Tatsache ist, dass man das letzte Spiel stark ersatzgeschwächt bestreiten musste, was zumindest teilweise den unerfreulichen Spielverlauf erklärt. Für die Abwehr musste eine Notlösung gefunden werden und Marcus John entschied sich für eine Aufstellung, die es in dieser Form wohl kein zweites Mal geben wird. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass nach vorne zu harmlos und wenig effizient agiert wurde; Ribeiro wurde schmerzlich vermisst, kreative Impulse: Fehlanzeige. Wäre die Niederlage vermeidbar gewesen? Meines Erachtens nur wenn sich alles - wirklich alles - glücklich gefügt hätte. Hat es sich aber nicht und deshalb ist sie zwar bedauerlich aber sie lässt sich nicht ungeschehen machen. Jammern über verschüttete Milch hilft jetzt auch nicht weiter. Einen wirklich schweren Fehler konnte ich nicht ausmachen und am Willen hat es auch nicht gelegen. Marcus John bemerkte nach dem Pokalspiel gegen TuRu Düsseldorf, dass sich von den neu eingesetzten Akteuren niemand wirklich aufgedrängt hätte. Und dass es zur Abwehr-Stammbesetzung keine auch nur annähernd gleichwertige Alternative gibt, ist das eigentliche Dilemma, in dem sich die Schwatten befinden.


    Dass es jetzt ausgerechnet zum Spitzenreiter, den SV Rödinghausen, geht, erleichtert die Verdauung der Niederlage jedoch leider auch nicht. Allerdings hat gerade der letzte Spieltag gezeigt, wie ausgeglichen die RL ist und dass im Prinzip jeder jeden schlagen kann. Und genau darin liegt die Chance der Schwatten. Um aus Rödinghausen etwas mit nach Hause zu nehmen, braucht es wieder ein Tag, an dem alles passt. Die ersten Tage dieser Woche werden sicherlich zur Regeneration gebraucht und bringen hoffentlich auch die Genesung der grippegeschwächten Spieler. Zudem muss das Spiel gegen Lippstadt aus den Köpfen raus. Selbstkritik ist sicherlich angebracht, Selbstzweifel dürfen jedoch nicht aufkommen. Die Spiele gegen Aachen, Köln und Wuppertal haben gezeigt, dass die Schwatten auch gegen nominell starke Gegner bestehen können, wenn jeder einzelne bereit ist, auch den letzten Meter zu laufen. Wer kämpft, kann verlieren - wer nicht kämpft, hat schon verloren. Und nein, ich schmeiss jetzt keine 5 Euro ins Phrasenschwein, weil es doch stimmt, oder?

    Beim Spiel der Schwatten gegen den SV Lippstadt kommt es zu einer weiteren Premiere mit einem Westfälischen Verein. In der 68.000-Einwohner-Stadt hat im Jahr 1997 die Vernunft gesiegt und es gelang das, was in Bocholt bislang nicht zustande kam: die Fusion der führenden Fussballvereine Teutonia Lippstadt und Borussia Lippstadt. Beide Vereine blicken auf wechselvolle Geschichten zurück, fristeten jedoch die überwiegende Zeit ihres Daseins in den mittleren Amateurklassen, unterbrochen von einigen Jahren in der Oberliga. Dennoch brachte Lippstadt einige klangvolle Namen hervor, wie den Fussballprofessor Dettmar Cramer oder den Nationalspieler und Uhrenschmuggler Karl-Heinz Rummenigge. Die erste Spielzeit in der RL West 2013/14 endete noch mit dem sofortigen Wiederabstieg. Nach dem zweiten Aufstieg 2018 konnte sich der SV Lippstadt jedoch fest in der RL West etablieren, auch wenn man in allen vier Spielzeiten stetig gegen den Abstieg kämpfen musste. In der laufenden Saison gelang jedoch der bislang wohl beste Start und man winkt aktuell mit 19 Punkten vom 5. Tabellenplatz. Schade nur, dass das Lippstädter Umfeld dies trotz des schmucken Stadions noch zu wenig honoriert und sich selbst zu den Derbys gegen Wiedenbrück, Ahlen und Münster kaum mehr als 700 Zuschauer einfinden.

    Auf welchen Gegner müssen sich die Schwatten einstellen? Auch wenn aktuell 9 Tabellenplätze zwischen den beiden Mannschaften liegen, sehe ich sie dennoch auf Augenhöhe. Trotz des guten Saisonstarts fehlte es der jungen Lippstädter Mannschaft bislang noch an der Beständigkeit. So schlug man einerseits den SV Rödinghausen um dann beim nächsten Spiel gegen den 1. FC Kaan deutlich zu unterliegen. Es zeigen sich immer wieder Abwehrprobleme, die ein wenig an die ersten Spiele der Schwatten erinnern. Mit Fehlern in der Zuordnung, in Verschiebesituationen, bei der Spieleröffnung und unpräzisen Zuspielen machen sie sich immer wieder selbst das Leben schwer. Auch bei langen Bällen über die Flügel zeigen sie sich anfällig. Gegen den WSV geriet man so mit 1 : 5 unter die Räder wobei der SVL zum Teil sehr grosszügige Einladungen zum Tore schiessen aussprach. Eine Stärke der Truppe liegt in ihrem Kollektiv und sie fand zuletzt immer wieder über den Kampf zum Spiel. Gegen RW Ahlen konnte ein 0 : 1 in ein 3 : 1 gedreht werden. Eine noch stärkere Moral bewies man beim letzten Spiel gegen den Lokalrivalen SC Wiedenbrück, als man trotz Unterzahl zweimal einen Rückstand ausgleichen konnte. Möchte man also gegen diese kampfstarke Mannschaft bestehen, dann sind 95 Minuten volle Konzentration erforderlich. Die besondere Aufmerksamkeit der Hintermannschaft erfordert dabei der Stürmer Viktor Meier, der bislang schon 8 mal einnetzen konnte. Der Schlüssel für den Erfolg wird jedoch einmal mehr sein, den SVL hoch anzulaufen, die Zweikämpfe zu suchen und über schnelles Umschaltspiel die Abwehr des SVL in Bedrängnis zu bringen. Wenn es gelingt, an die zuletzt gezeigten Offensivqualitäten anzuknüpfen, dann böte sich die Chance im Abstiegskampf weiter Boden gut zu machen - auch im Hinblick auf die weiteren, noch schwereren Partien. Schliesslich bleibt zu hoffen, dass die Pokalbegegnung samt Verlängerung und Elfmeterschiessen unter der Woche keine Brüche verursacht, aber Marcus John hat ja auf sieben Positionen rotiert. Mit einem Punkt könnten die Schwatten leben, aber das Ziel in diesem Spiel sollte ein Dreier sein.

    Paradebeispiel dafür, dass zweite Mannschaften den Wettbewerb verzerren.

    Natürlich Glückwunsch nach Bocholt, will die Leistung nicht schmälern!

    Stimmt, unter normalen Umständen hätten wir natürlich keine Chance gegen Köln2...*ironieaus*

    ...was ein Dünnschiss!!!

    Freunde der Statistik!

    Machen wir doch mal einen Faktencheck:

    Während der ersten 12 Spieltage der RL West gab es bislang 11 Gelb-Rote und 16 Rote Karten. Es drängt sich die Frage auf, welchen Einfluss eine Überzahlsituation auf den Spielverlauf hat (Überzahlsituationen, die ab der 80. Minute entstanden, wurden in der Tabelle unten nicht berücksichtigt).

    - in 9 von 16 Fällen, konnte eine Mannschaft in Überzahl sein Ergebnis verbessern

    - in 5 Fällen hatte die Überzahl keine Auswirkungen auf das Ergebnis

    - in 2 Fällen ist der Schuss nach hinten losgegangen

    Man kann also festhalten, dass sich eine Überzahlsituation in mehr als die Hälfte aller Fälle als Vorteil erwiesen hat.


      Endresultat war…
    Überzahlsituation entstand… ...besser ...gleich ...schlechter
    ...bei Führung 3 2 1 6
    …bei Unentschieden 4 1 - 5
    …bei Rückstand 2 2 1 5
    9 5 2

    Für den 1. FC Bocholt ergab sich bislang in zwei Spielen eine Überzahlsituation. In beiden Fällen konnte er davon profitieren. So wurde gegen den SV Straelen in Überzahl die Führung ausgebaut und gegen den 1. FC Köln ging man in Überzahl in Führung. Umgekehrt geriet man gegen die SG Wattenscheid beim Stand von 3 : 2 in Unterzahl; das Zwischenergebnis konnte dann jedoch über die Zeit gerettet werden.

    Es bleibt dann nur noch die Frage, was unter "normalen Umständen" zu verstehen ist. Nun - wenn ein Spieler seinem Gegenspieler während des Spiels ohne Kampf um den Ball den ausgestreckten Ellenbogen in Gesicht schlägt, dann kann der Schiedsrichter dies als Tätlichkeit auslegen. Die Rote Karte geht also in Ordnung. Und da die Rote Karte nun mal zum Spiel gehört, gehört es auch in den Bereich der "normalen Umstände" (im Gegensatz zu den Umständen, unter denen ein anderer Kölner Club die Punkte einfahren möchte:negativ: )

    Hinten kackt die Ente! Vor dem Spiel und in der Phase nach dem Ausgleich bis zur Roten Karte wäre ich auch mit einem Punkt zufrieden gewesen. Um so schöner, dass zum Ende noch der Lucky Punch gelungen ist. Und wieder war es Marvin Lorch mit einem Doppelpack. Aber auch für Jeffrey Obst freut es mich, da er sich über die letzten Wochen zu einem wichtigen Leistungsträger avanciert hat. Vor dem Spiel wurden zahlreiche Parallelen zum Spiel gegen M'gladbach gezogen. Marcus John hat gefordert, aus diesem Spiel mit 3 Gegentoren die nötigen Lehren zu ziehen. Das ist offenbar gut gelungen, denn in der Defensive stand man gegen Köln wesentlich sicherer und kompakter und hat nicht viel zugelassen. Vorne hat es trotzdem wieder 3 mal geklingelt.


    Wie wichtig dieser Dreier für die Schwatten ist zeigt ein Blick auf die Tabelle: mit 15 Punkten gehört man jetzt zum Tabellenmittelfeld, das von Platz 4 bis 14 reicht und eine Spanne von nur 4 Punkten umfasst. Aber schon morgen könnten sich die Schwatten wieder auf einen Abstiegsplatz wiederfinden, falls der WSV gewinnen sollte. Wichtig war der heutige Sieg auch, weil in den noch verbleibenden Spielen der Hinrunde die ganz dicken Brocken erst noch kommen. Daher ist jegliche Euphorie fehl am Platz. Mein Eindruck ist jedoch, dass Marcus John dem sehr gezielt entgegen wirkt, indem er anspruchsvoll bleibt und keine Selbstgefälligkeit aufkommen lässt.


    Genießt noch die Kirmes!!

    Dann schauen wir uns die Kölner Jungböckchen mal ein wenig näher an: Wir bekommen es am Samstag mit einem bislang sehr Heimstarken Gegner zu tun, der die letzten vier Heimspiele gewonnen hat, darunter das denkwürdige 4 : 1 gegen RWO mit seinen unschönen Begleitumständen. Nach einem eher misslungenen Start in die Saison stabilisierte sich der EffZeh im weiteren Verlauf durch mehrere Siege. Der Aufwärtstrend wurde dann jedoch am letzten Wochenende vorerst gestoppt durch die Niederlage beim SC Wiedenbrück. Wie andere U23 Mannschaften agieren die Kölner spielstark aber bisweilen ein wenig ungestüm. Das macht sie vor allem in Abwehr verwundbar. Kein Team - ausser die SG Wattenscheid - kassierte bislang mehr Gegentore und ein zu-Null-Sieg ist den Kölnern bislang auch noch nicht gelungen. Aus Bocholter Sicht darf man also auf eine interessante Begegnung gespannt sein. Nachdem die Schwatten sich in der Defensive zuletzt stark verbessert gezeigt haben - nicht zuletzt auch durch Hanraths - muss auch gegen schnelle und grossgewachsene Kölner die Priorität auf Ballbesitz und Absicherung liegen. Patzer in der Spieleröffnung durch unachtsame Querpässe - die gegen M'gladbach zu einem Tor geführt haben und beinahe auch gegen Straelen - sollte man gegen Köln tunlichst vermeiden. Gut, dass es für Ribeiro Entwarnung gab und er vermutlich als Sechser zur Verfügung steht. Vorteilhaft könnte auch sein, dass die BL Begegnung der Kölner erst am Sonntag stattfindet. Wenn es gelingt, hinten wenig zuzulassen, dann ist für die Schwatten am Samstag alles drin. Ziel sollte mindestens ein Punkt sein, denn noch immer stehen wir auf einem Abstiegsplatz. Aber wenn das gelingt sollte, dann kann die Kirmes beginnen.

    Lackmustest bestanden! Das 4 : 0 geht auch in dieser Höhe völlig in Ordnung. Natürlich hat die Gelb-Rote-Karte den Schwatten ordentlich in die Karten gespielt. Aber auch dieser Platzverweis ist gerechtfertigt. Wer vorbelastet so in den Zweikampf geht, der verdient die 2. Gelbe. Dann folgte kurz vor dem Pausentee eine Phase, in der die Straelener kurz trotz Unterzahl die Initiative übernahmen. Die Schwatten brauchten ein wenig Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Das gelang dann aber um so besser in HZ2. Ribeiro beirenstark. Hoffentlich nichts Ernstes. Grund grundsolide. Hanraths souverän. Er gibt der Defensive nicht nur viel Stabilität sondern agiert auch stark in der Spieleröffnung. Viele Vorstöße kamen über rechts. Fakro weiß inzwischen auch, wo das Tor steht. Insgesamt ein gelungener Nachmittag.

    Das Spiel gegen den SV Straelen könnte für die Schwatten zum Lackmustest werden. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass uns der SV Straelen mit einem 1 : 0 Sieg überholen könnte und damit wieder im Rennen wäre. Wer hätte das nach dem desaströsen Start der Straelener mit 8 Niederlagen in Folge gedacht? Mit neuem Trainer und einigen punktuellen Verstärkungen ist es den Niederrheinern offenbar gelungen, das Ruder noch einmal herum zu reißen. So präsentierten sich die Straelener In den letzten beiden Spielen gegen die SG Wattenscheid (0 : 4) und gegen den SC Wiedenbrück (1 : 0) von einer völlig anderen Seite.


    Aufgrund dieser Konstellation erwarte ich einen ganz heissen Tanz mit einer extrem motivierten Gastmannschaft. Für die Schwatten ist es wichtig, das Pokalspiel von vor zwei Wochen aus den Köpfen zu bekommen. Alles steht wieder auf Null und dennoch darf es für den 1. FC Bocholt keinen Zweifel über die Zielsetzung für dieses Spiel geben. Wie MJ schon nach dem M’gladbach-Spiel ausführte, entscheiden sich solche Spiele im Mittelfeld. Wer den Ball gewinnt, gewinnt eine Torchance – wer ihn verliert, dem droht ein Gegentor. In der Hoffnung, dass jedem die Brisanz dieses Spiels bewusst ist und der Erkenntnis, dass auch die Schwatten inzwischen über eine beeindruckende Mentalität verfügen, bin ich vorsichtig optimistisch.

    Als U23 Vertretung eines Bundesligisten kommt es Jahr für Jahr naturgemäss zu grösseren Umbrüchen. Dennoch konnten die Jungfohlen in den letzten Spielzeiten stetig gute Platzierungen in der RL erzielen. In der laufenden Saison kam man zwar etwas holprig aus den Startboxen, kommt jedoch allmählich gut in den Trab. Genau wie der 1. FC halten die Gladbacher auch gerne mal jenseits der Grenze Ausschau nach starken Testspielgegnern, waren dabei jüngst jedoch erfolgreicher als zuletzt die Schwatten. So gelang am vergangenen Wochenende gegen den ambitionierten Niederländischen Zweitligisten Roda Kerkrade ein 2 : 1 und davor gegen die Zweitvertretung von Standard Lüttich ein 2 : 0. In der Liga ist man seit 6 Spielen ungeschlagen. Die Formkurve zeigt also klar nach oben.

    Das 2 : 2 gegen die SG Wattenscheid zeigt allerdings auch ihre Verwundbarkeit in der Defensive. Dass die SGW ihre Führung nicht über die Zeit retten konnte, haben sie sich in erster Linie selbst zuzuschreiben, weil man die letzten 30 Minuten in Unterzahl bestreiten musste. Den Gladbachern muss man eine hohe spielerische Qualität bescheinigen. Ballsicherheit, gepflegtes Kurzpassspiel und gut eingeübte Laufwege zeichnen ihr Spiel aus. Wenn die Schwatten etwas zählbares mit nach Hause nehmen wollen, dann wird es nicht reichen, ausschliesslich auf die eigenen spielerischen Fähigkeiten zu vertrauen. Auch dieses Spiel wird letztendlich über den Kampf und die Bereitschaft, auch den letzten Meter zu gehen, entschieden. Ich gehe davon aus, dass man die neun Tage seit dem Pokalspiel unter der Woche mit dem unfreiwillig spielfreien Wochenende nicht nur zur Regeneration nutzt, sondern dass man sich auch selbstkritisch mit der 2. Halbzeit des Spieles gegen Straelen auseinandersetzt. Wenn die richtigen Lehren gezogen werden und die Einstellung stimmt, dann kann man aber auch in Gladbach bestehen. Schließlich sind die Schwatten ja Tabellenführerbesieger-Besieger.

    Herzlichen Glückwunsch zum Erreichen des Achtelfinals! In HZ 1 gnadenlos effizient. So sollte es sein und so hätte es weitergehen können - ging es aber nicht. Die HZ 2 bedarf daher noch der Aufarbeitung: Durch viele kleine Unkonzentriertheiten, Ungenauigkeiten und Ballverluste haben die Schwatten immer mehr die Spielkontrolle aus der Hand gegeben und den SVS zu Chancen eingeladen. Der Anschlusstreffer war die logische Folge und zum Schluss konnte man froh sein, dass man den Vorsprung über die Zeit retten konnte. Das Zittern hätte man sich sparen können, wenn man den einen oder anderen Konter erfolgreich abschließt. Nun gut - das Ergebnis zählt und die positiven Seiten überwiegen. Mund abputzen und weitermachen!

    Bocholt Zwei - Aachen Null, wer hätte das erwartet? Ich gebe zu, ich nicht.


    Ebenso wichtig, wie die drei Punkte, sind die Art und Weise, wie diese zu Stande kamen.


    1. Endlich einmal zu Null gespielt. In der Defensive standen wir zu 98% sicher. Bärenstark der Einstand von Mika Hanraths. Kaum zu glauben, dass er erst am Donnerstag dazu gestoßen ist. An ihn werden wir noch Freude haben. Die Sicherheit, die er ausstrahlt, überträgt sich auch auf TW.


    2. Der Schlüssel des Erfolgs liegt aber auch im Mittelfeld. Aachen hat u. a. auch deshalb so tief gestanden, weil im MF immer wieder Überzahlsituationen erarbeitet wurden. Hier hat mir Ribeiro nicht nur gut gefallen, sondern es freut mich auch, dass er den tückischen Zwischenfall vor zwei Wochen offenbar gut überstanden hat.


    3. Hingabe, Konzentration und mannschaftliche Geschlossenheit über 90 Minuten. Man hat der Truppe angemerkt, dass sie die letzten zwei Wochen intensiv genutzt hat.


    4. Die "Alten" und die "Neuen" haben sich gut ergänzt. In der Startelf fanden sich 7 Oberligameister, die das in sie gesetzte Vertrauen auch rechtfertigten. Die "Alten", waren es auch, die für die Tore sorgten, und sowohl für AB als auch für MB dürfte dies für zusätzliches Selbstvertrauen sorgen.

    Einziger Wermutstropfen ist der Ausfall von KG, von dem ich noch nicht weiß, wie ernst es um ihn steht. Allerdings zeigt sich hierbei einmal mehr wie wichtig es ist, über Alternativen auf allen Positionen zu verfügen.

    Am kommenden Samstag bietet sich nun die Chance, durch einen weiteren Dreier den Anschluss an das Tabellenmittelfeld herzustellen. Entgegen meiner früheren Prognose sehe ich hierfür durchaus realistische Chancen, vorausgesetzt, man schließt nahtlos an die gestrigen Leistungen an.

    Gerüchtweise kommen noch ein Stürmer und ein flexibler Abwehrspieler mit jeweils recht viel Erfahrung in der RL?!

    Gerücht? Das liest sich aber eher wie "eine unbestätigte Information aus gut unterrichteten Kreisen" 😏

    Die anderen 50% des "Gerüchtes" sind nun auch offiziell. Mit Mika Hanraths konnte die dringend benötigte Verstärkung für die Innenverteidigung für den 1. FC Bocholt gewonnen werden. Der 23jährige Sportsfreund verfügt über die Erfahrung von 93 RL-Spielen und gehörte bei S04 zuletzt zu den Stammkräften. Geboren am 04.06.99 erfüllt er knapp nicht die U23 Regel für die Saison 22/23 und verabschiedete sich daher von den Knappen. Mika Hanraths verfolgte bislang durchaus ambitionierte Ziele, strebte eine Profikarriere an und stand offenbar kurz vor dem Sprung in höhere Spielklassen. Damit dürfte den Schwatten ein wirklich interessanter Transfer gelungen sein. Herzlich Willkommen!

    Wieso Schwarzmalerei?

    Ich sehe das ja genauso. Nur nach dem Aufstieg hieß es, dass wir ja schon praktisch eine Regionalliga taugliche Truppe haben. Das war ein ziemlich schwerwiegender Trugschluss. Bis auf die drei genannten ist aus meiner Sicht kein Spieler wirklich RL-tauglich …

    Problem mit den ganzen spät geholten Spielern ist leider, dass sie irgendeinen Makel haben. In der Regel ist es die fehlende Fitness wegen vorheriger Verletzungen, weswegen sie auch vor der Saison keinen Verein gefunden haben.

    Ich stimme Dir teilweise zu. Man hat sich zu lange der Illusion hergegeben, dass man mit dem Kern der Meistertruppe auch in der RL bestehen könne. Diese Fehleinschätzung war möglicherweise auch einer der Gründe dafür, dass man sich von J.W. getrennt hat. M. J. ist dabei, diese Fehler zu korrigieren wobei man inzwischen nicht mehr nur von punktuellen Verstärkungen sprechen kann sondern eher von einem grösseren Umbruch. Dabei wurde leider viel Zeit vergeudet und wir müssen damit rechnen, dass es noch eine Weile dauern wird, bis die Mannschaft wirklich eingespielt ist. Insofern kann ich dem Spielausfall gegen Fortuna Köln durchaus auch positive Seiten abgewinnen.

    Ich finde es allerdings überzogen, den Spielern der Meistertruppe bis auf den drei genannten die RL-Tauglichkeit abzusprechen. Auch halte ich es für eine Pauschalbehauptung zu sagen, dass die jüngsten Neuzugänge makelbehaftet seien. Ich möchte jetzt nicht einzelne Spieler heraus greifen, aber die Sommerpause war kurz und die Saison ist lang und wir sind daher auf einen breiten Kader angewiesen. Dabei werden auch die altbewährten Kräfte eine wichtige Rolle spielen - auch wenn sie bisweilen als Reservisten herhalten müssen.

    Wichtig wird es sein, dass es rasch gelingt, die neuen Kräfte auch mental in die Truppe zu integrieren. Viele Spiele werden durch Moral und Mannschaftsgeist entschieden werden und man muss möglichen Rissen im Mannschaftsgefüge frühzeitig entgegenwirken.