Fußballkultur?: Dauersingsang

  • So vor 20 Jahren fand ich die Ultrabewegung richtig toll. Im Laufe der Zeit ist mir das aber irgendwie viel zu ernst, humorlos und selbstbezogen geworden. Performance statt Kreativität und Anarchie. Ich hab mal gelesen, laut Ultrakodex muss man mittlerweile seine Gruppe auflösen, wenn einem die Zaunfahne geklaut wird. Das müssen sich 15-Jährige ausgedacht haben, was ein Kindergarten...

    "Der alteingesessene Supporter bezieht seine identität als Fan aus der lebenslangen bindung an den Fußball und seinen Klub. Nichts kann diese Zuneigung erschüttern, keine Niederlage, kein Abstieg, keine Ehekrise."


    "Mit Wormatia haben wir uns Zielsicher den Verein ausgesucht, der sich offensichtlich vorgenommen hat, das Spannungsverhältnis zwischen Enttäuschung, Versagen sowie Rettung und Glück in letzter Sekunde im endlosen Dauerbetrieb zu testen."

  • Tja Samstagmittag, kein Fußballspiel im Stadion, da hat man Zeit, mal hier im Forum verschiedene Threads zu lesen. Dabei bin ich auf diesen hier aufmerksam geworden. Für mich ein hochinteressantes Thema. Habe mal eure Nachrichten gelesen und versuche nun einmal, darauf Bezug zu nehmen, vielleicht aber auch neue Sichtweisen zu vermitteln. Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass es um zwei Themen geht:
    1. Der Support durch Ultras in Form von Dauersingsang
    2. Die Mentalität der Ultras bzw. deren Wandel im Laufe der Jahre bzw. Jahrzehnte


    Zunächst einmal muss ich hier eine Lanze für die Ultras brechen, denn gerade bei kleineren Vereinen in Liga 3-6 sind die Ultras ein ganz wichtiger Faktor, um Jugendliche ins Stadion zu locken bzw. für weitere Male zu begeistern. Gerade bei kleineren Vereinen gibt es dieses traditionelle "Fan werden" an der Hand vom Vater/Opa das erste Mal ins Stadion gehen und dann hängen bleiben immer weniger. Die Regel sieht doch eher so aus, dass irgendeiner tatsächlich mal vom Vater/Opa mitgenommen wurde, dieser dann in der Schule oder auf der Arbeit ein paar Kumpels erzählt, dass bei Verein X was los ist und die Kumpels zum nächsten Heimspiel mitnimmt. Wo stellen sich diese Grüppchen dann meistens hin? Richtig - in die Nähe des Stimmungsblocks - sprich zu den Ultras. Und meistens bleibt dann noch jemand der Kumpels hängen.


    Über die Entwicklung der Ultrabewegung kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Auch ich finde, dass mittlerweile vieles zu ernst genommen wird. Viele Ultragruppen pflegen ein sehr elitäres, organisiertes Auftreten, was auf Jugendliche aber natürlich auch wieder eine gewisse Faszination ausübt. Oft habe ich den Eindruck, dass sich auch kleinere Szenen zu sehr an den großen aus Frankfurt, Stuttgart oder Nürnberg orientieren, statt etwas eigenes zu entwickeln, das auf ihre Stadt und ihr Umfeld passt. Hierzu würde ich auch das Fahnen schwenken zählen, wo man sich zu sehr an Nürnberg orientiert. Bei denen mag das geil aussehen, wenn aber bei einem Regionalligist drei Fahnen permanent geschwenkt werden, sieht das nicht geil aus, sondern stört einfach nur die anderen und führt im schlimmsten Fall sogar zu unnötigen Konflikten innerhalb der eigenen Fanszene.


    Zum Thema Dauersingsang: Auch hier gucken sich die kleineren Szenen meiner Meinung nach etwas bei den größeren ab, das auf ihre Fanszene nicht passt. Denn bei Frankfurt oder Dresden ist es kein Problem, wenn mal nicht alle mitsingen und nur ein kleiner Teil permanent gröhlt, da kommt immer Stimmung rüber. Wenn aber nur 50-100 Leute im Block stehen und davon dann nur die Hälfte mitsingt, klingt das sehr leise. Da lob ich mir dann die kurzen Schlachtrufe, bei denen aber alle mitziehen. Und selbst bei den großen Fanszenen klingt der Support dann höufig monoton und ich habe Zweifel, dass da was bei den Spielern auf dem Rasen ankommt.
    Andererseits weiß ich aus Gesprächen mit Ultra- und Supportwilligen, dass es für viele von ihnen sehr wichtig ist, dass 90 Minuten gesungen, gesprungen und geschwenkt wird. Auch hier muss man sagen, dass es für Jugendliche keinen Reiz darstellt, wenn nur alle 10 Minuten mal ein Schlachtgesang kommt, weil die Mannschaft einen Eckball oder ähmliches rausgeholt hat. Die Jungs (und vereinzelt auch Mädels) wollen 90 Minuten mehr oder weniger Action auf den Rängen. Deshalb ist ja auch Pyro so wichtig. Mit diesen Bildern kannst du die Klassenkameraden beeindrucken. Das sieht geil aus. Das ist verboten, hat also auch etwas rebellisches.

  • Eben. Ich krieg halt direkt Gruselkribbel am Rücken, wenn ich mir dieses Alte Herren-Geschwafel zu "früher war alles besser" geben muss. Anders ja, aber besser? Die Nummer krieg ich mit meinem Vater schon. Musik war früher besser, Filme waren besser, Fernsehen war besser, nach 1990 kam nix vernünftiges mehr, blablabla.


    Und hier im Forum ist es dann halt dieser Fokus auf "früher war Fussball besser, da wurde man noch vollgeregnet mit Zuschauerzahlen knapp überm Gefrierpunkt und ohne Singsang". Ja, schön das ihr das so seht, ich würd ja sogar als jüngerer Forenteilnehmer sagen: Ich beneide euch um eure Erfahrungen. Aber nie und nimmer war das schlicht "besser" sondern halt "anders".


    Für mich gehört Singsang aus der Kurve dazu, kenn ich nicht anders, gibts mein Leben lang außer während der unsäglichen Corona-Zwischenphase, wo die Ultras wegen der Auflagen zunächst den Stadien fern blieben. Ganz toll, Stimmung wie aufm Friedhof, weil ohne geordneten Support halt einfach nix kam.

    Wird so vermutlich den meisten Zuschauern unter 40/35/beliebige andere Altersgrenze gehen. Und für diese Generation gehören auch "vernünftig ausgebaute Sportstätten" mit Dach, Videotafel und bei größeren Vereinen noch anderem Schnick-Schnack halt dazu.


    Mag den Älteren nicht so gefallen, anderen aber schon. Und jetzt ist das andere Fan-Sein schlechter als das der Opis, weil damals war ja so schimmlig-schön und geil?


    Ne Leute, das ist so bescheuert und von oben herab. Und das ist eigentlich das, was ich bei Diskussionen mit älteren Mitbürgern auch bei anderen Themen spüre, dieses unterschwellige "Ich weiß es besser, was du machst, ist mir wurscht bzw. ist eh Quatsch und falsch" schwingt einfach IMMER mit - ob bewusst oder unbewusst. Und solange ich bei solchen Diskussionen keinen Respekt von der älteren Generation spüre, die mir eine qualifizierte Meinung zutrauen (und ich bin ja nun schon 33, fragt mal, wie sich Menschen mit Geburtstjahr 2000 und jünger dabei fühlen, die inzwischen zum Gutteil auch schon Steuern bezahlen, im Leben stehen, Familien gründen - und dann von Omma Brömmelkamp von der Seite hören dürfen "Ja, in deinem Alter haben wir schon ein Haus gekauft und hatten schon 2 Kinder"), fällt es mir schwer da nicht meckernd dagegen zu halten - selbst wenn ich eigentlich gerne Gschichten ausm Paulaner Garten höre.


    Das musste ich mir mal von der Seele schreiben, auch wenn der Bezug zum MSV-Abstieg wohl nurnoch marginal ist.


    Semi Silesian Ich hab glaub ich mit keiner Silbe suggeriert, dass du dich in irgendeiner Form schlecht fühlen solltest weil du Sonntag nicht im Stadion warst oder stattdessen die Frauen geguckt hast (Um deine Frage zu beantworten: Nein, ich hab die Frauen nicht geguckt. Ich find Frauen-Fussball minderwertig in jedweder Hinsicht, das ist für mich auf einem Level, dass nicht mal Herren-Bezirksliga erfüllt. Aber wer sich dran erfreut, dem mache ich da nichts madig, schön dass du Spass hattest). Ich habe lediglich ein plastisches Beispiel gewählt für den Umgang mit dem Thema Nostalgie von vielen älteren Mitbürgern und im kleinen amateurfussball-forum.de Cosmos, der älteren Foristen.


    Noch viel mehr Silben will ich daran um Mitternacht aber auch nicht investieren, Leben und Leben lassen. Und bevor mir das um die Ohren fliegt: Zotige Storys von früher, ob nun vom Görlitzer Leverkusener, dem Ex-Schichtler vonner Bahn oder der Gmünder Legende lese und höre ich unfassbar gerne. Sonst wäre ich nicht hier.

  • Für mich gehört Singsang aus der Kurve dazu, kenn ich nicht anders, gibts mein Leben lang außer während der unsäglichen Corona-Zwischenphase, wo die Ultras wegen der Auflagen zunächst den Stadien fern blieben. Ganz toll, Stimmung wie aufm Friedhof, weil ohne geordneten Support halt einfach nix kam.

    Wird so vermutlich den meisten Zuschauern unter 40/35/beliebige andere Altersgrenze gehen. Und für diese Generation gehören auch "vernünftig ausgebaute Sportstätten" mit Dach, Videotafel und bei größeren Vereinen noch anderem Schnick-Schnack halt dazu.

    Gesänge gehören ins Stadion dazu, aber muss es denn 90+x Minuten Dauerschleife sein meistens ohne jeden Bezug zum Geschehen auf dem grünen rasen, das früher mal im Mittelpunkt stand ? wie wärs auch mal mit klassischen Anfeuerungsrufen ?

    und „geordneter Support“ meint wohl, dass da vorne ein Hampelmann oder zwei Hampelmänner mit Megaphon rumhampeln und genau vorgeben, wie "der Block" sich zu äußern hat; da kann man dann als Stehplatzfan entweder genauso mitmachen oder man wird vielleicht am Rand noch geduldet

    früher ging es auch – also bei Sechzig gings – dass mal das Grüppchen und mal das was angestimmt hat und dann hat der ganze Block eingestimmt oder das Spielgeschehen war halt wichtiger dann hat man dazu rumgeplärrt und den Gegner und oder Schiri beschimpft.

    hatte was Anarchisches und das war gut so

    #22/5 5 Regional-Verbände = 5 Regional-Ligen = 5 Regional-Meister = 5 Aufsteiger

  • hier passts auch rein


    Für mich gehört Singsang aus der Kurve dazu, kenn ich nicht anders, gibts mein Leben lang außer während der unsäglichen Corona-Zwischenphase, wo die Ultras wegen der Auflagen zunächst den Stadien fern blieben. Ganz toll, Stimmung wie aufm Friedhof, weil ohne geordneten Support halt einfach nix kam.

    Wird so vermutlich den meisten Zuschauern unter 40/35/beliebige andere Altersgrenze gehen. Und für diese Generation gehören auch "vernünftig ausgebaute Sportstätten" mit Dach, Videotafel und bei größeren Vereinen noch anderem Schnick-Schnack halt dazu.

    Gesänge gehören ins Stadion dazu, aber muss es denn 90+x Minuten Dauerschleife sein meistens ohne jeden Bezug zum Geschehen auf dem grünen rasen, das früher mal im Mittelpunkt stand ? wie wärs auch mal mit klassischen Anfeuerungsrufen ?

    und „geordneter Support“ meint wohl, dass da vorne ein Hampelmann oder zwei Hampelmänner mit Megaphon rumhampeln und genau vorgeben, wie "der Block" sich zu äußern hat; da kann man dann als Stehplatzfan entweder genauso mitmachen oder man wird vielleicht am Rand noch geduldet

    früher ging es auch – also bei Sechzig gings – dass mal das Grüppchen und mal das was angestimmt hat und dann hat der ganze Block eingestimmt oder das Spielgeschehen war halt wichtiger dann hat man dazu rumgeplärrt und den Gegner und oder Schiri beschimpft.

    hatte was Anarchisches und das war gut so

    #22/5 5 Regional-Verbände = 5 Regional-Ligen = 5 Regional-Meister = 5 Aufsteiger

  • Für mich gehört Singsang aus der Kurve dazu, kenn ich nicht anders, gibts mein Leben lang außer während der unsäglichen Corona-Zwischenphase, wo die Ultras wegen der Auflagen zunächst den Stadien fern blieben. Ganz toll, Stimmung wie aufm Friedhof, weil ohne geordneten Support halt einfach nix kam.

    Und genau da liegt Dein Problem. Du kennst nur die Zeit mit dem nervigen Dauersingsang. Kannst also gar nicht vergleichen.


    Denn dass früher keine Stimmung im Stadion war - weil ja kein Dauersingsang - auf die kann nur einer kommen, der nicht dabei war.


    Aber hallo war früher Stimmung im Stadion. Nur spiegelte diese Stimmung eins zu eins den Spielverlauf wieder. Nicht aber dieses immer gleiche Dauer-Schallala, egal ob man 2;0 gegen Bayern führt, weil man um jeden Grashalm gekämpft hat, oder ob man 0:3 gegen Unterhaching zurück liegt weil die Herren keine Lust haben, sich zu bewegen.


    Auch waren wir alten Herren in der Lage, von uns aus Stimmung zu machen. Positive wie negative. Wir brauchten dafür keinen Vorbeter mit Megafon. Keine Pyros und keine Fanchoreo.


    Du weißt gar nicht, was Du verpasst hast.

  • Ne Leute, das ist so bescheuert und von oben herab. Und das ist eigentlich das, was ich bei Diskussionen mit älteren Mitbürgern auch bei anderen Themen spüre, dieses unterschwellige "Ich weiß es besser, was du machst, ist mir wurscht bzw. ist eh Quatsch und falsch" schwingt einfach IMMER mit - ob bewusst oder unbewusst. Und solange ich bei solchen Diskussionen keinen Respekt von der älteren Generation spüre, die mir eine qualifizierte Meinung zutrauen (und ich bin ja nun schon 33, fragt mal, wie sich Menschen mit Geburtstjahr 2000 und jünger dabei fühlen, die inzwischen zum Gutteil auch schon Steuern bezahlen, im Leben stehen, Familien gründen - und dann von Omma Brömmelkamp von der Seite hören dürfen "Ja, in deinem Alter haben wir schon ein Haus gekauft und hatten schon 2 Kinder"), fällt es mir schwer da nicht meckernd dagegen zu halten - selbst wenn ich eigentlich gerne Gschichten ausm Paulaner Garten höre.

    Glaube mir, dieses Selbstverständnis hatten wir alten Herren von uns auch, als wir 33 waren. „Ich habe doch schließlich schon reichlich Erfolge beruflich wie privat vorzuweisen und zahle Steuern, was erzählt der Alte da eigentlich?“ Heute bin ich der Alte und kann über mein damaliges Selbstverständnis mit 33 nur noch schmunzeln. Ich wünsche Dir daher von ganzem Herzen, dass auch Dir diese Lebenserfahrung zuteil wird. Du wirst sehen, es tut nicht weh, wenn auch Du Dich eines Tages als alter Herr im Diskurs mit der jungen Generation Kraft dieser Lebenserfahrung seufzen hörst, dass früher alles besser war. Weil Du dann im Vergleich zu Deinem 33jährigen Ich nämlich beide Versionen kennst. Nichts für ungut…

  • Einigen wir uns schlicht und einfach auf anders,dat klingt besser und ich denke,dat is´passender.


    Wat heute der "Singsang",dat waren damals Drei-oder Vierklang-Fanfaren.

    Ich hatte selber so ein Teil und habe das reichlich genutzt und hatte Spaß dabei.


    Respekt vor jüngeren-dat hab ich.

    Aber wäre nett,wenn die Jugend den auch uns "alten Säcken" entgegenbringt,dann paßt dat.

    Is´´ne Generationenfrage,dat man einiges eben anders sieht-aber ich zumindest sehe dat recht tiefenentspannt.

    "Von oben herab" kann ich gar nicht,ich messe gerade einmal 1,76 Meter-und als echten Jungen ausse Arbeiter-Siedlung red´ich klare Kante-aber nix is´mit arrogant.

    Und besser weiß ich auch nix,aber ich weiß,dat ich nix weiß :lol:

    Wenn wir uns mal wieder auf irgendeinem Kreisliga-Platz sehen,geb´ich dir einen aus


    Ich weiß noch,als mich meine Vater (war Jahrgang 26) dat erste Mal mit in´s Wedaustadion nahm,da war ich 8 Jahre alt.

    Da hieß es : "Feuer unseren Verein an-aber wenn Du hier Blödsinn machst,dann geht´s sofort nach Hause und dann gibt et kein zweites Mal"


    Hab´ich mich dran gehalten-bis auf sehr wenige Ausnahmen als Heranwachsender

    Da haben mein Kumpel und ich "Marschverpflegung" in Form von Bierpullen mitgenommen und nach dem Entleeren wollten wir die elegant wie beim Basketball aus etwas größerer Entfernung im Papierkorb versenken.

    Hat nicht ganz geklappt,die landeten daneben und gingen dabei zu Bruch.

    Blöd nur,daß das ein berittener Polizist mitbekam.

    Da hieß es vom Gaul herab: "Dat sammelt ihr jetzt brav ein,sonst kann ich machen,dat ihr dat Spiel verpaßt"

    Dat wollten wir natürlich nicht.


    Wat Musik anbelangt:

    Ich höre auch am liebsten Musik der Jahrgänge 1965-1989,wat aber nicht heißt,das auch mal wat aus diesem Jahr auffm Plattenteller landet.

    Auffm Mond lebe ich trotz fortgeschrittenen Alters ja nun doch nicht :lol:


    Was den Frauen-Fußball betrifft.

    Mir gefällt dat-von Länderspielen bis Kreisliga hab´ich schon alles gesehen,den Vorgängerverein FCR Duisburg hab´ich noch am Waldborn spielen gesehen.


    Aber jeder soll dat tun,wat ihr/ihm Spaß macht-nur nich´sowat wie den versichten Platzsturm,dat fand´ich echt nich´gut bei allem Frust

    ich kannte wen
    der litt akut
    an Fußballwahn
    und Fußballwut
    (Joachim Ringelnatz)

  • Mal ne Frage, wie häufig bist du in Stadien, wo es organisierte Stimmung gibt?

  • Schwieriges Thema für mich... Von 1994 bis 2008 war ich aktiv in der Ultraszene und fand es geil und natürlich hielten wir uns manchmal für was besseres. Im Endeffekt ist das aber quatsch, weil ob Normalo, Ultra oder Hooligan, alles gehören zum Verein dazu, jeder auf seine Art und Weise! Selbstverständlich! Ist aber nur mein subjektives Empfinden. Vor dieser Zeit hab ich aber auch noch erlebt wie es war wenn Stimmung aus der Situation heraus gemacht wurde ohne Ultras und auch das fand ich geil, weil sonst wäre ich ja nicht hingegangen. Womit ich aber absolut nichts anfangen kann ist dieser oberpeinliche Dauersingsang ohne jeglichen Spielbezug inzwischen. Am schlimmsten fand ich das bei Paderborn gegen Düsseldorf, wo ich zwangsweise im Gästeblock war (einzige Option auf ne Karte 2014) und die die komplette erste Halbzeit ein und dasselbe Lied immer und immer wieder bis zum erbrechen von sich gegeben haben.... <X Oder noch schlimmer bei zweiten Mannschafen im Profibereich. Dortmund II gegen Chemnitz freitags abends auch 2014 glaube ich. Im Stadion Rote Erde etwa 300 oder mehr Dortmunder Ultras auf der Tribüne die das gesamte Spiel ihren Dauersingsang durchgezogen haben und selbst bei den Toren zum 3:0 Sieg nicht mit dem Rotz aufgehört und weitergeplärrt haben. Da frag ich mich ernsthaft: Wozu? Warum? Weshalb? Ist es ach so geil dann mit "einem großen Mob Stimmung" zu machen, was bei den Profis wegen der vielen "Erfolgsfans" nicht geht und man unter sich ist? Aber das Spiel oder Sieg hat nicht wirklich irgendwen interessiert.... Totaler Rotz! Da fällt mir auch noch Ingolstadt gegen Wehen ein in der 2.Bundesliga 2018 oder 2019. Da waren wir im Heimbereich gelandet und standen natürlich ganz außen. Die FCI Ultras hatten ne Mikrofonanalage am Zaun installiert und der Vorsänger gab wirklich alles mit seinem Mikro in der Hand.... Irgendwann war er der Einzige, der überhaupt irgendwas gemacht und sich zum totalen Vollkasper gemacht hat bei "Und das ganze Stadion dreht frei".... Soooo oberultrapeinlich..... :rofl: Gibt aber auch Vereine, wo es zwar Ultras gibt, aber irgendwo nicht hinpassen: Lok Leipzig, OFC, Waldhof, RW Essen, etc. Sind halt Oldschool Szenen bzw. Vereine.


    Was mir auch auf den Sender geht ist dieses ständige boykottieren ohne Sinn (Stichwort teure Karten, trotzdem kaufen, aber nicht hingehen usw.) oder sich inzwischen als die "wahren Fans" ansehen... Siehe oben mein dritter Satz! Man muss sich halt differenzierter mit allem auseinandersetzen. Es gibt kein nur Ultras ist geil und genauso auch kein alle Ultras sind scheixxe! Natürlich haben Ultras auch gute Protestaktionen gebracht, keine Frage und genauso gibts Normalos die sich für den Verein einsetzen. Miteinander, nicht gegeneinander heißt das Zauberwort.... Doch natürlich gibts auch Spielbezogenen Support, was ich persönlich damals schon wichtig fand (neben einer ordentlichen Pyroshow ohne irgendwen zu gefährden).


    Was ich aber immer noch geil finde sind Choreos und Pyroshows.... :ja2:

  • Mal ne Frage, wie häufig bist du in Stadien, wo es organisierte Stimmung gibt?

    Die Frage ist falsch formuliert: Ich war so oft Jahrzehnte lang im Stadion, zu Hause wie auswärts, Aufstiege wie Abstiege. bis mir die organisierte "Stimmung" mir schlichtweg den Besuch verleidet hat. Und da bin ich in meinem fortgeschrittenen Alter nicht der ansatzweise der einzige. Unter "Stimmung" versteht meine Generation nämlich was anderes als diesen ewig gleichen Dauersingsang Oleole Schallalalala, der von einem Vorbeter angeordnet wird, der mit dem Rücken zum Spielfeld auf dem Zaun hockt. Das hat nämlich überhaupt nichts mit Stimmung zu tun, sondern allenfalls mit künstlicher Stimmungsmache ala "wir sind jetzt alle Mal auf Kommando lustig".

    2 Mal editiert, zuletzt von lohmann26 ()

  • Da wird sich heute immer darüber beklagt, dass die modernen Stadien anders als früher alle irgendwie gleich aussehen. Dass aber heute anders als früher in jedem Stadion der gleiche Dauersingsang abgefeiert wird, das ist voll in Ordnung. :lol:


    Auch stelle ich mir gerade mal die Sinnfrage für den monotonen Dauersingsang. Wie will das Stadion eigentlich eine Mannschaft als "12. Mann" nach vorne peitschen, wenn die Spieler auf dem Platz da unten immer das gleiche zu hören kriegen, egal ob sie Gras fressen oder bloß das Trikot spazieren tragen? Damit verläuft das was da von den Rängen kommt, in den Köpfen der Spieler nach kurzer Zeit doch völlig im Sande. Kann also nur heißen, dass der Dauersingsang gar nicht dazu da ist, die Mannschaft zu unterstützen, sondern bloß der Selbstdarstellung der Minnesänger dient.

  • Mal ne Frage, wie häufig bist du in Stadien, wo es organisierte Stimmung gibt?

    Die Frage ist falsch formuliert: Ich war so oft Jahrzehnte lang im Stadion, zu Hause wie auswärts, Aufstiege wie Abstiege. bis mir die organisierte "Stimmung" mir schlichtweg den Besuch verleidet hat. Und da bin ich in meinem fortgeschrittenen Alter nicht der ansatzweise der einzige. Unter "Stimmung" versteht meine Generation nämlich was anderes als diesen ewig gleichen Dauersingsang Oleole Schallalalala, der von einem Vorbeter angeordnet wird, der mit dem Rücken zum Spielfeld auf dem Zaun hockt. Das hat nämlich überhaupt nichts mit Stimmung zu tun, sondern allenfalls mit künstlicher Stimmungsmache ala "wir sind jetzt alle Mal auf Kommando lustig".

    Die Frage war richtig formuliert, was man in deiner Antwort erkennen kann.

  • Als "Fankultur" möchte ich nachfolgendes nicht direkt bezeichnen,aber ich erinnere mich gerade an die frühen 70er,wo es auch mehr oder weniger originelle Anti-Gesänge gab.


    Ein "Hit" in Duisburg war seinerzeit:


    "Wen wolln wir fressen ? -Rot-Weiss Essen"

    "Wen lassen wir sausen ? - Rot-Weiß Oberhausen"

    "Wen wollen wir lynchen ? - Bayern München"


    Und dann

    Und dann

    Ajax Amsterdam !


    Wenn ein Angriff des Gegners nichts einbrachte,dann erschallte schon mal das:

    "Eins,Zwei,Drei-und wieder mal vorbei" (zu Beatles-Yellow Submarine)


    Wenn man nicht singen wollte,dann wurde einfach.

    "Üben,Üben"

    gebrüllt

    ich kannte wen
    der litt akut
    an Fußballwahn
    und Fußballwut
    (Joachim Ringelnatz)

  • Wenn ich schon "organisierte Stimmung" höre oder lese bekomme ich aber trotzdem die Krise, Soooo überheblich, als würde ohne Ultras, Capo usw. gar nichts gehen.

  • Damals konnten "Kreative" Köpfe schon mal einen gerade ausgedachten Schmähgesang anstimmen, der, wenn er gut war, von der ganzen Kurve aufgegriffen wurde, da hatte man als Erfinder seine 5 Minuten Ruhm. Erinnere mich, als ich in der Jugend mal neidisch bei der DEG zu Besuch war, wo solche Kreativität noch viel verbreiteter und lustiger war als im Fußball. Im englischen Fußball ohne Ultras ist das auch heute noch so, aber ein "Mesut Özil, your eyes are offside" könnte man hierzulande gar nicht anstimmen, es käme gegen den Soundteppich der Ultras ja nie durch.

    Ist das noch Fußball?

  • Das Problem am "Dauersingsang" ist - zumindest für mich- das es sich Spieltag für Spieltag wiederholt mit immer den gleichen Melodien

    Das empfinde ich als langweilig und uninspiriert,weil Null Abwechslung.

    Wenn die Leute beim Gesang doch so kreativ und originell wären wie bei den Choreos...

    ich kannte wen
    der litt akut
    an Fußballwahn
    und Fußballwut
    (Joachim Ringelnatz)